Aufsatz 
Rodolphe Töpffer : sein Leben und seine Werke / von Georg Glöckner
Entstehung
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Nachdem er den Zeichenstift beiseite gelegt und zur Feder gegriffen hatte, war es nur natürlich, dafs sein lebhafter Geist einen Weg suchte, die mannigfaltigen Eindrücke, die er von allen Seiten empfing, in bestimmter Form auszusprechen. Doch ist es ihm nicht besser ergangen wie vielen anderen: er mulste lange suchen, ehe er das richtige Feld fand, auf welchen seine schriftstellerische Begabung gedeihen konnte Wir finden es ganz natürlich, dafs er bei seiner bereits hinlänglich geübten Beobachtungsgabe in Verbindung mit dem vom Vater ererbten sarkastischen Zuge zunächst auf das Gebiet der Satire geriet.

In einer Fabel Les Pots, die nicht ohne treffenden Witz, aber ebensowenig frei von Längen und anderen Mängeln der Form ist, verspottete er die lächerliche Sucht gewisser Leute aus den gens du bas(im Geschäftsviertel am Rhöne), sich den gens den haut(den Patrizier- familien im oberen Stadtteil) gleichzustellen. Schließlich zog er jedoch, um kein unliebsames. Ärgernis zu erregen, sein Erstlingswerk, dessen Entstehung in das Jahr 1822 fällt, noch vor der Drucklegung zurück, und erst Gaullieur hat es der im ganzen verdienten Vergessenheit entrissen.

Der nächste schriftstellerische Versuch war merkwürdigerweise eine Schulausgabe des Demosthenes. Etwa Ende 1822, als der Philhellenismus bereits die ganze Bevölkerung Genfs ergriffen hatte, verband sich Töpffer mit zwei Freunden, Vaucher und Humbert, die sich später durch andere Arbeiten einen Namen gemacht haben, zur Herausgabe einer Reihe grie- chischer Schriftsteller, durch welche man die damals eingeführten deutschen Ausgaben zu verdrängen und sich in einem weiteren Kreise bekannt zu machen hoftte. Man trug die Druck- kosten gemeinsam und teilte sich ebenso in die Bearbeitung des betreffenden Autors, dagegen sollte der Titel jedesmal nur einen Namen als den des Verfassers angeben. So erschienen denn, nachdem 1823 eine in der Hauptsache von Vaucher besorgte Auswahl Äschyleischer Dramen vorausgegangen war, im folgenden Jahre unter Töpffers Namen die Harangues politiques de D&mosthene!), eine kritisch wie exegetisch unbedeutende Arbeit. Töpfter hatte die Bearbeitung der 2. 3. und 4. Philippika und der Rede für den Chersonnes geliefert. Der Text ist nach Reiske gegeben, Bekkers 1822 erschienene Oratores Attiei waren den Her- ausgebern erst während des Druckes zu Gesicht gekommen, weshalb zehn Seiten Varianten der Ausgabe angehängt werden mufsten. Gaullieur beurteilt das ganze Unternehmen, welches nicht weiter fortgesetzt wurde, und namentlich Töpffers Anteil an demselben sehr abfällig und deutet etwas spöttisch an, dafs dieser Ausflug auf das Gebiet der griechischen Litteratur für ihn keinen anderen Gewinn ergeben habe als eine Beeinflussung seines französischen Stils. Durch das Studium Amyots und Paul-Louis Couriers sei er nämlich zu Rabelais und Montaigne geführt worden, deren Sprache und Ausdrucksweise er, zuerst in ungelenker Form, später mit größerem Geschick, nachgeahmt habe. Hat nun auch die Demosthenes-Ausgabe der Wissen- schaft gar keinen, ihrem Verfasser selbst nur einen mittelbaren Nutzen gebracht, so zeigt sie uns wenigstens, dals Töpffer sich dem einmal erwählten Berufe in dieser Zeit mit Ernst zu- gewendet hat. Noch mehr bewies er dies durch die im Jahre 1823 erfolgte Begründung einer eigenen Häuslichkeit.

Am 6. November dieses Jahres vermählte er sich mit einer ihm seit längerer Zeit lieb gewordenen Freundin seiner Schwester Ninette, Anne-Frangoise Moulini6, Tochter des

1) Geneve 1824, in 80 XXXIX et 314 p. et une carte de la Grece.