Aufsatz 
Eignet sich Heyses Kolberg zur dramatischen Anfangslektüre in Untersekunda?
Entstehung
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leichter erkennbar als die der Haupthandlung, weil ſie im Gegenſatz zu dieſer den Namen einer dramati⸗ ſchen Handlung verdient.

Was die Akte I und II von der Nebenhandlung enthalten, iſt als Expoſition zu betrachten. Wir lernen hier die Anſichten Heinrichs kennen, ohne daß derſelbe bis Ende II Schritte zu ihrer Ver⸗ wirklichung tut. Das erregende Moment wird(III 1) durch die Erzählung Schröders gegeben, die Heinrich zu dem Ausruf veranlaßt:

Ich geh' aufs Rathaus; Verlaßt euch drauf, ich ſchaffe mir Gehör.*) Nun ſteigt die Handlung in III6 8, um in III9 die Höhe zu erreichen.

Heinrich hat an die Durchſetzung ſeiner Anſichten ſein Leben gewagt, ſeine Unternehmung iſt völlig mißglückt. Bis IV hält ſich die Handlung lauf der erreichten Höhe; H. will für ſeine Ueber⸗ zeugung ſterben. Der⸗Höhepunkt der Haupthandlung IV 9 bringt dann die innere Umwandlung. Heinrich wird bekehrt und verfolgt in der fallenden Handlung dasſelbe Ziel wie die übrigen Kolberger. Die glückliche Löſung iſt ſeiner mutigen Tat zu danken**).

Die Nebenhandlung zeigt alſo einen z,energiſchen Bühnenſchritt. Sie gewährt uns Einblicke in eine innere Entwicklung und kann als Darſtellung der Ueberwindung des Kosmopolitismus bedeutend wirken, wenn der pſychologiſche Vorgang genügend motiviert iſt und dadurch überzeugt. Ob dies der Fall iſt, wird uns eine Betrachtung des Charakters Heinrichs lehren.

Charaktere.

Gereke und Gloel bezeichnen übereinſtimmend die Art, wie die Wandlung Heinrichs dargeſtellt iſt, als nicht völlig befriedigend***). Beide ſind der Anſicht, daß ſie zu ſchnell, zu plötzlich vor ſich gehe. Doch betonte Gereke, daß der Umſchwung der Geſinnung unter den gegebenen Verhältniſſenan ſich ja pſycho⸗ logiſch wohl verſtändlich ſei. Um in dieſer für die Beurteilung des ganzen Schauſpiels recht wichtigen Frage ein Urteil fällen zu können, müſſen wir die näheren Umſtände, durch die die Wandlung erfolgt, und die Art, wie der Dichter den Charakter Heinrichs in den vorhergehenden Szenen exponiert hat, etwas näher betrachten.

1 Die IV 9 dargeſtellte Aenderung der Geſinnung Schröders) und derer, die noch nicht zum Außerſten entſchloſſen ſind, z. B. Geertz wird durch Zipfels Rede bewirkt. Zipfel hat auf das Beiſpiel der Thermopylenkämpfer hingewieſen. Der Opfertod dieſer Bürgerſoldaten hat den Griechen die mora⸗ liſche Kraft gegeben, das ſchier Unmögliche zu vollbringen: die Beſiegung des Xerxes. Die Nutzanwendung auf den vorliegenden Fall iſt klar. Wenn Kolbergs Soldaten und Bürger ſich für das Vaterland opfern, ſo kann ihr Heldentod dieſelben Früchte zeitigen, wie der der Thermopylenkämpfer: eine begeiſterte Erhebung des ganzen Preußenvolkes(nicht nur des Heeres), deren elementarer Gewalt ſelbſt ein Napoleon weichen muß. Dann iſt aber der Untergang der Stadt kein törichtes Opfer, keinWahnſinn; das muß

*) Gereke S. 26 rechnet dies ſchon zur zweiten Stufe der ſteigenden Handlung. **) Gloel?(S. 12 und 29) nimmt an, Heinrich ſterbe am Schluſſe des Stückes, eine Auffaſſung, die ſich mit N.s Wortenſeid ruhig, Kinder; ſolch ein Aderlaß kann ſeinem hitzigen Blut nur heilſam ſein nicht gut verträgt. ***) Die flüchtige, der Schwierigkeit des Problems in keiner Weiſe gerecht werdende Bemerkung von Pappritz Zt. f. dt. u. XVI(1902) S. 635 können wir hier wohl unberückſichtigt laſſen. t†) Gloel S. 25 iſt anderer Meinung:Auch nach Zipfels großer Rede bekennt er(Schröder) nicht Farbe, ſondern ſchweigt wohlweislich.Ein ſauberer Bürgervorſtand! rufen wir mit Nettelbeck. Dieſes Urteil N.s über Schr. findet ſich aber III6 und iſt dort ganz am Platz. Was Gl. zum Ende der Szene IV 9 bemerkt, iſt unrichtig. Nach Geertz' Worten(ſ. S. 10) rufendie andern(alſo auch Schr.):Ja, das wollen wir!