Aufsatz 
Aus Schillers Studentenzeit
Entstehung
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Orbilii plagosi, mit denen seine Jugend ziemlich reich gesegnet war. Doch liess sich der Knabe seinen Frohsinn noch nicht ver- kümmern, machte bei den oft ziemlich wilden Spielen den An- führer und band furchtlos selbst mit älteren und stärkeren Jungen an, wenn es galt schwächere zu schützen. Seine Freundschaft schenkte er wenigen Knaben, aber wenn er sich zu einem hin- gezogen fühlte, dann hielt er treu und fest an ihm. Mit ver- trauteren Gespielen unternahm er hin und wieder grössere Aus- flüge und Märsche, von denen einer besonders hübsch verlief. Das kam so: Weil er und sein Jugendfreund Elwert, der Cann- statter Leibmedikussohn, den Katechismus fliessend hersagen konnten, vermieden sie nicht bloss die für das Gegenteil üblichen ausgiebigen Prügel, sondern jeder bekam auch wie üblich von Honold zwei Kreuzer. Ihr Sinnen und Trachten ging nun darauf dieses Kapital möglichst rasch und vergnüglich loszu- werden.Schiller, so erzählt Elwert,machte den Vorschlag eine kalte Milch auf dem Hartenecker Schlössle zu essen, da wir aber dahin kamen, war keine zu haben. Schiller änderte das Projekt dahin einen Vierling Käs zu nehmen, aber der Vierling Käs kostete allein vier Kreuzer und wir hätten dann Kein Brot dazu gehabt. Also weiter nach Neckarweihingen; auch hier pochten sie drei- oder viermal vergeblich an, bis sie endlich im letzten Gasthause Brot und Milch in blitzblanker Zinnschüssel, dazu silberne Löffel bekamen, alles für.drei Kreuzer. Für den vierten und letzten erstanden sie in der Ludwigsburger Allee einen Wecken und Johannisträubehen und teilten sich brüderlich darein.Da wir Neckarweihingen verliessen, so berichtet El- wert weiter,stieg Schiller auf einen Hügel, wo wir Neckar- weihingen und Harteneck übersehen konnten, segnete das Wirts- haus, wo wir gespeist wurden und verfluchte Harteneck und die übrigen Neckarweihinger Wirtshäuser mit einer so poetisch-pro- phetischen Emphase, dass ich noch es mir deutlich ins Gedächtnis zurückrufen kann.

Wann Schiller in die dritte Klasse versetzt wurde, ist nicht sicher, wahrscheinlich rückte er im Herbste 1769 auf. Soviel steht fest, dass er in der zweiten und dritten Klasse zusammen fünf Jahre verweilt hat. Das ist für die damaligen Verhältnisse gar nicht auffallend, war ja doch das wiederholte Einpauken des nämlichen Lehrstoffes ein Hauptgrundsatz der württembergischen