11 bisher nur zur Vervielfältigung von Rechnungen, Geschäftsbriefen u. dgl. benutzte auto- graphische Verfahren an, nachdem er es durch Versuche brauchbar und bequem gefunden hatte.‘Wie der Erfolg zeigte, war es zur unmittelbaren Wiedergabe des künstlerischen Gedankens sogar vorzugsweise geeignet, da es die Vermittlung des Zeichners überflüssig macht.
So erschien denn im Jahre 1835!) die Histoire de M. Jabot, die Geschichte eines eitlen, dünkelhaften Gecken von ziemlich geringer Herkunft, der sich in die gute Gesellschaft drängt und mit seinen gesellschaftlichen Vorzügen um jeden Preis Beachtung erzwingen und eine Rolle spielen will. Da er seine sämtlichen eingebildeten Talente der Reihe nach zur Geltung zu bringen bestrebt ist, so gerät er in allerlei lächerliche und bedenkliche Lagen, aus denen ihn seine unzerstörbare Selbstgefälligkeit rettet. Nach jeder Niederlage setzt er sich wieder in Positur und nimmt das lächerliche Spiel seiner Eitelkeit mit unverringertem Selbstvertrauen von neuem auf. Da der Gesellschaft seine Entfernung nicht gelingt, so duldet sie ihn, und er erlangt das Ziel seiner Wünsche, die Hand einer etwas phantastischen französischen Marquise.
1837 folgte, durch die Neuerungen im Genfer Unterrichtswesen veranlalst, die Histoire de M. Cr&pin, die köstliche Darstellung der Nöte eines biederen, etwas langsam denkenden und überaus unschlüssigen Vaters von elf sehr lebendigen Knaben, der bei der Wahl eines Erziehers für dieselben sämtliche vorhandene pädagogische Methoden und noch einige von Töpfter für diesen Zweck besonders erfundene der Reihe nach durchprobiert. Da ihm das Unzulängliche derselben jedesmal nach einiger Zeit klar wird, so steht er fortdauernd im Kampfe mit der Gattin, die nacheinander für alle Erziehungssysteme mit Einschlufs der Phrenologie und für ihre jeweiligen Vertreter schwärmt.
In demselben Jahre erschien die Histoire de M. Vieux-Bois, die Schilderung der ergötzlichen Verwicklungen, in welche die idyllische Liebe eines ältlichen empfindsamen Tropfes mit der poesielosen Wirklichkeit gerät.
Das Jahr 1840 brachte M. Pencil und Le Docteur Festus. Der letztere?) ist bereits oben als eine Verhöhnung gelehrter Pedanterie bezeichnet, im übrigen spottet er bei der bunt- scheckigen Mannigfaltigkeit des in übermütigster Laune zusammengewürfelten Stoffs jeder Analyse. Hierin steht er in naher Verwandtschaft zu M. Peneil, in welchem die Durchführung einer einheitlichen Grundidee von Töpfter wohl überhaupt nicht beabsichtigt ist.°)
Im vollsten Gegensatze zu den bisher besprochenen Albums, diesen choses ‚folles, melees d’un grain de serieux, wie Töpffer sie selbst bezeichnet hat, steht die 1845 erschienene, unter dem Eindruck erbitterter politischer Kämpfe entstandene Histoire d’Albert. Es ist eine von Zorn und Hals sprühende Satire auf den Radikalismus, in welchem Töpffer den Ruin der über alles geliebten Vaterstadt sah, in Form der Geschichte eines Taugenichts, der, aus gutem Hause entsprossen, von der Mutter verzogen, alle möglichen Stadien des Lumpenlebens durch-
1) Nach Angabe des Titelblattes bereits 1833 autographiert, vgl. Mirabaud, S. 376.
®) Der Text mit einigen erklärenden Begleitworten erschien in einem besonderen Heftchen von wenigen Seiten: Voyages et aventures du docteur Festus, Geneve et Paris 1840.
°) Zu dieser Vermutung führt schon die von Töpffer dem Haupttitel seiner Albums als Erläuterung hinzu- gefügte Bemerkung, welche hier folgenden Wortlaut hat: Ci-derriere commencent les aventures de Monsieur et de Madame Jolibois, simples particuliers, combindes avec les faits et gestes du Docteur, et les choses merveilleuses relatives au Bourgeois et AM. Pencil. Le tout m&l& aux dröleries du temps prösent, et comme quoi George Lucon &chappa sauf au Vingtieme-löger qui avait bu un coup de trop chez le Maire.


