Aufsatz 
Rodolphe Töpffer : sein Leben und seine Werke / von Georg Glöckner
Entstehung
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Jahre nach Veröffentlichung des Anfangs zu einem zweibändigen Werke erweitert wurde.') Da es bei uns wenig bekannt ist, so rechtfertigt sich wohl eine kurze Inhaltsangabe: Charles, ein Findling, ist von dem würdigen Geistlichen M. Prevere aufgenommen worden. Die liebevolle Milde, mit der seine Erziehung geleitet wird, soll in dem Herzen des Kindes gute Empfindungen wecken und es dadurch für den Kampf mit den Vorurteilen, denen es begegnen wird, geschickt machen. Der Knabe verlebt eine glückliche Jugendzeit an der Seite Louisens, der Tochter des Küsters Reybaz, welcher in der starren Härte seiner Grundsätze ein Seitenstück des Geometers ist. Still und verborgen ist in den Herzen der Kinder eine Neigung emporgekeimt, deren Erwachen auf dem Gang nach der Alpe meisterhaft geschildert wird. Aus seinen einsamen Träumereien am Weiher unter den Weiden wird Charles jäh emporgerissen: die Entscheidung über seine Zukunft ist bereits erfolgt. M. Prevere sendet ihn, da Reybaz die Trennung der Kinder verlangt, nach Genf, wo der Jüngling sich für den geistlichen Beruf vorbereiten soll. Vor seiner Abreise wird er durch zufällige Verkettung von Umständen un- bemerkt Ohrenzeuge der beweglichen Predigt M. Pr&veres über Matth. 18, 5:Wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Der Vorwurf des Mangels an Liebe, welcher der ganzen Gemeinde galt, wird von Reybaz besonders tief empfunden: er sagt Charles in einem kurzen Briefe die Hand seiner Tochter zu und übersendet ihm als Pfand des Versprechens seine silberne Uhr.

Die folgenden drei Bücher sind in Briefform gehalten. Charles lebt in der Familie des Pastors Dervey, durch den er in die Kreise der guten Gesellschaft eingeführt wird. Er arbeitet fleißig und besteht seine Aufnahmeprüfung als Student. Zu seinem Unglück zieht er sich die Feindschaft eines Hausgenossen, des Portiers Champin zu, der als Reybaz Jugendfreund alles über denselben vermag und Charles in gehässigster Weise verleumdet. In einer Gesellschaft wird dieser von einem abgewiesenen Bewerber um die Hand Louisens beschimpft und im Zweikampfe verwundet. Reybaz erklärt Charles Handlungsweise, die ihm den Weg zum geistlichen Amte versperren müsse, für unverzeihliche Rücksichtslosigkeit gegen seine Tochter und zieht sein Versprechen zurück. Louise, welche die zarte Natur ihrer Mutter geerbt, ver- mag den Schlag nicht zu überwinden, sie kränkelt, ein Brustleiden bildet sich bei ihr aus, und als Reybaz endlich Charles zurückruft, ist es zu spät. Das letzte Buch erzählt ihr Hin- scheiden, dem bald der Tod des gebrochenen Vaters folgt.

Sainte-Beuve, der in der schwülen Pariser Luft Töpffers Frische und Natürlichkeit als einen kräftigen, gesunden Hauch aus den Alpen empfand, erklärte das erste Buch des Presbytere für das Meisterwerk seines Verfassers, und ich möchte mich ihm in der Würdigung dieses reizenden Idylis anschließen. Es enthält dieselbe psychologische Feinheit in der Beobachtung der innersten Regungen der jugendlichen Seele, dieselbe Zartheit und Keuschheit der Dar- stellung, welche den Hauptreiz der Biblioth@que ausmachen, und hat vor dieser voraus die köstlichen landschaftlichen Schilderungen, die sich den besten Partien der Nouvelle Höloise an die Seite stellen.

1) Geneve 1839, 2 Bde, später mehrere Ausgaben in einem Bande und wechselndem Verlage, seit 1855, wie die übrigen nichtillustrierten Werke Töpffers, bei Hachette. Das erste Buch unter den von Zschokke über- setzten Genfer Novellen in N. 82 der Deutschen Hand- und Hausbibliothek(Collection Spemann) 8. 945,