Aufsatz 
Gergovia. Eine Cäsarstudie auf Grund eigener Anschauung
Entstehung
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Von der reichen Einzelliteratur, die sich gerade mit Gergovia beschäftigt, habe ich be- sonders nur die mir als letzte Zusammenfassungen bekanntgewordenen sehr verdienstvollen Arbeiten von Jullian und Veith? benutzt ¹.

Ende 53 v. Chr. Geb. hatte Cäsar Gallien, wie jedes Jahr, verlassen, um nähere Fühlung mit Rom zu nehmen, wo gerade in diesem Winter die Wogen der demagogischen Umtriebe besonders hoch gingen. Er lebte in der Gewissheit, keine ernstlichen Gefahren in seinem Rücken gelassen zu haben. Aber er hatte sich getäuscht: Eine nationale Erhebung aller- grössten Stiles, ein letztes Aufflammen der Begeisterung für ein geeinigtes Gallierreich, ein letzter verzweifelter Versuch, Gallien als Nation zu retten, brachte insgeheim unter Führung der bedeutendsten Staaten, der Carnuten und Arverner, die meisten gallischen Stämme unter Waffen. Die Nachrichten aus Italien wirkten bestimmend mit, den Plan der Erhebung jetzt zur Ausführung zu bringen, denn man wähnte, Cäsar sei jetzt in Italien nicht abkömmlich.

Daus nächste Ziel war, den Feldherrn von seinem Heere zu trennen?. Rasch stand Ver- cingetorix trotz mancher Schwierigkeiten als Oberbefehlshaber an der Spitze der Verbündeten. Er traf seine Anordnungen mit ganz bewunderungswürdigem Geschick. Die Hauptidee war zunächst: Cäsar darf nicht zu seinen Legionen. Zu diesem Zweck musste Cäsar schon in der Provinz aufgehalten werden, deshalb beorderte er den Lucterius in das Gebiet der Rutenen.

Zweitens dürfen die Heere selbst nicht aus ihren Winterquartieren heraus ohne besondern Befehl unternahmen sie wohl nichts mehr nach den früheren Erfahrungen ¹⁰. Zu diesem

Zwecke wandte sich Vercingetorix selbst gegen die Bituriger ¹¹, mit deren Unterwerfung er die Verbindung zwischen dem Arvernerland und den Carnuten und somit weiter mit dem Gebiet, wo die Legionen im Winterquartier lagen ¹², herstellen musste. Dabei hatte er drittens im Auge, mit dem Zuge gegen die Bituriger die Aduer zu treffen, auf deren Stellung zu dem Aufstand er besonderes Gewicht legte. Es gelang ihm, die Aduer in die missliche Lage zu versetzen, die Bituriger nicht schützen zu können und schon jetzt eine sehr zwei- deutige Rolle spielen zu müssen ¹³.

Cäsar überschaute sofort die Lage. Zweierlei war möglich: Entweder liess er die Legionen nach Süden kommen, oder er begab sich zu seinen Truppen. Rasch entschied er sich für das letztere, ohne sich jedoch die ungeheuren Schwierigkeiten zu verhehlen ¹. Hatte Vercingetorix seine Unternehmung unter drei Gesichtspunkten begonnen, so antwortete Cäsar ebenfalls mit drei Massnahmen: Im Süden legte er durch geeignete Mittel den Lucterius lahm!¹, gegen Ver-

¹ Camille Jullian, Verkingetorix, übersetzt von Sieglerschmidt, Glogau 1905. C. Jullian, Histoire de la Gaule III, Paris 1909.

²2 G. Veith, Geschichte der Feldzüge C. Julius Cäsars, Wien 1906.

²¹ Einzeldarstellungen zusammengestellt bei Jull. H. d. l. G. III, 465, Anm. 3.

4 Vgl. Cäsar, B. G. VII, Kap. 1, 8; 66, 4.

Vgl. Kap. 1(ohne Buchzahl beziehen sich die Stellen auf Buch VII).

* Kap. 1, 2.

7 Vgl. Kap. 1, 6.

s Vgl. die interessanten und lehrreichen Kapitel bei J.8 Verking. S. 73 116 und Jull. H. d. d. G. III, 419 folg.

* Vgl. Kap. 5, 1.

¹o Vgl. Kap. 1. 7.

Vgl. Kap. 5, 1.

¹2 Vgl. VI, 44.

¹ Vgl. Kap. 5.

¹4 Vgl. Kap. 6.

¹3 Vgl. Kap. 7; 8.