Aufsatz 
Rodolphe Töpffer : sein Leben und seine Werke / von Georg Glöckner
Entstehung
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richtige Beleuchtung erhalten. Im übrigen hat er in seiner Weise, mit aufrichtigem Herzen den Schöpfer in der großartigen Natur seiner Heimat gesucht, gefunden und verehrt, und manches Blatt aus seinen Schriften bezeugt den Glauben an den lebendigen Gott und die hohe Ächtung vor der vom Zweifel ungetrübten, kindlich frommen Gläubigkeit des Volks. Mit welcher inneren Wärme der Überzeugung er den reformierten Pfarrer in seinem Wirken zu schildern weiß, ist bei Besprechung der Novellen und Romane bereits ausgeführt. Der ziemlich unbestimmte Charakter seiner religiösen Vorstellungen wird wohl am besten aus seinen eigenen Aufzeich- nungen erwiesen. Wir entnehmen daher denReflexions et Pens6es diverses, welche den Schlufs der Melanges bilden, einige Sätze, die uns besonders bezeichnend erscheinen:

Qui discute, doute; qui acquiesce, croit. Jacqwiesce& tout ce qui se peut imaginer de linfinite de grandeur, de bonte, de puissance ou de misericorde de Dieu, et ü bien audela encore, mais je ne discute point ni la qualite, ni laccord de ses perfections, certain den amoindrir lampleur et den detruwire la majeste, en les vowlamt discerner.

Je crois et je me confie, dewx choses qui pewvent etre des sentiments vagques, sums cesser detre des sentiments forts et indestructible. Et dans ces mau.... ces sentiments vagues me sont de plus de secours et de plus de consolation que toutes les formules que j'y pourrais substituer. LEeriture sainte, elle-möme, ne nous donne que des figures, que des symboles de notre etat present et de notre destinee future; elle nous devoile moins quelle ne nous fait pressentir; elle demande notre foi, et non pas notre contröle.

Il est de tout ceur honnete de respecter la croyamce du simple; la railler est mechant; la combattre nest pas la remplacer; Veclairer, dest bien sowvent leteindre.

Au fond, les Evangiles sont ma loi, et je ne trouve que dans les paroles de Jesus lesperance dont jai besoin, Vindulgence qui mest necessaire, la confiance qui me rassasie, et une compassion qui mwattire invinciblement.

Jaime peu les Epitres qui sont deja de la th£ologie, et plus jecoute les paroles du maitre, plus jJai deloignement pour les petits docteurs daujourdhun.

Die letzten dieser Gedanken sind nach dem beigefügten Datum am 18. Oktober 1845 zu Cronay niedergeschrieben. Alsdann sind die Aufzeichnungen des Tagebuchs noch einige Zeit hindurch fortgesetzt worden und ihr Schlufs zeigt, dafs das glimmende Hoffnungsfünkchen in der Brust des Kranken dem völligen Erlöschen nahe war. Aber eine hohe Freude sollte ihm noch beschieden sein und den Spätabend seiner Tage verschönern. Mit dem Fortschreiten der Krankheit war das Augenleiden mehr und mehr geschwunden, und er vermochte sich unter Calames bereitwilliger Unterstützung mehrere Monate lang mit der Ölmalerei zu beschäftigen, die der Traum seiner Jugend gewesen war. Das Muse Rath in Genf besitzt zwei seiner kleinen Gemälde, welche durch Feinheit und Sauberkeit der Zeichnung wie durch glückliche Farben- gebung auch den Kenner befriedigen. Das eine, No 224 des Katalogs:Rue de village, er- innert, wie mir scheint, an eine Illustration der Nouveaux voyages en zigzag: die Ruinen des Schlosses Valere bei Sion; das andere, No 309:Paysage zeigt das bekannte savoyische Ufer des Genfer Sees in der Gegend von Meillerie. Es stellt, wenn auch in anderer Beleuchtung, dieselbe Landschaft dar, von welcher wir auf Seite 17 des Tour du Lac eine Federzeichnung Töpffers besitzen. So hatte er denn das Ziel, welches ihm während seines Lebens vom Geschick versagt war, angesichts des Todes erreicht, doch ohne sich desselben lange erfreuen zu dürfen, denn bald zwang ihn die zunehmende Schwäche des Körpers auch hier zum Verzicht. Die