Aufsatz 
Rodolphe Töpffer : sein Leben und seine Werke / von Georg Glöckner
Entstehung
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gierung die Wege hübsch in ihrem malerischen, aber holperigen Zustande läfst, sodafs der Fortschritt die Lust zum Fortschreiten verliert. Und nun folgt eine frische, von frohem Übermut sprudelnde Schilderung der savoyischen Landschaft, die Töpffer schon als Kind mit dem Vater und später so oft noch als Mann besucht hat: eine Schilderung, deren Natur- wahrheit und Vollendung jeden entzückt, der diese malerische Region des Nufsbaums und der Edelkastanie auch nur flüchtig durchstreift hat. Es sind dieselben Landschaften, deren meister- hafte Darstellung uns in den Federzeichnungen des Tour du Lac so hoch erfreut.

Die gleiche Schwäche der Objektivität, welche in den Angriffen auf das Drama der Romantiker und die liberale Presse zu Tage trat, finden wir in dem AufsatzeDe la plaque Daguerre A propos des excursions daguerriennes.'!) Sein Motto:Le corps moins läme zeigt, dafs er die eigentliche Bedeutung der Daguerreschen Entdeckung nicht richtig erfalst hat und dafs er dieselbe in einseitiger Beleuchtung darstellt. Relave erklärt uns die Ent- stehung des Aufsatzes, indem er mitteilt, wie Töpffer in Daguerres 1840 erschienenerCollection de 50 planches, reprösentant les vues et les monuments les plus remarquables du globe eine Bestätigung der Theorie erblickte, die er gerade im 4. Buche seiner Menus propos zu erweisen bestrebt war: que lartiste, pour imiter, transforme. Jedermann weiß heutzutage, dals die Er- findung der Photographie die Maler nicht überflüssig oder entbehrlich gemacht hat, wohl aber wissen unsere Maler den Nutzen der Photographie zu schätzen. Erscheinen somit Töpffers Ausführungen in gewissem Sinne heute als gegenstandslos, so kann doch die geistreiche, lebendige Weise der Darstellung, in der auch der Moralist hier und da zum Worte gelangt, bereitwillig anerkannt werden.

Im Jahre 1843, also zu einer Zeit, wo die beginnende Krankheit ihm bereits das Wandern in den geliebten Bergen untersagte, falst er in dem AufsatzDu Paysage alpestre?) seine Eindrücke von der Großartigkeit der Alpenwelt zusammen. Es handelte sich um die bisher besonders von Adam Töpffer bestrittene und erst durch Maximilien de Meurons Gemälde Le Grand Eiger gelöste Frage, ob auch die oberste Zone der Alpenwelt der malerischen Darstellung fähig sei. Unter der Feder Rodolphe Töpffers gestaltete sich die, wie es heißt, in erster Linie für Calame bestimmte Erörterung zu einer glanzvollen, umfassenden, wohl- geordneten Aufzählung aller malerischen Elemente der unteren, mittleren und höchsten Berg- region, die wohl das Beste ist, was er über die Alpen geschrieben hat. Sie giebt den Charakter jeder einzelnen Zone mit vollster Wahrheit und in sehr anziehender Form wieder, enthält selber in ihren Schilderungen eine ganze Reihe reizvoller Bildchen, beweist in ihrer Art treffend Töpffers Beruf zur Malerei und erweckt nur das Bedauern, dafs dies kleine Meister- werk in den wenig gelesenen Mölanges ein so verborgenes Dasein fristet.?)

Die übrigen, in Journalen und Revüen zerstreuten kleinen Aufsätze Töpfters bieten nichts Wesentliches und können deshalb hier übergangen werden. Wir wenden uns darum für jetzt der weiteren Betrachtung seines Lebensganges zu, in welchem nunmehr die politische Thätigkeit für einige Zeit bedeutend in den Vordergrund tritt.

») 11. Stück der R£flexions ete., Bibl. univ. v. März 1841.

2) Ursprünglich vom Verfasser als Bestandteil der Reise um den Mont-Blanc geschrieben, erschien der Aufsatz zuerst in der Bibl. univ. et Revue suisse vom September 1343.

3) Die Reflexions et Pensees diverses, welche den Schlufs der Melanges bilden, werden später noch erwähnt werden.