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Für die Beurteilung des Übrigen kommt zunächst Töpffers eigene Absicht, die er im Eingang des zweiten Buches ausspricht, in Betracht: Ce n’est point öei un roman, et quwiconque y chercherait ce conflit de grandes passions d’otı naissent les&motions pwissantes, cette rapide succession d’aventures ou tour& tour s'aiguise et se repait la curiosite, serait frustre dams son attente..... C'est un tableau oi se recomnaitront peut-etre quelques-uns des traits qui caracterisent ma patrie, petite et bien-aimee: ses campagnes, ses maurs, sa foi et aussi cette poesie du ceur et des passions, qui y vit sous ces dehors de froideur puritaine. Das Gewand, in dem diese Kultur- und Sittenbilder auftreten, ist von Richardson entlehnt, welcher von Töpffer als Dar- steller der menschlichen Natur mit Tacitus, Shakespeare und Moliere auf eine Stufe gestellt wird!) und auch in Rosa et Gertrude als Vorbild benutzt worden ist. An die Clarissa Harlowe des englischen Romanschriftstellers erinnern die Wahl der Briefform, welche die eingehendste Zergliederung der Empfindung gestattet, und die Neigung, den Faden der Handlung nicht durch die Entwicklung der Charaktere, sondern durch das schwächliche Mittel der Intrigue fort- zuleiten, wobei die eigentlichen Hauptpersonen der Erzählung mit Notwendigkeit in eine passive Rolle gedrängt werden. Die Verquickung des Romans mit dem Kulturbild ist ein Fehler, der den Genuls des Ganzen erheblich beeinträchtigt. Die Schilderung der Sittenzustände darf hohen Wert beanspruchen, wenn ihr auch die gewählte Form der brieflichen Darstellung nicht immer günstig ist. Wir erhalten ein anschauliches, mit Umsicht und Treue gezeichnetes Bild des gesamten Lebens der Genfer Stadt- und Landbevölkerung. Von den hervorragenden politischen Persönlichkeiten bis zum Waisenmädchen, vom Akademieprofessor bis zur Waschfrau sind alle Stände mit derselben Gewissenhaftigkeit und Liebe studiert. Wir erfahren von ländlichen Festen und von Studentenstreichen, vom Volksaberglauben und den Übungen der Miliz so gut wie vom Dorfleben im Winter, von der Kindererziehung der höheren Klassen und von hundert anderen Dingen. Man sieht, wie von Töpfter hier die seit der Jugendzeit er- worbenen Schätze der Beobachtung fruchtbringend verwendet sind. Die Darstellung ist freimütig und unparteiisch, nur selten wird der persönliche Standpunkt des Verfassers in politischen oder sozialen Fragen erkennbar. Eine ganz vereinzelte Ausnahme bildet der ungerechte, gehässige Ausfall gegen den Methodismus, der von Vinet in milder, aber entschiedener Form zurück- gewiesen ist.
Um das Bild des Genfer Lebens vollständig zu machen, hat der Verfasser die Mühe nicht gescheut, einige der Personen des Romans in einer ganz eigentümlichen Sprache reden zu lassen. Dals ein kleines Waisenmädchen sich anders ausdrückt als ein Geistlicher, dafs sich der Briefstil eines Reitknechts von dem eines Studenten unterscheidet, ist bei Töpffer selbstverständlich, aber dies ist ihm noch nicht genügend. Der Küster Reybaz spricht das im Verschwinden begriftene, altertümliche, anschauliche Idiom der Landbewohner?), und der Portier Champin die ebenso markige Sprache der niederen städtischen Volksklasse”) Die Nachahmung ist mit Geschick durchgeführt, nur hier und da zeigt sie bei Reybaz einen etwas gekünstelten, grotesken Charakter.
1) De Joseph Homo et de quelques fabricants de drames. Mölanges, S. 125.
2) Anm. zu Brief VI: C'est lidiome des anciens de village dans les cantons retir&s de la Suisse romande, oü se conserve un francais plus vieilli que celui des villes et plus color& quelquefois.
%) Anm. zu Brief XVI: Les lettres....... sont 6erites en pur idiome genevois populaire, mais d’ailleurs fort intelligible en France, hormis en ce qui concerne un trös petit nombre d’expressions locales... Cet idiome, qui


