Das Jahr 1832 bezeichnet in doppelter Hinsicht einen bedeutsamen Abschnitt in Töpffers Leben, insofern einerseits sein Name durch die ersten novellistischen Arbeiten in weiteren Kreisen bekannt wurde, andererseits seine äußeren Umstände durch die Ernennung zum Professor der Rhetorik an der Akademie eine wesentliche Veränderung erfuhren. Es war den Bemühungen seiner bereits an derselben wirkenden Freunde Munier, Pascalis und Maurice zuzuschreiben, dafs man, nachdem der zuerst berufene Fauriel abgelehnt, diese Stellung Töpfter übertrug, den sein Bildungsgang eher für den Unterricht im Griechischen geeignet erscheinen ließ. In der That waren seine Kenntnisse auf dem ihm zugewiesenen Gebiete, welches die Lehrfächer der Rhetorik, Stilistik und allgemeinen Litteratur in den unteren Klassen der Akademie(dem sogenannten Auditoire de Belles-Lettres) umfafste, lückenhaft genug, da er bisher nur einige wenige Lieblingsschriftsteller genauer studiert hatte. Es bedurfte deshalb auch mehrerer Jahre angestrengter Arbeit, bis er sich in die neuen Verhältnisse eingewöhnt hatte. Volle innere Befriedigung hat er jedoch im Lehrfach wohl kaum gefunden: seiner künstlerisch angelegten Natur widerstrebten die mannigfachen Kleinen, von dem Beruf unzer- trennlichen Mühen und die vermehrte Gebundenheit des täglichen Lebens. So haben ihn denn wohl hauptsächlich der bequemere tägliche Verkehr mit den Freunden und die Rücksicht auf sein Pensionat, welchem die neue Stellung eine gewichtige Empfehlung war, dazu bestimmt, seine Professur bis zuletzt beizubehalten. Die Urteile über seine Lehrthätigkeit gehen weit auseinander und stimmen nur in einem Punkte überein: in der Verurteilung des scharfen, verletzenden Spottes, von dem er in den Unterrichtsstunden ausgiebigen Gebrauch machte. Da er außerdem nicht geringe Anforderungen stellte, so war er mehr gefürchtet als beliebt. Doch sind auch anerkennende Stimmen aus dem Kreise seiner früheren Schüler nicht selten, und es steht fest, dafs er es wohl verstand, strebsame Talente zu fördern. Für gewöhnlich etwas nüchtern und trocken in seinem Vortrage, wurde er lebendig, wenn er einen seiner Lieblingsschriftsteller zu behandeln hatte. Seine Vorliebe für die Litteratur des 16. und 17. Jahrhunderts brachte ihn zu einem minder günstigen Urteil über die Entwicklung der Sprache seit dem Siecle de Louis XIV. Relave, der Töpffers Hefte eingehend studiert hat, und in den seinem Buche angehängten Fragments de Litterature et de Critique umfassende Auszüge aus denselben bringt, rühmt ihren einfachen, gründlichen und methodischen Charakter. Er hebt hervor, dafs Töpfter auch bei seiner Anlehnung an die damals vielverbreiteten Lectures on rhetorie and belles-lettres des Schotten Blair seine Selbständigkeit gewahrt, andererseits aber die neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der litterarischen Kritik mit regem Eifer verfolgt habe. In dem Kampfe zwischen Klassieismus und Romantik verhielt er sich ablehnend gegen beide Parteien und verwies auf Homer, Shakespeare und Moliere als die unerreichten Muster des Schönen und Wahren.
Die Ergebnisse seiner litteraturgeschichtlichen Studien, welche er seinen 16—17jährigen Schülern nur andeuten Konnte, hat er in einer Reihe von Artikeln der Bibliothäque universelle niedergelegt, die zum Teil bei Relave, zum Teil in den Melanges abgedruckt sind. Von der Besprechung hervorragender Neuheiten des Büchermarktes ausgehend, erheben sie sich gewöhnlich zu allgemeineren Darlegungen seines Standpunktes und bezeugen eine gute Begabung zum Kritiker und ein sehr bestimmtes, ungemein selbständiges Urteil. Doch soll schon hier nicht verschwiegen werden, dafs Töpffers ausschließender politischer Standpunkt, der sich in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre sehr deutlich auszuprägen begann, dieses Urteil etwas


