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eigentlichen schweren Schäden, oder hält sieh wenigstens, wenn er dieselben berührt, nicht lange bei ihnen auf. Durch diese Eigentümlichkeit wird der ethische Charakter seiner Komik nieht berührt: Töpffer sucht sich als Tummelplatz für seinen Humor dasjenige Gebiet auf, welches seinem innersten Wesen am besten zusagt, und zeigt sich in den Beobachtungen, die er auf diesem Felde zu machen weiß, als eine durchaus sittlich angelegte Natur, als Freund der Wahrheit und Feind der Lüge und des bloßen Scheines. Ein weiterer charakteristischer Zug seines Humors ist die Harmlosigkeit. Die Geschichte Alberts bildet allerdings eine Aus- nahme, die jedoch die Regel viel mehr bestätigt, als dafs sie ihre Richtigkeit in Frage zu stellen vermöchte. Es gehört ein gutes Maß von Pedanterie dazu, sich durch den fröhlichen Übermut verletzt zu fühlen. Rambert schildert treffend das offene, gutartige Wesen des Töpfferschen Humors, welcher die sittlichen Schäden auf den allerverschiedensten Gebieten des Lebens mit scharfem Auge zu finden weiß, aber um des Friedens willen verschmäht, nahe- liegende Übelstände, wie sie die Genfer Verhältnisse sicher geboten hätten, zur Zielscheibe zu nehmen.
Im einzelnen lassen sich an den Albums mancherlei Ausstellungen machen. Längere, den Gang der Handlung unliebsam unterbrechende Abschweifungen sind nicht selten. Hier und da läfst sich darüber streiten, ob die Grenzen des guten Geschmacks richtig inne gehalten sind. Den tollen Sprüngen der ausgelassenen Einbildungskraft, welche mit kräftigem Schwunge alle Naturgesetze auf den Kopf stellt, vermögen wir nicht immer mit gleichem Interesse zu folgen, aber wir haben nicht Zeit, uns dieser Empfindung hinzugeben, da wir im nächsten Augen- blicke wieder in den Strudel der lustigen Einfälle hineingerissen werden.
Die Technik der Zeichnung bildet den Hauptvorzug der Albums: sie ist geradezu be- wunderungswürdig. Die graphischen Mittel der Darstellung sind auf das geringste Maß beschränkt, die einfachen Umrifslinien und hier und da Schraffierungen der denkbar schlichtesten Art genügen. Die Züge scheinen mit fließender Feder so leicht und flüchtig, gleichsam nach- lässig, auf das Papier geworfen, dafs sich die Linien, wie Vischer bemerkt, fast nirgends zusammenschließen, was aber besonders in den Köpfen mit Absicht benutzt ist, um die köst- lichsten Wirkungen hervorzubringen. Durch die Beschränkung auf das unbedingt Notwendige tritt das Charakteristische mit größter Schärfe hervor, und wenn diese Manier des bloßen Andeutens auch leicht erkennbare Vorzüge vor der genauen Ausführung aller Einzelheiten besitzt, so zeigt doch die Meisterschaft, mit welcher durch die einfachsten Mittel Vollendetes erreicht ist, dafs wir einen Zeichner ersten Ranges vor uns haben.'Töpffer hat seine Theorien über diese Technik in den Essais de physiognomonie!) niedergelegt. Es findet sich hier eine Reihe höchst anziehender und lehrreicher Bemerkungen über Konturenzeichnung, über die Bedeutung der einzelnen Teile des Kopfes, den Unterschied zwischen stehenden und nicht- stehenden Zügen u. a. m. Alles ist sorgfältig mit zahlreichen Illustrationen belegt, und die Albums erhalten für den, welcher das leider im Buchhandel vergriffene Heftchen zur Hand nimmt, ein um vieles erhöhtes Interesse.
le plus ce melange d’esprit francais et d’humour etranger qui faisait le fond de son talent.“ Allerdings fassen wir dies nichtfranzösische Element als eben mit Töpffers Abstammung von einem ehrsamen teutonischen Schneider zusammenhängend. Im übrigen hatte Vischer bereits zu Anfang seiner Studie darauf hingewiesen, dafs sich der Deutsche in Töpffer ganz mit dem Franzosen verbindet.
1) Essais de physiognomonie, par R. T. Geneve 1845. Brochure in—4° autographiee.


