Aufsatz 
Gergovia. Eine Cäsarstudie auf Grund eigener Anschauung
Entstehung
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cingetorix operierte er durch seinen Übergang über die Cevennen, eine staunenswerte Leistung mitten im Winter; es war Februar¹. Daran hatte natürlich niemand gedacht. Schnee und Eis der Cevennen galten als unbesiegbares Hindernis. Deshalb hatte man dorthin nicht ge- sichert. Der Erfolg war glänzend. Vercingetorix musste in sein Land zurück, Cäsar hatte richtig gerechnet mit der Angst der Bevölkerung, der Vercingetorix diesmal nachgab, obwohl er als Feldherr einen Erfolg für die Römer durch diesen Einfall nicht zu fürchten brauchte ². Somit war seine dritte Absicht erreicht, seine Legionen waren noch frei. Nun eilte der Pro- konsul weiter. Tag und Nacht raste er durch das Aduerland und erreichte glücklich seine Legionen. So überlegt der Plan des Arvernerfürsten auch ins Werk gesetzt war, der römische Feldherr hatte seinem genialen Gegner den ersten Erfolg unmöglich gemacht: Cäsar stand wieder an der Spitze seiner unüberwindlichen Legionen. Sehr viel war für ihn damit ge- wonnen, doch stellten sich ihm sofort neue Schwierigkeiten entgegen. Die neue Sorge waren die Aduer. Vercingetorix belagerte Gorgobina, die Hauptstadt jener Boier, die Cäsar einst nach dem Helvetierkrieg den Aduern geschenkt hatte.

Liess Cäsar die Boier und somit die Aduer im Stich, so war keine Hoffnung, dass auch nur eine Völkerschaft ihm treu bleiben werde, und dann war es für Vercingetorix noch leichter, alle Stämme zu vereinen, denn Cäsar hätte bewiesen, dass er nicht mehr imstande sei, seine Bundesgenossen zu schützen. Andererseits aber machte ihm die Verproviantierung im Winter schweren Kummer. Auch jetzt entschied er sich für das Schwierigere, um seine Bundestreue zu beweisené. In rascher Aufeinanderfolge nahm er die Senonenstadt Vellaunodunum, die Stadt der Carnuten Genabum und die Biturigerstadt Noviodunum?. Erst vor Avaricum musste er länger Halt machen, hier hatte er eine schwierige Aufgabe zu lösens. Wenn Vercingetorix den Römer gezwungen hatte, von seinem Plan, den Winter ruhig in Agedincum zu bleiben, abzustehen, so war jetzt Vercingetorix gezwungen gewesen, die Belagerung von Gorgobina aufzugeben und Cäsar entgegenzuziehen. Noch stand es gut mit der Sache der Römer. Wir müssen staunen, wie Vercingetorix nach allen bisherigen Misserfolgen seine Truppen in der Hand hatte. Es gelang ihm auf diese Weise aber nicht, weiter zu kommen. Eine offene Feldschlacht wollte und konnte Vercingetorix nicht liefern, dazu hatte er zuviel aus den Ge- schehnissen der letzten Jahre gelernt. Die Reiterei, auf die er von vornherein den grössten Wert gelegt hatte, hatte bereits einmal versagt ¹c. In einem Kriegsrat erklärte Vercingetorix, nachdem zum zweitenmal seine Pläne durchkreuzt waren, man müsse anders vorgehn und die Römer schlechtweg aushungern, indem man die Depots in den gallischen Städten vernichte ¹¹. Draussen auf dem Felde gabs noch nichts, es war erst März. Die Gallier fügen sich seinem Willen und an einem Tag gehen mehr als zwanzig Biturigerstädte in Flammen auf. Ebenso verfuhr man in Nachbargebieten ¹². Wir bewundern diese Opferfreudigkeit, aus ihr spricht einmal die Erbitterung, mit der man den Kampf aufnahm, dann die Zuversichtlichkeit, mit

¹ Vgl. Jull. H. d. I. G. III, 429. ²2 Vgl Kap. 8.

³ Jull. H. d. I. G. III. 431, Anm. 6 rechnet 14 Tage von Narbonne bis Sens. * Vgl. Kap. 9.

Vgl. I, 28, 5.

6 Vgl. Kap. 9 und 10.

7 Vgl. Kap. 11 und 12.

8 Vgl. Kap. 1431.

* Vgl. Kap. 4, 8.

10 Vgl. Kap. 13, 2.

*¹ Vgl. Kap. 14.

u Vgl. Kap. 15, 1, 2.