Aufsatz 
Rodolphe Töpffer : sein Leben und seine Werke / von Georg Glöckner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

34

Verein mit mehreren Freunden, wie Antoine-Elis6e Cherbuliez und De Sismondi eine Zeitung, den zweimal wöchentlich erscheinendenCourrier de Geneve. Die erste Nummer wurde am 15. Januar 1842 ausgegeben. Mit voller Kraft denn die Vertretung seiner Ansicht war ihm Herzenssache und Gewissenspflicht warf er sich in die journalistische Thätigkeit und ließ seinem gefürchteten schneidenden Sarkasmus, wenn auch unter Vermeidung persönlicher Angriffe, den freisten Lauf. Rambert, Relave und Blondel teilen zahlreiche Auszüge aus dem Courrier mit, in denen der leidenschaftliche Groll und die schmerzliche Bitterkeit seiner Stimmung sich mit beißendem Spotte Luft machen. Der Erfolg war nicht den Anstrengungen entsprechend: außer dem heftigen Zorne der radikalen Partei, in deren Augen Töpffer als ein Muster beschränkter Verbissenheit galt, wurde nichts erreicht, denn der gemäßigte Teil der Bürgerschaft wollte die Dinge nicht zum äußersten kommen lassen und blieb vorsichtig neutral. Am 20. März 1843 stellte der Courrier, da er sich bei der schwächlichen Nachgiebigkeit der Behörden gegen die Anstifter des 13. Februar außer stande sah, den Kampf weiterzuführen, sein Erscheinen ein.

So war denn Töpffer frei geworden; die alten Freunde begannen sich wieder regelmäßiger zu versammeln als im letzten Jahre möglich gewesen war, und die durch den Tod von Maurice und Delaplanche entstandene Lücke war durch Adolphe Pictet ausgefüllt. Eine überaus große Freude für Töpfter war gerade in der Zeit, wo der Courrier zu erscheinen aufhörte, der Erwerb eines kleinen Landhauses mit Garten im Dorfe Cronay, östlich von Yverdon. Er erstand es aus dem Nachlasse seiner Schwiegermutter, die dort geboren war, und sah nun seinen Herzenswunsch, einen Teil des Jahres auf dem Lande zubringen zu können, erfüllt. (Ganz bezeichnend für ihn, der mit seiner Individualität alle seine Schriften zu erfüllen pflegte, ist, dafs er alsbald den Freuden des Landlebens und der Schilderung des neuen Besitztums ein paar tief empfundene Seiten!) der Menus propos widmet, die zu den schönsten Partien des ganzen Buches gehören. Aber er sollte sich der neuen Erwerbung nicht lange freuen: ohne es zu wissen, hatte er den Höhepunkt seines Lebens bereits überschritten. Noch heute lebt in Genf im Gedächtnis derer, die ihm näher getreten sind, die Erinnerung an die festlichen Abende im Pensionat, an denen Töpffer mit unverwüstlicher Frische und vollendeter Komik, wie in den Tagen der Jugend, die Hauptrollen in kleinen von ihm selbst gedichteten dramatischen Bildern spielte. Man kann sich kaum vorstellen, dafs er schon damals den Keim des Leidens in sich trug, dem er nach längerem Siechtum erliegen sollte. Nach Blondels Angaben klagte er bereits 1838 und 39, dafs auf der linken Seite seines Körpers etwas nieht in Ordnung wäre, und erwähnte dabei manches, was auf eine krankhafte Schwäche des ganzen Organismus und das Vorhandensein eines ernsteren Leidens hindeuten konnte. Doch machte er sich keine Sorgen: er hatte sich ja gewöhnt, die trüben Gedanken, welcher Art sie auch sein mochten, im Kreise der Freunde zu vergessen. Im Jahre 1841 äußerte er bei der Wanderung um den Genfer See die Befürchtung, dafs die Verschlimmerung seines Augenleidens ihm vielleicht bald das Zeichnen nach der Natur verbieten würde und litt auf der Reise nach Venedig viel durch Schlaf- und Appetitlosigkeit. In der nächsten Zeit schien sich sein Zustand zu bessern: er vermochte während der Unruhen trotz aller Lasten des Amts, des Pensionats und der journalistischen Thätigkeit noch schriftstellerisch thätig zu sein, insbesondere die Essais dAutographie und

!; Kap. 13 u. 14. des 7. Buches.