Aufsatz 
Rodolphe Töpffer : sein Leben und seine Werke / von Georg Glöckner
Entstehung
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Töpfferschen Romans nicht recht zur Geltung kommen. Das Bild des etwas rationalistisch angehauchten Geistlichen ‚mit seiner wahrhaft evangelischen Liebe zu den Schwachen, die sich vor keinem persönlichen Opfer scheut, ist mit großer Vollendung gezeichnet. Die sonderbaren Lagen, in die M. Bernier durch seinen Samariterdienst gerät, lassen bei dem hohen sittlichen Ton der gesamten Darstellung keine peinlichen Empfindungen aufkommen, so nahe dieselben sonst liegen würden. An der etwas altertümlichen, biblischen Färbung seiner Redeweise, die, von warmer, inniger Überzeugung getragen, bei allem Wortreichen so gar nichts Phrasenhaftes hat, nimmt wohl nur derjenige Anstoß, dem die Heilige Schrift ein fremdes Buch ist. Für die Kunstform des Romans bleibt es jedoch ein Fehler, dafs M. Bernier fast allein spricht, wenn auch fast alles, was er spricht, unsern vollen Beifall hat. In einzelnen Fällen wird man allerdings anderer Meinung sein, und z. B. keineswegs einem angehenden Geistlichen fleißige Übungen im Extemporieren der Predigt anraten, damit er diese später in der Kirche selbst machen könne, wenn er zuvor die zum Gottesdienst erschienenen Zuhörer gemustert habe. Nicht unerwähnt möge schließlich bleiben, dafs der Roman in seinen ziemlich ausführlich ge- haltenen Schilderungen aus der Berufsthätigkeit des Geistlichen und dem Leben der Hand- werkerfamilie eine Art Ergänzung zum Presbytere bieten zu wollen scheint.

Les Voyages en zigzag.

Die unter diesem Namen bekannten, bereits(auf Seite 8) erwähnten Schilderungen der Ferienausflige des Töpfferschen Pensionats beanspruchen bei Darstellung der schriftstellerischen und künstlerischen Thätigkeit ihres Verfassers eine besondere Betrachtung. Sie sind namentlich in Frankreich bekannt geworden und nehmen nach Rossels Angabe in der Geschichte der Jugendlektüre dieses Landes eine wichtige Stelle ein, da sie nicht bloß einen wesentlichen Fortschritt gegen früher, sondern nahezu eine Neuschöpfung auf diesem Gebiete bedeuten. Sie sind mit den Albums und Novellen ziemlich gleichzeitig entstanden und behaupten auch sonst eine Art Mittelstellung zwischen beiden. Mirabauds treffliche Bibliographie zählt aus den Jahren 182542 nicht weniger als 23 solcher Ferienausflige der jugendlichen Schar auf, deren Generalstab fast regelmäßig von Töpffer, seiner unermüdlichen Gattin, dem einen oder andern der Unterlehrer und dem Hausdiener gebildet wird. Erholung und Freiheit sind Losung und Feldgeschrei, welche für die nächsten drei Wochen gelten. Vor dem Aufbruche stellt uns Töpfter die frische, gewöhnlich etwa 20 Köpfe zählende Schar vor, der sich zuweilen noch Freunde der Familie als freiwillige Teilnehmer zugesellen. Kaum ist zu Wagen der Fuß des Gebirges erreicht, so zerstreut sich das Heer, nachdem ihm zuvor der Weg zum nächsten Rastplatz beschrieben ist; selbst der Stab bleibt nicht immer beisammen, und meist ist es der Führer des Ganzen selbst, der den Seinen das Beispiel der Ungebundenheit giebt. Denn bald nimmt er, auf einem Felsblock thronend, mit flüchtigen Bleistiftstrichen eine Skizze der Land- schaft auf, die bei gelegentlicher Muße weiter ausgeführt wird, bald forscht er die begegnenden Eingeborenen über die Natur des Landes und seiner Bewohner aus. Und wenn er auch manchmal in Sorgen um dieses oder jenes teure Haupt ist, so sehen wir ihn doch am nächsten Tage denselben Leidenschaften von neuem frönen. Unterdessen hat die lustige Schar Käfer, Schmetterlinge oder Steine gesammelt und sich mit allerlei mutwilligen, aber harmlosen Späben die Zeit vertrieben. Sonnenbrand, Regen und Ermüdung vermögen die frohe Stimmung kaum für Augenblicke zu dämpfen, und oft sieht erst der Abend die Gesellschaft wieder vollzählig