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harmlosen und ungekünstelten Empfindung. Godet bezeichnet als einen Mangel des Töpfferschen Stils„un langage parfois trop ingenieux, d’un archaisme trop@labore, et parfois aussi d’une sentimentalit& deja un peu demodee,“ worin man ihm vollständig beipflichten wird. Das Streben nach möglichster Anschaulichkeit des Ausdrucks verleitet Töpffers lebhaftes Naturell häufig zu Übertreibungen, welche den Eindruck des Gesuchten hervorrufen müssen. Die Vorliebe für Provinzialismen, für deren Verständnis man mitunter auf Humberts Nouveau glossaire genevois angewiesen ist, wird ihm billigerweise nicht als Fehler, sondern eher als stylistischer Vorzug angerechnet werden müssen, aber die Neologismen und gewisse Sonder- barkeiten des Ausdrucks, in denen er sich manchmal gefällt, berühren den Leser nicht immer angenehm. Einzelne von ihnen, wie die bekannten, überall eitierten Wendungen: läne qui chardonne, le gai montagnard qui tyrolise aux echos— sind entschieden glückliche Neu- bildungen, die meisten wird man als harmlose Scherze unbeanstandet passieren lassen, aber es bleiben doch noch gar manche übrig, die man, ohne der Wahrheit zu nahe zu treten, als platt und wenig geschmackvoll bezeichnen mufs.
Les Me6langes.
Neben den Albums, Novellen und Voyages en zigzag besitzen wir von Töpffer aus den Jahren 1830-43 eine ziemlich bedeutende Anzahl von kleineren Aufsätzen, in denen ihr Verfasser Stellung zu den Tagesfragen nimmt, die ihn besonders berühren. Sie betreffen ebensowohl Genfer Verhältnisse wie Gegenstände allgemeineren Inhalts und erschienen zum Teil in der Bibliotheque universelle, zum Teil als besondere Broschüren. Einige der wert- volleren sind bei Relave in den Fragments de Litterature et de Critique abgedruckt; fünf im Jahre 1840 in den Nouvelles et Melanges. Eine größere Anzahl(13) dieser vermischten Schriften ist in dem Sammelband der Melanges enthalten, der sechs Jahre!) nach dem Tode des Verfassers erschien. Ein vollständiges Verzeichnis aller einzelnen Aufsätze Töpfters findet sich in Mirabauds Bibliographie. Selbständigen litterarischen Wert besitzt kaum ein oder der andere Bestandteil der Sammlung, doch werfen die kleinen Aufsätze ein ziemlich helles Licht auf einige bisher noch nicht zur Betrachtung gelangte Züge der Persönlichkeit ihres Verfassers und können daher nicht ganz übergangen werden.
Zwei kleine Broschüren aus den Jahren 1830 und 31, welche den Titel Reflexions et menus propos d’un peintre genevois führen, und in den Melanges unter den Aufschriften„Les Beaux-Arts, disent les doctes, sont une noble reer&ation“ und„Non seulement l’Art, mais l’Artiste“ erschienen, geißeln die wenig erfreulichen Zustände in der Genfer Kunstwelt, namentlich die engherzige Sparsamkeit der reichen Finanzgrößen, welche die Bilder der einheimischen Maler zwar freigebig loben, aber nicht kaufen.
In dem scherzhaft gehaltenen Aufsatz„Un Diner d’Artistes“?°) verficht Töpffer mit vielem Eifer den Satz, dafs der moderne Zeitgeist mit seinen Eisenbahnen, Dampfmaschinen und Fabriken den Tod alles idealen Strebens, insbesondere der Kunst, bedeute, und bekämpft die überall auftretenden Erscheinungen dieser materialistischen Strömung.
In dem kleinen Aufsatze„Les Adolescents de notre&poque envisages comme
1) Paris u. Genf 1852. 2) 3. Stück der Röflexions ete., unter dem Titel:„Boutade“ 1832 im Aprilheft der Bibl. univ. zuerst erschienen.


