Aufsatz 
Rodolphe Töpffer : sein Leben und seine Werke / von Georg Glöckner
Entstehung
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literarischen Feinschmeckern ausdrücklich hervorhebt: dem vornehmen Pariser Salonkritiker waren sie mit ihrer Naturwüchsigkeit eine zu derbe Kost, der er keinen, rechten Geschmack abzugewinnen vermochte. Relave endlich, der im einzelnen dem geistvollen Witz und der treffenden Darstellung volle Anerkennung zollt, vermilst die Einheitlichkeit des Gedankens, die auch in einem derartigen Werk eines Künstlers hervortreten müsse, und tadelt das Willkürliche und rein Possenhafte der Durchführung. Hierin ist ihm sicherlich Recht zu geben, im übrigen aber scheint mir die minder günstige Beurteilung der Albums seitens einzelner Kritiker da- durch veranlafst zu sein, dafs man sie zu sehr mit Töpffers übrigen Schriften verglichen hat. Sie wollen aber durchaus für sich genommen sein. Man darf nicht vergessen, dals sie zunächst nur für den engen Kreis der Hausgenossen und Freunde bestimmt waren, zum Teil sogar unter einer gewissen Mitwirkung der Zöglinge entstanden sind. Denn mehrfach lassen sich mit Leichtigkeit ganze Reihen von Bildern ausscheiden, die nur durch Zugeständnisse an den Geschmack und die Wünsche der jugendlichen Schar Aufnahme erlangt haben können.

Wie Töpffer selbst die Albums, diese übermütigen Kinder seiner Laune, betrachtet wissen wollte, wird schon aus dem Wanderpals ersichtlich, den er einem jeden von ihnen bei seinem Ausgehn in die Fremde mitzugeben pflegte: Va, petit livre, et choisis ton monde, car aux choses folles qui ne rit pas, bülle; qui me se livre pas, rösiste,; qui raisonne, se möprend; et qui veut rester grave, en est maitre. Noch deutlicher wird dies durch eine Stelle der Essais de physiognomonie, die für das Entstehen der Albums zu charakteristisch ist, als dafs sie hier übergangen werden könnte: Ce qui nous donna un jour Videe de faire toute Vhistoire dum M. Cröpin, ce fut davoir trowve dum bond de plume tout& fait hasarde la figure ci-contre. Ohe! nous dimes-nous, voila decidöment un partieulier un et indivisible, pas agreable ü voir, pas fait non plus pour reussir rien quen se montrant, et dune intelligence plus droite qwouverte, mais daslleurs assez bonhomme, doue de quelque sens, et qui serait ferme sÜ powvait ötre assez con- fiant dams ses lumieres, ou assez libre dans ses demarches. Du reste, pere de famille assurement, et je parie que sa femme le contrarie!... Nous essayämes, et effectivement sa femme le con- trariait dans Veducation de ses onze enfants, söprenant tour& tour de tous les sots instituteurs, de toutes les ‚folles möthodes, de tous les phrönologues de passage. De toute une epopee issue bien moins dune idee preconcue que de ce type trowe par hasard.

Nach diesem Selbstzeugnis ihres Verfassers kommt bei Entstehung der Albums seine moralische Absicht weit weniger in Betracht als das Behagen an der Übung seines Talents und Humors. Hierdurch unterscheidet sich Töpffer auf das bestimmteste von Hogarth, der durch Darstellung des Lasters und seiner Strafe bessern und belehren will!) Außerdem geißelt der Genfer Humorist mehr die Lächerlichkeiten und Verkehrtheiten der Gesellschaft als ihre

!) Friedrich Vischer geht in seinem überaus feinsinnigen Vorwort zur Kessmannschen Ausgabe der Albums sicher zu weit, wenn er Töpffer in einem Vergleich mit Gavarmi und Hogarth auch über letzteren stellt, und die Meinung ausspricht, erst Töpffer trage die wahre moralische Gerechtigkeit ganz in das rein ästhetische Element der vollen Komik über. Ebensowenig vermögen wir ihm beizustimmen, wenn er Töpffers phantastischen Stil, seine willkürliche, närrische Zeichnung, die Gutmütigkeit der Komik und vollendeten Narrheit, sowie das Gemüt für die Tierwelt als deutsche Elemente in Anspruch nimmt. Diese allerdings nicht recht erweislichen Behauptungen Vischers haben die ebenso irrige Vorstellung erzeugt, dafs man in Deutschland die Albums als ernstgemeinte Satiren aut- fasse, und Relave sogar zu dem verdrießlichen Ausruf veranlafst:Ces bons Allemands, rien ne leur pese. Doch soll uns dies nicht abhalten ihm voll und ganz beizustimmen, wenn er fortfährt:La verite est que Töpffer est absolument lui-möme dans cette auvre, et que ses Albums sont peut-6tre celui de tous ses ouvrages lon trouve