12 läuft. Schließlich gründet er als radikaler Demagog eine Zeitung und gelangt dadurch, während er das Volk zu Aufruhr und Blutvergießen führt, in den Besitz der Mittel zu behaglichem Lebensgenufs. Einzelnes ist von großer Wirkung und dem Besten, was Töpffer in den übrigen Albums geschaffen, vollständig ebenbürtig, doch läfst sich ein Nachlassen des frischen Übermuts und der Kraft plastischer Gestaltung deutlich erkennen. Deshalb macht das Ganze selbst auf den, welcher an dem bitteren Ton der Satire keinen Anstoß nimmt, einen etwas unbe- friedigenden Eindruck.
Albert ist das letzte der von Töpffer autographierten und in Genf gedruckten Albums. Monsieur Öryptogame erschien zu Paris 1845 zuerst in dem von Dubochet gegründeten Journal L’Illustration mit Holzschnitten nach Zeichnungen von Cham(Pseudonym des Vicomte de Noe), welchem die Töpfferschen Originale als Vorlagen gedient hatten. Eine Separat- Ausgabe erschien im nächsten Jahre im gleichen Verlage.')
Die Albums de Caricatures haben sehr verschiedene Beurteilung erfahren. Gaullieur verwirft sie so gut wie vollständig, aber offenbar hat die berechtigte Verstimmung über die Verhöhnung der radikalen Partei, der er nahe steht, sein Urteil beeinflufst. Er benutzt den von Töpffer 6 Jahre nach der Vollendung der ersten Albums(1836, Januarheft der Bibliotheque universelle) zum ersten Male ausgesprochenen Plan einer Volkslitteratur in Bildern nach Hogarthschem Muster zu einem ungerechtfertigten Vergleich beider als Moralisten. Hierdurch bezweckt er, Töpffer geradezu als einen der niederen Komiker hinzustellen, die mehr darauf ausgehen, das Zwerechfell ihrer Leser zu kitzeln, als die Sitten zu bessern. Einzig um seiner Lust am Karikaturenzeichnen zu frönen, habe er die an sich unschuldigen Naturen zu lächerlichen Zerrbildern umgeschaffen. Als Zeugen führt er Fellenberg an, der empört gewesen sei, dals ein Lehrer und Erzieher im Doktor Festus seinen Witz habe anstrengen können, die Gelehrten lächerlich zu machen. Er schließt mit der Behauptung: Töpffer avait, en effet, plus de naturel et d’esprit que de jugement, was an sich eine gewisse Wahrheit enthält, an dieser Stelle jedoch keineswegs angezeigt ist. Auch Sainte-Beuve, der sonst so günstig über Töpffer urteilt, lehnte die Albums für seine Person ab, wenn er auch ihre Beliebtheit in weiteren Kreisen von
!) Nachdem die von Töpfter autographierten Albums längst vergriffen und fast nicht mehr zu erlangen waren, hat sein Sohn Francois im Jahre 1860 sämtliche 7 Albums nach den Originalen neugezeichnet. Sie sind bei Garnier freres in Paris, den Verlegern aller illustrierten Werke Töpffers, erschienen.'
Ein Nachdruck von M. Jabot, M. Crepin und M. Vieux-Bois wurde 1839 von Aubert zu Paris veranstaltet. Er ist von Töpffer als billige und getreue, aber geistlose Nachbildung bezeichnet.
Noch zu Töpffers Lebzeiten und mit seiner Bewilligung: hatte der Genfer Buchhändler Kessmann die 6 auto- graphierten Albums mit deutschem und französischem Text herausgegeben. Die von Bode dazu hergestellten Zeichnungen kamen nach Gaullieurs Angabe den Originalen so nahe, dafs Töpffer selbst Mühe hatte beide zu unter- scheiden. Die Ausgabe wurde durch ein Vorwort von Fr. Vischer eingeleitet und führte den doppelten Titel: Collection des histoires en estampes de R. Töpffer— R. Töpffers Komische Bilder-Romane. Geneve 1846. 6 vol. in—8° oblong, texte et dessins autographi6s.
Eine neue deutsche Ausgabe derselben 6 Albums in einem Bande, deren Illustrationen nach den Schweizer, resp. französischen Ausgaben ziukographisch hergestellt sind, Rudolph Töpffers Komische Bilder-Romane, ist vor einigen Jahren bei Paul Neff in Stuttgart erschienen.
Endlich besitzen wir auch von M. Cryptogame eine deutsche Bearbeitung unter dem Titel: Fahrten und Abenteuer des Herrn Steckelbein. Eine wunderbare und ergötzliche Historie nach Zeichnungen von Rudolph Töpffer in Reimen von Julius Kell. Queroktav, 4. Auflage, Leipzig 1879. Die freie Behandlung des Textes hat die ur- wüchsige Komik des Originals im ganzen glücklich gewahrt,


