Aufsatz 
Rodolphe Töpffer : sein Leben und seine Werke / von Georg Glöckner
Entstehung
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Dagegen fallen in diese Zeit dieAnfängeseiner Thätigkeit als Kunstkritiker, indem die im Jahre 1826 zu Genf stattfindende Gemäldeausstellung ihn zu einem heftigen Angriff auf den Klassieismus der französischen Malerei veranlalste, ohne dafs er dabei mit seinem Namen hervorgetreten wäre. Die kleine, 28 Seiten umfassende Broschüre: Idee de Pierre Götroz, marguillier de löglise paroissiale de Mont-Bovon, sur lexposition de tableaux de Gen&ve, en lan de gräce 1826, verdient insofern Beachtung, als sie im Keime bereits die späteren ästhetischen Theorien ihres Verfassers er- kennen lälst, der im ausgeprägtesten Gegensatze zu den damaligen Ansichten das Studium der Natur mit Nachdruck als Hauptforderung aufstellt. Töpffers Stil ist übrigens, wie schon aus dem seltsamen Titel erhellt, ebenso gespreizt wie das angegriffene System: er versucht sich in einer gekünstelten und deshalb wenig ansprechenden Nachahmung der echten, naturwüchsigen und aus- drucksvollen Sprache des 16. Jahrhunderts, die er aus dem Studium Amyots, Montaignes und Rabelais kennen gelernt hatte. Noch hatte er seinen eigentümlichen Stil nicht gefunden, dies beweist auch ein von ihm herrührender Artikel des Journal de Gen&ve vom 2. December desselben Jahres!), in welchem er seinen Angriff gegen die Unnatur des Klassieismus in mehr humoristischem Tone fortsetzt und sich gegen eine aus der vorausgegangenen Broschüre gefolgerte Zurechnung zur romantischen Schule mit dem Bemerken verwahrt, dafs er alle absoluten Systeme gleich- mäßig verabscheue.

Sein zweiter Salon, den er drei Jahre später bei der Wiederkehr der Ausstellung in Form eines 39 Seiten umfassenden Heftchens, ebenfalls ohne sich zu nennen, veröffentlichte, führt den Titel: Le simple bon sens, ou coup de@il sur quelques tableaux ex- poses au mus6e Rath en 1829, und zeigt inhaltlich wie sprachlich einen erheblichen Fortschritt, wenn auch Relave noch in beiden Beziehungen begründete Ausstellungen macht und namentlich die von Töpfter übermäßig angewendete Ironie tadelt. Milder urteilt Blondel, welcher dem Schriftehen bleibenden Wert zuspricht. Mir scheinen Form wie Inhalt noch etwas an jener eigentümlichen Schärfung und Zuspitzung des Ausdrucks zu leiden, welche man Töpffer vielfach als Effekthascherei zum Vorwurf gemacht hat.

Dasselbe dürfte von seinem dritten, ebenfalls anonymen Salon gelten: Deux mots sur quelquestableauxexpos&saumus6e Rath en 1832(26 S.)?), einer reizenden Plauderei voll köstlichen Humors und feiner, treffender Bemerkungen, doch in dem Kapitel Les Ressem- blances nicht frei von einer gewissen Gesuchtheit des Ausdrucks.

Der Vollständigkeit wegen möge hier noch ein kleines, weiter unten bei den Melanges besprochenes Heftehen erwähnt werden, die Reflexions et menus propos dun peintre genevois?). Der Titel ist später von Töpfter seinen gesammelten Aufsätzen über das Schöne in der Kunst als zusammenfassende Überschrift vorgesetzt worden.-

Auf bleibenden, eigenen Wert können diese ersten kunstkritischen Versuche Töpffers kaum Anspruch machen, doch haben sie zu ihrer Zeit nicht wenig zur Förderung der damals

1) Abgedruckt von Relave$. 203206. 2) Im Auszug bei Relave,$. 268274. e 3) Gendve 1830, in8°, 35 p. Abgedruckt in den Melanges unter dem Titel: Les Beaux-Arts, disent les

doctes, sont une noble röcr&ation. 2