— 14—
Auch Aegiſths Benehmen gibt nicht den geringſten Anlaß zu Welckers Auffaſſung.
Auch für ihn iſt der Todestag des Königs ein duεoa drrρέꝓρος—; frohlockend ruft er aus, daß ihm jetzt der Tod willkommen ſei, nachdem er den Sohn des Mannes, der ſeinem Vater Thyeſt einſt das grau⸗ ſame Mahl bereitet,
zur Buße jener väterlichen Tückesthat gemordet vor ſich liegen ſehe.
So erſcheint auch Aegiſth der Tod des Königs als verdiente Strafe für die Frevelthat ſeines Vaters Atreus und grade der gemeinſame Rachegedanke, der auch ihn beſeelte in der Erinnerung an das thyeſteiſche Mahl, der der Königin Innerſtes erfüllte ſeit dem Opfertod ihrer Tochter, ſcheint zunächſt beide zuſammen geführt zu haben zu einer Verbindung, die natürlich auch zu einer Verletzung der ehelichen Treue führte, die aber Aeſchylus in ſeiner keuſchen Weiſe im„Agamemnon“ wenigſtens ganz in den Hintergrund treten läßt.
Alſo Rachſucht iſt vor allem die Triebfeder in der Handlungsweiſe Klytämneſtras?
Um ihren furchtbaren Plan aber zur Ausführung bringen zu koͤnnen, iſt für ſie die größte Vorſicht nötig, damit in dem Herzen des heimkehrenden Gatten auch nicht der geringſte Argwohn erweckt werde und er nichts ahnend in das Verderben ſtürze. So tritt zu der Rachſucht, die ihr ganzes Weſen erfüllt, noch Heuchelei, in ihren Künſten iſt ſie eine vollendete Meiſterin. Noch ehe Agamemnon, deſſen Heimkehr von Ilions Mauern durch Feuerſignale von Berg zu Berg bis zu des Atreushauſes Zinnen hin gemeldet worden iſt, von ſeiner Gemahlin begrüßt wird, ſpricht aus ihren Reden liſtige Tücke und Heuchelei, die in dem Herzen des Chors keine freudige Regung über die Rückkehr ſeines Herrn aufkommen laſſen und ihn nur mit bangen Befürchtungen für die Zukunft erfüllen.
Freudig bewegt grüßt dann ein Herold die Heimat und verkündigt die nahe Rückkehr des Atriden; Klytämneſtra trägt ihm auf, den König ihrer unverbrüchlichſten Treue zu verſichern und ihrer aufrichtigen Freude darüber Ausdruck zu verleihen, daß ihr Gemahl und Gebieter nach langen Jahren endlich wieder in die Heimat zurückkehrt.
Gibts, fragt ſie
wohl einen Tag, den freudiger die Gattin ſieht,
als da dem Mann das Thor ſie öffnet, den ein Gott vom Felde rettend heimgeführt? So melde denn,
zu Hauſe ſoll er ſeine Gattin finden, treu
ſowie er ſie verlaſſen, in des Hauſes Wacht
anhänglich ihm nur, Bösgeſinnten Haſſes voll.(601 ff.)
Und nun gar in der Begrüßungsrede, mit der die Gattin den Gatten empfängt, 855 ff., wie iſt da jedes Wort, das aus ihrem Munde komut, ein Wort der Lüge und Verſtellung, nur darauf berechnet, in dem Herzen des heimkehrenden Siegers die Freude über die Heimat und den heimatlichen Boden mit ſeinen Segnungen zu ſteigern und zu erhöhen. Wie überbietet ſie ſich gleichſam in den Verſicherungen der Treue und anhänglichen Liebe und doch wie verdächtig müſſen wieder dieſe Worte der Entſchuldigung lauten, mit denen ſie ihren Mangel an Rührung über das Wiederſehen zu erklären ſucht 887 ff.
mir ſind der Thränen ewig rinnende
Brunnquellen bis zum letzten Tropfen hin verſiegt, es ſchmerzen meine überwachten Augen mich,
da Nacht für Nacht mit Weinen ich umſonſt geharrt der Fackelzeichen.


