Aufsatz 
Rodolphe Töpffer : sein Leben und seine Werke / von Georg Glöckner
Entstehung
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die umfangreiche Beschreibung der Reise des Jahres 1842 zu vollenden. Wir haben bereits gesehen, dals sich in dieser eine Abnahme der geistigen Frische hier und da bemerklich macht: die eigentliche Reiseschilderung zeigt, dafs der Aufenthalt in den Bergen auch diesmal seine Stimmung hebt, aber die im folgenden Winter geschriebenen längeren Ausführungen haben etwas Gedrücktes, und der Satzbau ist öfters schleppend und wenig übersichtlich. Im Mai 1843, bald nach der Erwerbung seines Landguts, finden wir ihn im Bade Lavey'), wohin er von den Ärzten gesendet war, welche die Natur seines Leidens noch nicht erkannt hatten. Seine Stimmung ist vielfach düster, da ihm außer dem körperlichen Befinden auch die Ab- nahme der Zahl seiner Pensionäre Sorge macht; dennoch arbeitet er fleißig an demPaysage alpestre, dessen glänzende Schilderungen nicht vermuten lassen, dals sie von einem Kranken geschrieben sind.

Der Aufenthalt im Bade hatte nichts genützt, ein volles Jahr verstrich unter mancherlei Beschwerden, die ihn aber nicht abhielten die Menus propos zu fördern, einige kleine Beiträge für die Biblioth&que universelle zu liefern und im Sommer 1844 seinen Roman Rosa et Gertrude zu vollenden. Anfang August wurde endlich, nachdem sich eine große Geschwulst an der Seite gebildet, das Leiden als Hypertrophie der Milz oder der Leber erkannt und der Kranke schleunigst nach Vichy geschickt. Im Beginn des September kehrte er, durch scheinbare Besserung in der Hoffnung auf Genesung gestärkt, zu den Seinen zurück. Bald zeigte sich, dafs die gehegten Erwartungen trügerisch waren, doch konnte Töpffer sein Lehramt wieder aufnehmen und sich mit der Vollendung einiger begonnener Arbeiten beschäftigen. So wanderten M. Cryptogame und Les deux Scheidegg nach Paris, im Januar 1845 erschienen die Geschichte Alberts und die Essais de physiognomonie, Calames soeben vollendeter Monte Rosa wurde im Federal besprochen, und die Arbeit an den Menus propos schritt bis zum Ende des 7. Buches vor, wo sie stehen geblieben ist. Es erscheint darum angezeigt an dieser Stelle dem eigen- artigen Werke, welches nach Auberts Angabe von seinem Verfasser als die reifste Frucht seines Denkens, als sein litterarisches Testament bezeichnet ist, einige Worte der Betrachtung zu widmen.

Reöflexions et menus propos dun peintre genevois ou Essai sur le beau dans les arts.?)

War Töpffer auch durch seine Augenschwäche gehindert worden, die Malerlaufbahn zu ergreifen, so hatte sie ihm doch die Beschäftigung mit der Theorie der Kunst nicht verwehren können. Nicht weniger als zwölf in den Jahren 183043 in der Bibliotheque universelle oder als besondere Broschüren erschienene, zum Teil bereits besprochene Aufsätze enthalten die Gedanken und Bemerkungen eines Genfer Malers über die allerverschiedensten Gegenstände, die manchmal ganz nahe an der Peripherie des weiten Gebiets der Malerei liegen. Vier dieser Aufsätze die 4 Bücher des Traite du lavis a lencre de Chine haben unter sich einen gewissen Zusammenhang. Die in ihnen enthaltenen Ausführungen über Auffassung des Schönen und seine Darstellung durch die Kunst und über das Wesen der Nachahmung der Natur

1) Bei Saint-Maurice im Rhönethal. DieSouvenirs de Lavey, ein Heftchen mit Federzeichnungen, welches er zum besten der Armen unter den Badegästen veröffentlichte, sind mir nicht bekannt geworden.

?) Paris 1848, 2 vol. in12, pr6cedes dune notice sur la vie et les ouvrages de lauteur par Albert Aubert. Jetzt in einem Bande bei Hachette.