Aufsatz 
Rodolphe Töpffer : sein Leben und seine Werke / von Georg Glöckner
Entstehung
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im Aufblühen begriffenen Genfer Malerschule beigetragen.!) Töpffer hat die publieistische und besonders die kunstkritische Thätigkeit bis zu seinem Tode mit besonderem Eifer gepflegt, und wir werden uns mit seinen einschlägigen Arbeiten im folgenden noch wiederholt zu beschäftigen haben, doch kommen dieselben bei Bestimmung seiner litterarischen Stellung viel weniger in Betracht, als die Albums de Caricatures, dieNovellen undRomane, die Voyages en zigzag und die Röflexions et Menus propos dun peintre genevois.

Les Albums de Caricatures.

Der schon in der Schülerzeit erkennbare, durch die Bekanntschaft mit Hogarth und die Manier des Vaters genährte Hang zu karikierender Darstellung wurde von Töpfter durch fleißige physiognomische Studien vertieft, zu denen ihm die Winterabende sowie die Arbeits- stunden der Zöglinge hinreichende Muße gewährten. Eines Tages, im Juli 1829, fand er, wie Relave berichtet, dafs eins der Bildchen, die er mit flüchtigen Strichen auf ein Blatt Papier zu werfen liebte, das Wesen eines gewissen Festus, von dem er in einem englischen Buche gelesen, treffend kennzeichne, und kam auf den Gedanken, diese groteske Persönlichkeit zum Helden einer Geschichte in Bildern zu machen. Binnen wenigen Wochen waren die Aventures du Docteur Festus, eine übermütige, possenhafte Verspottung gelehrter Pedanterie in etwa 200 Zeichnungen mit kurzen Legenden vollendet, und da Töpffer an dem närrischen Spiel seiner Phantasie Gefallen gefunden, ließ er ihm bald die ebenso tolle Schilderung der wunderbaren Abenteuer und Schicksale des M. Cryptogame auf seiner Flucht vor der heiratslustigen Elvire folgen. In Albumform gebracht und im Töpfferschen Salon ausliegend, fanden diese komischen Bilderromane den allgemeinen Beifall der Freunde des Hauses. Eckermann, der auf Sorets?) Empfehlung Töpffer im Jahre 1830 in Genf besuchte, sprach die Überzeugung aus, dafs Goethe gewils mit vielem Vergnügen Kenntnis von ihnen nehmen würde, und seine Bitte, dieselben nach Weimar zu senden, fand bereitwilliges Entgegenkommen. Durch Sorets Vermittlung wurden um Neujahr 1831 die beiden Albums nebst einer der illustrierten Reise- beschreibungen Goethe vorgelegt, und seine warme Anerkennung der geistvollen Auffassungs- weise und eigentümlichen Begabung Töpffers veranlafsten diesen ein Jahr später zu einer neuen Sendung, welche den inzwischen vollendeten M. Jabot und eine Anzahl Feder- und Tuschzeichnungen aus den Reisen nach Chamonix'und Italien enthielt und mit demselben freundlichen Anteil aufgenommen wurde.?)

Durch Goethes Beifall ermutigt gab Töpffer dem Drängen seiner Freunde nach und ent- schlols sich zur Veröffentlichung seiner Albums. Er wandte dabei das von den Lithographen

1) Auf Alexandre Calames Talent hat er 1833 in Petit-Senns Journal Le Fantasque bei Besprechung der im Album genevois erschienenen Lithographien des jungen Künstlers in einigen empfehlenden Worten hingewiesen, doch fallen die engeren Beziehungen beider in eine spätere Zeit.

?) Soret, durch seine Beziehungen zu Goethe bekannt, seit 1822 in Weimar, war Erzieher des Erbgrob- herzogs Karl Alexander.

») Vgl. Sorets Brief an Töpffer aus dem Februar 1831 bei Blondel 109111 und seine Aufzeichnungen vom 4. Januar 1831 und 5. Januar 1832 in Eckermanns Gesprächen ete. III, sowie die Bruchstücke aus 4 Briefen Goethes an Soret in dessen Aufsatz: Über die Federzeichnungen von Töpffer(Über Kunst und Altertum von Goethe, 3. Heft des 6. u. letzten Bandes, aus seinem Nachlafs herausgegeben durch die Weimarischen Kunstfreunde. Stuttgart 1832, S. 552573). Der Aufsatz ist unterzeichnet: Soret und Eckermann, doch aus inneren und äußeren Gründen ersterem allein zuzuschreiben.