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niemals versagende Zuflucht in den Anwandlungen trüber, melancholischer Stimmung war, von welchen er seit seinen Jugendjahren so oft heimgesucht wurde. Wie Rambert, so findet auch Blondel die Quelle dieser moments de noir, wie sie von Töpfter selbst genannt werden, in dem Gegensatze zwischen Ideal und Wirklichkeit, der sich dem stark empfindenden Moralisten auf Schritt und Tritt fühlbar macht. Ich möchte die Ursache lieber in Töpffers cholerischem Temperament suchen und einen Zusammenhang dieser krankhaften Reizbarkeit mit dem Leber- leiden annehmen, welches, lange unbeachtet, allmählich seine Kräfte verzehrte und seinen Tod im besten Mannesalter herbeiführte. Die Spuren seines Pessimismus lassen sich allerdings ziemlich weit zurückverfolgen, doch überwiegt bei ihm lange eine harmlosere Auffassung und Behandlung der Dinge, bei welcher mehr die Lebhaftigkeit des Ausdrucks als die Einseitigkeit des Standpunkts auffällt. Erst als er durch sein späteres Amt und durch seine publieistische und politische Thätigkeit mit den Widerwärtigkeiten des Lebens in engere Berührung kommt, macht sich bei ihm jene Schärfe geltend, durch die er selbst am meisten gelitten hat.— Jedenfalls sah Töpffer den täglichen Umgang mit den Freunden als das sicherste Mittel an, dieser trüben Stimmungen, für die er selbst keinen rechten Grund aufzufinden wufste, Herr zu werden, Bei der Gebundenheit seiner Stellung war er oft genug auf den schriftlichen Verkehr ange- wiesen, der auch sonst unausgesetzt neben dem mündlichen herging. Der urwüchsige Charakter dieses nur zum kleinsten Teil erhaltenen Briefwechsels giebt zwar ein getreues Spiegelbild seines Verkehrs mit den Vertrauten, läfst aber eine Veröffentlichung als unthunlich erscheinen.')
Wenn nun auch die Leitung des Pensionats ihn den ganzen Tag über an das Haus fesselte, so verlangte sie doch vielfach lediglich Überwachung der Zöglinge, gewährte seiner lebhaften Natur keine ausreichende Befriedigung und wurde so für ihn Veranlassung zur Wiederaufnahme von Neigungen und Beschäftigungen, mit denen er endgültig abgeschlossen zu haben glaubte. Rambert hat darauf aufmerksam gemacht, dafs sein ganzes Leben als Mann nur ein fort- gesetztes Streben gewesen ist, auf Umwegen der Malerei sich wieder zu nähern.
Anscheinend war es in den Genfer Pensionaten schon damals Sitte, während der Ferien mit den Zöglingen Ausflüge in die Berge zu unternehmen, wenigstens hatte Töpffer, als er noch bei Heyer war, im Jahre 1823 einen solchen nach der Dent de Vaulion geleitet, und in der Erkenntnis des hohen bildenden Werts dieser Fußwanderungen, die seiner persönlichen Neigung so vollständig entsprachen, hat er von der Gründung seines Pensionats an alljährlich ein-, auch zweimal mit seinen Zöglingen die Schweiz und ihre Nachbarländer bis nach der Provence, Nizza, Genua, Mailand, Südtirol und Venedig durchstreift. Die nur handschriftlich vorhandene Be- schreibung der ersten Reise?), die mit 7 Begleitern vom 24. September bis 6. Oktober 1825 über Lausanne, Montreux, den Col de Jaman, Thun, Interlaken, Wengernalp, Grindelwald, Meiringen, die Grimsel und zurück durch das Rhönethal unternommen wurde, beweist, dals er schon damals die Reiseeindrücke mit Stift und Feder sofort vorläufig festlegte und die Skizzen später zu Hause sorgfältig ausführte. Doch waren die so entstandenen Reisealbums, aus denen im Laufe der Zeit die beiden stattlichen Bände der Voyages en zigzag hervorgehen sollten, noch keineswegs für die Öffentlichkeit bestimmt.
1) Relave p. 137: Töpffer&tait d’un tel abandon dans sa correspondance, il y donnait si libre carriöre aux bouffonneries, aux cog-A-l'äne, aux plaisanteries saugrenues, möme aux mots gros et gras, il y craignait si peu les personnalites et y appelait si ouvertement un chat un chat, que la publication n’en serait guere possible,
2) 58 Seiten, Queroktav, mit 9 Federzeichnungen Töpffers.


