Aufsatz 
Aus Schillers Studentenzeit
Entstehung
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Pädagogen.!) In der dritten Klasse bekam Schiller den Mann, der allerseits als der bedeutendste und wirksamste seiner Ludwigs- burger Lehrer angesehen wird, den Oberpräzeptor Joh. Friedr. Jahn. Er wird von seinen Schülern als ein Erzieher von reichem Wissen, würdevollem Auftreten und ruhigem Ernste geschildert. Leider verlor Schiller diesen Lehrer, der in höchst anregender Weise mit seinen Jungen bereits Ovids Tristien, Vergils Äneide und Horazische Oden las, am 12. Juni 1771, da Jahn an die militärische Pflanzschule auf der Solitude berufen wurde. Mit seinem Nachfolger Phil. Heinr. Winter kam für Schiller und seine Kameraden wieder eine Periode der Püffe und Öhrfeigen. Als Primus der Klasse hatte Schiller den neuen Lehrer mit einem lateinischen Gedichte zu begrüssen und er leistete sich da- mals den Pentameter: ‚Ver nobis Winter polliciturgue bonum.

Vater Schiller freute sich mächtig über den geistreichen Einfall seines Sohnes, mit Stolz trug Fritz sein Po&m vor, der neue Ordinarius aber verwunderte sich bass, dass ihn der beste Schüler gleich mit einem groben grammatischen Schnitzer bewill- kommne.

Aus jener Zeit hören wir, dass der rothaarige Knabe mit den Rossmucken(Sommersprossen) linkisch und schüchtern wurde und sich sogar von den Spielen der andern Jungen zurückzog. Winter war viel schuld daran, wenn Schiller später so bitter von derherz- und geistlosen Erziehung seiner Jugend sprach. Als er einst den Knaben schwarz und blau geschlagen, hernach aber erkannt hatte, dass er ihn unschuldig gezüchtigt habe, ging er zum Vater Schiller und bat ihn um Entschuldigung. Der wusste aber von dem ganzen Vorfalle nichts. Wie er dann den Jungen ins Gebet nahm, beichtete dieser und erwiderte auf die Frage, warum er denn alles ver- schwiegen, er habe gedacht, sein Lehrer meine es doch gut mit ihm.

Schiller besuchte die Schule in Ludwigsburg bis zum Januar 1773; in der vierten Klasse war er nicht. Da gab der Wille seines Landesherrn seiner Lebensbahn gewaltsam eine andere Richtung. Herzog Karl Eugen berief ihn als gutbegabten Offiziers-

') Mehr als vier Klassen hatte die Ludwigsburger Schule überhaupt nicht und diese erst seit 1768, als nach Einzug des Herzogs wegen der vielen Beamten- und Offizierssöhne die Anfügung eines vierten Kurses und damit der Ausbau zu einer Art Obergymnasium erfolgt war.