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jeder zugeben für den Napoleon ein Xerxes iſt, d. h. ein Barbar, ein Despot, deſſen Herrſchaft das elendeſte Sklavenlos bringt. Aehnlich denken aber Schröder und die anderen über Napoleon.
Iſt das auch bei Heinrich der Fall, dann iſt es wohl denkbar, daß Zipfels Rede in ihm blitz⸗ artig ein Verſtändnis für den Wert jenes Opfers, das er vorher noch für ganz zwecklos gehalten hat, entſtehen laſſen kann. Ja er kann nun ſelbſt bereit ſein, jenes Opfer mit den anderen zu bringen, — vorausgeſetzt, daß er in Napoleon einen Xerxes ſieht. Dies iſt nun aber nicht der Fall. Heinrich wünſcht vielmehr geradezu, daß Napoleon auch über die Preußen herrſche, weil er ihn für den„gott⸗ geſandten Geiſt“ hält(II3), für den von Gott wieder geſandten Kaiſer Karl(11), der„die Schranken, die einſt die Völker trennten, niederreißt, daß ſich die Menſchen verbrüdern können“(II3).
In der Weiſe wie bei Schröder und Geertz kann ſich alſo die Sinnesänderung bei Heinrich nicht vollziehen. Wir müſſen andere Gründe ſuchen, und der Dichter läßt ſie auch deutlich genug hervor⸗ treten. Schon Gereke(S. 57— 59) hat mit Recht auf das Widerſpruchsvolle im Verhalten Heinrichs, das uns übrigens nicht nur 12, ſondern auch I4 entgegentritt, hingewieſen und angedeutet, daß es für die Erklärung des Geſinnungswandels wichtig iſt. An beiden Stellen wird Heinrich auf eine Abwehr des Landesfeindes aufmerkſam gemacht, und es entfahren ihm die Worte:
Wär unſere arme Stadt befeſtigt, Wie ſich's gebührt, und Widerſtand nicht Wahnſinn, Ich täte ſelbſt mit Freuden Waffendienſt. Und auf Nettelbecks Worte: .. ob wir nebenher Kolberger, Preußen, deutſche Männer ſind, Ein Narr, wen das bekümmert! erwidert er: Ihr verkennt mich, Bei Gott! Wenn noch ein Schein von Hoffnung wäre, Dem Feind die Stirn zu bieten— Wie erklären ſich dieſee Worte im Munde des Mannes, der in Napoleon den Beglücker der Menſchheit erblickt? Im Zwieſpalt iſt ſein Kopf mit ſeinem Herzen Und weher noch als uns tut er ſich ſelbſt ſagt Roſe von ihrem Bruder(I 1), und III5 bemerkt ſie in Bezug auf H.'s franzoſenfreundliche Haltung: „Ihm iſt nicht wohl dabei“. Offenbar geht alſo neben dem Gefühl der Bewunderung für Napoleon und dem Glauben, daß er beſtimmt ſei, die Menſchheit zu beglücken, eine inſtinktive Abneigung gegen den Nationalfeind, die Franzoſen, her, ein Gefühl, das Heinrich von den Tagen ſeiner Kindheit her in ſich trägt. In der erſten Szene machen ſich dieſe Regungen eines echt vaterländiſch fühlenden Herzens noch da geltend, wo Heinrich einem Mann von Nationalſinn und freudiger Bereitſchaft zum Kampf gegen den Erbfeind gegenüberſteht. Später verſchließt er dieſer Stimme des nationalen Gewiſſens ſein Ohr. Der Zwieſpalt zwiſchen Kopf und Herz macht ſich nicht mehr bemerkbar. Das hängt damit zuſammen, daß ſich Heinrich in Bezug auf die Geſinnung Gneiſenaus und der Mehrheit der Bürger völlig täuſcht. Gneiſenau iſt ihm der„lorbertolle Offizier“, der aus reinem Egoismus Stadt und Bürgerſchaft mitleidlos zu Grunde richtet, damit ihm ſein Kriegsherr„ein Kreuz auf die Bruſt heftet“. Die Bürger aber tragen ſeiner Meinung nach„mit Knirſchen das aufgezwungene Joch“(III9); die „Gedankenloſen“ wagen es nicht, ſich zu widerſetzen.
Nun enthüllt ſich ihm bereits IV 8 und weiter beſonders IV 9 Gneiſenaus Seelengröße und ſein Vaterlandsgefühl in einer Weiſe, die keine Mißdeutung mehr zuläßt. Dieſe überraſchende Erkenntnis wirkt auf Heinrich. Das hat auch Gloel S. 22 angedeutet. Er hätte auch auf die Art, wie ſich plötz⸗


