Aufsatz 
Aus Schillers Studentenzeit
Entstehung
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I. Schiller auf der Ludwigsburger Lateinschule.

Von Lorch im Remstale, dem Paradiese seiner Kindheit, nach dessen Tummelplätzen und schattigen Wäldern er sich später noch oft zurücksehnte, siedelte Schiller mit seinen Eltern im Jahre 1766 nach Ludwigsburg, dem schwäbischen Versailles, über, von Gottes freier Natur inrauschende Unnatur. Dorthin hatte 1764 der mit seiner Hauptstadt Stuttgart zerfallene Herzog Karl Eugen seine Residenz verlegt.

Im Dezember 1766 trat Schiller, der aus dem trefflichen Vor- unterrichte des Lorcher Pastors Moser kam, in die erste Klasse der Lateinschule ein, deren Ordinarius der Präzeptor Abraham Elsässer war. Der Mann war ernst und streng, besass aber das Vertrauen und die Liebe der Knaben. Schiller lernte bei ihm mit grossem Eifer. War es morgens Zeit zur Schule und das Frühstück noch nicht ganz fertig, so lief der Junge mit nüchternem Magen fort um ja nicht zu spät zu kommen, Er gehörte denn auch bald zu den besten Schülern der Klasse, ob- wohl er ein gehöriges Stück Arbeit zu bewältigen hatte. Tag für Tag, Winter wie Sommer bekam er fünf Schulstunden(mit viel Latein, wenig Deutsch, einem bisschen Arithmetik, Musik, Gesang), dazu noch eineRepetizstunde im Schullokal, in der unter Anleitung des Lehrers die Hausaufgaben erledigt wurden; alle Vierteljahr musste dafür von jedem Knaben ein Gulden be- rappt werden. Sechs Stunden sass also der siebenjährige Schiller tagtäglich auf der Schulbank. In der zweiten und dritten Klasse vermehrte sich die Stundenzahl noch durch die Extralektionen für das sog.Laandexamen.))

Im Herbste 1767 rückte Schiller in die zweite Klasse vor. Als Lehrer hatte er da Phil. Christian Honold, einen jener

) Das mussten diejenigen Knaben, die später Theologie studieren wollten und Schillers heisser Wunsch war das damals alljährlich in Stuttgart machen um in eine derniederen Klosterschulen* aufgenommen zu werden. Sch. erwarb sich 1769 die Zensur: ‚Puer bonae spei quem nihil impedit quo- minus inter petentes huius anni recipiatur; 1770 und 1771(im selben Wort- laut):Puer bonae spei qui non infeliciter in litterarum tramite progreditur. Im Jahre 1772 lautet sie etwas weniger günstig: ‚Non sine fructu per annum proxime praeteritum in iisdem laboravit pensis cum antecessoribus utut eos non penitus exaequet'. Weltrich, 8. 776.