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In ſchroffem Gegenſatz zu ihr, der verſtoßenen, verwaiſt und unbeſchützt dahin welkenden Königstochter, die ihr eignes unwürdiges Elend in endloſen Klagen laut werden läßt, die in heißem Verlangen erglüht nach Rache an der ehebrecheriſchen Mutter, ſteht Klytämneſtra, nicht minder abſchreckend wie in der Oreſtie, doch nicht mit der ſtolzen Zuverſicht erfüllt, die die Königin nach des Aeſchylus Darſtellung an den Tag legt. Sie iſt die Mörderinzihres Gemahls, dem ſie auf heimiſchem Ruhebett im Verein mit dem Buhlen das Haupt mit dem Beile zerſchlagen, mit dem ſie dann vereint das Lager teilt,(v. 276 ff. Dindorf)
von keiner Rachegöttin abgeſchreckt,
nein, die wie jubelnd ob der Frevelthat, ſo oft der Tag zurückkehrt, wo mit Trug und arger Liſt ſie ihrem Gatten grauenvoll das Leben nahm, Feſtreigentänze läßt begehen.
Das Motiv des Mordes iſt, ſo ſehr ſich auch Klytämneſtra gegen dieſe Auslegung ſträubt, das ehe⸗ brecheriſche Verhältnis zu Aegiſth geweſen. Wolluſt vollführte, was Trug ſich erſann, ſagt der Chor; ſie ſelbſt ſucht ihn zwar durch den eitlen Vorwand zu beſchönigen, den ihr Iphigeniens Opferung in Aulis für die Griechen oder Menelaos an die Hand gibt; Beſchwerden wegen des Agamemnon Verhältnis zu Kaſſandra bringt ſie nicht vor. Aber Elektra weiß mit einer von Aeſchylus nicht aufgenommenen, aus den Kyprien ent⸗ lehnten Widerlegung zu antworten: die Schweſter mußte ſterben; ein übermütiges Wort des Agamemnon hatte Artemis erzürnt und dieſe deshalb das Schickſal des Zugs nach Troja von der Opferung der Iphigenie abhängig gemacht. Damit wäre Klytämneſtras Bemerkung, dem Menelaos zu Liebe hätte ja eines ſeiner Kinder geſchlachtet werden können, entkräftet; aber Elektra weiß, daß die Mutter den wahren Antrieb zur Tötung des Gatten verſchwiegen. Sie fragt(585 ff.)
um weſſen Schuld
begehſt du nun der Thaten allerſchändlichſte,
die du das Bett des Mörders teilſt, mit dem vereint du meinem Vater ehedem das Leben nahmſt,
und Kinder zeugſt, indeß die fromm geſinnten du,
die frommer Eh' entſtammten, aus dem Hauſe treibſt?
Damit iſt das eigentliche Motiv, das die Sophocleiſche Klytämneſtra zum Gattenmord getrieben, klar und unumwunden ausgeſprochen: es iſt das ehebrecheriſche Verhältnis zu Aegiſth.
Iſt Klytämneſtra demnach auf der einen Seite das treuloſe, buhleriſche Weib, das ſein unreines Glück mit dem Blut ſeines edlen Gatten erkauft hat, ſo zeigt ſie ſich auch als Rabenmutter gegen die eignen Kinder, für die ſie keine menſchliche Empfindung hat, für die kein Mutterherz warm in ihrem Buſen ſchlägt. Voller Aerger ſieht ſie hin auf die in Thränen um den ermordeten Vater ſich auflöſende Tochter und herrſcht ſie mit den Worten an:
DOu gottverhaßtes Ungetüm! Starb dir allein der Vater? Trauert außer dir kein Sterblicher? 289 ff.
Die Befürchtungen, daß dereinſt doch noch in der Perſon des Oreſt ein Rächer des Vaters erſtehen
könnte, verſetzen ſie in den Zuſtand äußerſter Wut, der ſie Elektra gegenüber mit den Worten Luft macht 296 ff. Trägſt du die Schuld nicht? Iſt es nicht dein Werk? Haſt du den Knaben nicht aus meinem Arm mir einſt entwandt und heimlich ihn hinweggerafft?


