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und Ninette. Mit eisernem Fleiß warf sich Adam Töpfter auf gewissenhaftes Studium der Natur, der er ihre innersten Geheimnisse abzulauschen verstand. Als Genre-, Karrikaturen- und Landschaftsmaler gewann er, der Autodidakt, der sich sein Leben lang von dem Anschlusse an den damals herrschenden Klassicismus frei hielt, bald eine solche Bedeutung, dafs er von Du Bois Melly mit Recht als der Genfer Maler par excellence bezeichnet wird. Seine Bilder unterscheiden sich durch originelle Manier und geistvolle Zeichnung von denen seiner Zeitgenossen. Das Volksleben der unteren Stände Genfs, wie die Landschaften Savoyens, die er auf seinen Wanderungen zu durchstreifen pflegte, sind von ihm mit gleicher Meisterschaft dargestellt worden. Kaiserin Josephine, der er um das Jahr 1807 bei einem längeren Aufenthalt in Paris Malunterricht erteilt hatte, erwarb eins seiner besten Bilder. Italien lernte er erst in seinem 55. Jahre kennen, nachdem er vorher mehrfach längere Studienreisen nach Paris und England unter- nommen hatte. Noch in viel späteren Jahren war er in seiner auffallenden, altväterischen Tracht auf seinem täglichen Spaziergang um die Wälle Genfs eine von alt und jung gekannte Persönlichkeit. Du Bois Mellys Studie!) hat für uns Deutsche noch ein anderes, eigentümliches Interesse, insofern sie erkennen läfst, wie in den drei Generationen der Töpfterschen Familie das deutsche Element nach und nach abnimmt. Georg Christoph verrät sich noch 30 Jahre nach seiner Ankunft in Genf in der Orthographie eines an seinen Sohn gerichteten französischen Briefes und in seiner ganzen schlichten Herzlichkeit als echter Deutscher; Adam zeigt in seiner sinnigen Naturbetrachtung und noch mehr in seinem nur dem Ideal der Kunst nachstrebenden, im Leben herzlich unpraktischen Wesen ebenfalls noch ausgeprägt deutsche Züge, während eine stark hervortretende sarkastische Ader, eine Neigung zu satirischer Auffassung der lächer- lichen Erscheinungen des täglichen Lebens vielleicht als Erbteil seiner französischen Mutter anzusehen ist. Dafs in Rodolphe das deutsche Element bis auf einzelne Züge verwischt ist, wird aus dem folgenden erhellen.
Steht nun auch‘der Zeitpunkt nicht fest, an welchem Adam Töpffer das Haus der Bourse frangaise bezog,— es führte diesen Namen von einer Stiftung französischer Refugies zur Unterstützung bedürftiger Glaubensgenossen, und war wohl schon damals nach Aufhebung der milden Stiftungen in städtischen Besitz übergegangen— so ist doch sicher, dafs Rodolphe in demselben seine: ganze Kindheit verlebt hat. In dem in stiller Abgeschiedenheit hinter der ehrwürdigen St. Peterskirche liegenden Hause wuchs der Knabe auf und erhielt die lebhaftesten, seine ganze spätere Entwickelung bestimmenden Anregungen in der Malerwerkstatt des Vaters, der ihn gern auf seinen Ausflügen in die Umgebung der Stadt mitnahm. Im Alter von neun Jahren(1808) wurde er dem College seiner Vaterstadt anvertraut, da Adam Töpffer seinem Sohne den Segen einer gründlichen Schulbildung, der ihm selbst versagt geblieben war, zu teil werden lassen wollte. Rodolphes Leistungen im College sowie im Auditoire, der Oberstufe des Gymnasiums, zu welcher er im Alter von 15!/, Jahren(Juli 1814) überging, waren befriedigend, ohne hervorragend zu sein, wie man bei seiner guten Begabung hätte erwarten können. Zweifellos haben die durch die Ausflüge mit dem Vater genährte Neigung zum Malerberuf, welche von den zahlreichen bonshonmes in seinen Heften bezeugt wird, und eine frühzeitig hervortretende Anlage zur Selbständigkeit ihn vielfach von der Beschäftigung mit den Unter- richtsgegenständen abgelenkt. In seinen Selbstbekenntnissen in den Deux prisonniers sagt er
1) Charles Du Bois Melly, Töpffer le peintre, Bibl. univ. dee. 1857, janv. 1858.


