im 9. Mai waren es hundert Jahre, seit Friedrich Schiller seine erhabene Seele, die er in unauf- hörlichem Ringen mit der„engen dumpfen Welt“ geläutert und gefestigt hatte, in die Hände seines - Schöpfers zurückgab. Nur etwas über 45 Jahre ist er alt geworden, aber welch’ einen reichen Schatz nimmer verlierbaren Gutes hat er uns Deutschen, hat er der Welt in seinem Leben und Dichten hinterlassen!
Kein andrer Held könnte uns sein Wesen anschaulicher vor Augen führen als Herakles, der in ewigem Gefechte des Lebens schwere Bahn ging, um endlich, nachdem sich in den Flammen, was göttlich an ihm war, vom Körperlichen geschieden hatte, in Kronions Saal einzuziehen. Es ist uns als hätte Schiller die Schlusstrophen des Gedichtes„Das Ideal und das Leben“ von sich selbst gesungen.
Ihr alle kennt ihn, unseren Schiller, habt in Ehrfurcht und Freude die hundertste Wiederkehr seines Todestages mitgefeiert, habt seines Geistes einen Hauch verspürt, ob ihr nun in eurem Erkennen und Fühlen dem Schützenliedehen oder der grössten Tragödie der Deutschen, dem„Wallenstein“ näher steht. Wohl am wenigsten ist euch aber gerade der Lebensabschnitt Schillers bekannt, in dem ihr euch selbst hoffend und fürchtend bewegt, die Zeit seiner Jugend, seiner Studentenjahre. Aus dieser möchte ich euch kurz und schlicht einiges erzählen um euren Herzen den Knaben und Jüngling Schiller menschlich näher zu bringen, und ich hoffe, dass ich mit meinen Darlegungen, trotzdem sie, wie das ja nicht anders sein kann, des Glanzes und Schimmers entbehren, eure Liebe zu dem grossen Dichter zu noch höherer Glut entfache.!)
') Benützt wurde neben den grossen Biographien von Minor, Weltrich, Berger haupts. das Marbacher Schillerbuch 1905.


