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der man auf den Führer sah und dessen Massnahmen befolgte. Wie recht er gehabt hatte, zeigte sich gleich vor Avaricum, der einzigen Stadt, deren Schonung nach heissen Kämpfen dem Vercingetorix abgerungen worden war ¹. Noch einmal trat die Überlegenheit der römi- schen Waffen zutage, so schwierig die technische Aufgabe vor Avaricum, dem oppidum pa- lustre, auch war“.
Nachdem Avaricum gefallen war und Cäsar sich von den Strapazen der fast 30 tägigen Belagerung mit seinen Truppen in der reichen Stadt erholt hatte, wollte er aufbrechen, um die Feinde wieder zu stellens. Abermals sind es die Aduer, die seine Pläne durchkreuzen. Sie erbaten seine Hülfe in einer inneren Angelegenheit. Er gab ihren Bitten nach und liess sich vom Kriegsschauplatz und vom Feinde abziehenB. Was mag ihn wohl dazu bestimmt haben? Aus seinen Ausführungen geht hervor, dass er auch jetzt unter allen Umiständen den Aduern gegenüber als Schutzherr gelten wollte; er durfte sie nicht ihren Zwistigkeiten überlassen, sonst waren sie ihm verloren, denn wie sehr sie in ihrer Treue wankend geworden waren— dazu wird das Gold des reichen Auvergnaten viel mitgeholfen haben— sollte sich bald zeigen. Vercingetorix wollte er unter keinen Umständen die Entscheidung in dieser Angelegenheit überlassen; so schlichtete er den Streit der Aduer auf einer Versammlung zu Decetia und verpflichtete sie sich durch diese Tat. Er brauchte sie notwendig; wer sollte seine Etappen- strasse decken, wenn er nach dem Süden zog, wer sollte ihm den Rücken frei halten, wer ihm Truppen, namentlich Reiter geben, wenn nicht die Aduer? Also das ganze Gelingen seines Feldzuges lag an ihrem Verhalten. Durch sein Eingreifen erreichte er vorläufig, aller- dings unter grossen Versprechungen?, was er wollte. Wie gering aber Cäsar ihre Treue schon damals einschätzte, geht daraus hervor, dass er die vornehmsten Führer der zu stellenden Truppen gleich mit sich nahmé.
Noch war es des Missgeschicks nicht genug; Cäsar musste seine Truppen teilen“ und vier Legionen mit Reiterei dem Labienus nach Norden zu Hilfe schicken, während er nun mit sechs Legionen und dem Rest der Reiterei den Vormarsch auf Gergovia antraté. Weitere Reiterei und 10 000 Mann der AXduer sollten folgen. In Noviodunum(Nevers) waren seine Depots angelegt, von dort aus sollte, unter dem Schutz der Aduer, der Nachschub folgen. Auf Verproviantierung aus der Umgegend konnte er nicht rechnen, das wusste er durch die Erfahrungen in dem Biturigerland, und ausserdem war es noch zu früh im Jahre. Cäsar wollte jetzt zurück auf die linke Seite des Allier, aber Vercingetorix hatte sämtliche Brücken
¹ Vgl. Kap. 14, 3, 4.
² Man sieht noch heute ganz deutlich die Stelle, von der aus der Angriff erfolgte, noch heute trägt die Landschaft um Bourges sumpfigen Charakter: Hochragende Weiden geben der nächsten Umgebung das Gepräge. Ich sah, wie die Gärten in den Niederungen an den vielen Bächen und dem Kanal de Berry auch jetzt noch zum Teil mit Kähnen erreicht werden.
3 Vgl. Kap. 32, 2.
4 Vgl. Kap. 33, 1.
5 Vgl. Kap. 34, 1.
Veith S. 177 vermutet, die ganze Angelegenheit sei ein Schachzug des Vercingetorix gewesen, um die Offensive Cäsars zu verzögern. Es lässt sich das nicht unbedingt behaupten, doch lag der Aufenthalt im Aduer-Gebiet durchaus im Interesse der Gallier, vorausgesetzt, dass Vercingetorix schon vorher beabsichtigte, als nächsten Punkt des Widerstandes Gergovia zu wählen. Vgl. auch Jull. H. d. 1. G. III, 457.
7 Vgl. Kap. 34, 2.
s Cäsar wird wohl nicht aus Leichtsinn und unbedacht die Legionen geteilt haben, wie Veith Seite 177 vermutet(vgl. Jull. H. d. I. G. III, 465/66). War es nicht gerade ein Zeichen kluger Vorsicht, wenn er im nörd- lichen Gebiet grössere Truppenmassen vereinte, die ihm unter Umständen, während er im Süden operierte, die Feinde vom Halse halten und möglicherweise, wenn er zurück musste, ihm den Weg nach Norden frei machen konnten?


