Aufsatz 
Aus Schillers Studentenzeit
Entstehung
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I

sohn in seineMilitärische Pflanzschule(vom 11. März.1773 abMilitärakademie, seit 1781, als Schiller sie bereits verlassen hatte,Hohe Karlsschule genannt). Die Eintrittsprüfung legte er vor seinem ehemaligen Lehrer Jahn ab. Deren Ergebnis lautete: J. Chr. Friedr. Schiller, Konfirmiert, übersetzte die in den Trivial- schulen eingeführte collectionem autorum latinorum, nicht weniger das griechische Neue Testament mit ziemlicher Fertigkeit; hat einen guten Anfang in der lateinischen Poesie; die Handschrift ist sehr mittelmässig.

Am 16. Januar 1773 zog der dreizehnjährige Schiller, aus- gestattet miteinem hlauen Röcklein nebst Kamisol ohne Ärmel, einigen weiteren Kleidungsstücken, 15 lateinischen Büchern und 23 Kreuzern, mit seinem Vatermissmutigen Herzens die Soli- tude ‚hinauf. War doch der Traum seiner Jugend Theologie zu studieren zu nichte gemacht.

IH. Schiller in der Militärakademie.

a) Auf der Solitude.

Es war ein ganz eigenartiges Schulwesen, in das er eintrat, halb Mittel-, halb Hochschule, Militär-, Beamten- und Künstler- schule zugleich. Theologie war in den Lehrplan nicht aufgenommen. Acht Jahre verbrachte Schiller in der Akademie, davon dritthalb Jahre auf der Solitude. Ein geschmackvoller Bau in Waldesein- samkeit, aber mit prachtvoller Rund- und Fernsicht ins Neckar- tal, nach Ludwigsburg, nach dem Asperg, barg die Zöglinge. An den Festsaalbau desSchlosses, den sog.Lorbeersaal, knüpfen sich Schillererinnerungen, denn hier wurde alljährlich am Stiftungs- tage der Akademie nach wochenlangen Prüfungen die Preisver- teilung vorgenommen. Ein seltsames, festlich-steifes Bild! Der Herzogmit seinem goldbortierten Hütchen, seiner mit Buckeln versehenen gepuderten Frisur mit einem Zöpfchen, seinem kirsch- roten Rocke, seiner gelben Pattenweste, seinen gelben Hosen, hohen Stiefeln und Stiefelstrümpfen,!) im übrigen eine kräftige Gestalt von blühender Gesichtsfarbe und feurigen Augen, sass vor einem mitten im Saale stehenden Tisch, auf dessen roter Samtdecke die silbernen und goldenen Ehrenmünzen und Orden

1) Justinus Kerner bei Weltrich S. 96.