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Wie es möglich iſt, jenes Miſchgebiet bis aufs Dorf obzuxgrenzen und nachzuweiſen, daß in jenen ſüdweſtlichen Theilen des pfälz. Gebietes die fränk.⸗chatt. Volksmenge nicht mehr hin⸗ reichte, die alemanniſchen Grundbeſtandtheile ſoweit zu beeinfluſſen, wie dies weiter nach Norden und Nordoſten möglich war, ſo dürfte für unſer Südheſſen jetzt endgiltig feſtſtehen, daß die Nordhälfte bis ſüdlich von Darmſtadt⸗Beßungen hinüber zum Maine und weſtlich zum Rheine und noch über ihn hinaus echtes chattiſches Kolonialland iſt, daß jedoch auch alle im ethno⸗ graphiſchen Sinne pfälziſchen Theile Heſſens ſeit ungefähr 454 n. Chr. ihre Eigenart haupt⸗ ſächlich infolge einer von Norden her erfolgenden, ſich nach Süden allmählich abſtufenden Be⸗ einfluſſung durch Chatten⸗Heſſen empfiengen, daß alſo alle Bewohner Heſſens entweder ganz oder bis zu einem gewiſſen Grade ethnographiſch zuſammen gehören.
Es beweiſt dies wieder die Wahrheit der Worte unſeres großen Landsmannes Jakob Grimm, daß eine alte ſprachliche Form oder Eigentümlichkeit verloren gegangene Geſchichtsquellen zu erſetzen vermag.
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Aus den bis jetzt abgeſchloſſenen mundartlichen Forſchungen und dem dadurch feſtgeſtellten Grenzzuge ergäbe ſich, um zuſammenzufaſſen, ungefähr folgende geſchichtliche Entwicklung.
Die Stämme der Wangione und Nemeten im ſpäteren Worms⸗ und Speier⸗Gaue waren längere Zeit unter römiſcher Botmäßigkeit und gehörten dann zum alemanniſchen Bunde. Mit dem Erſtarken dieſes Bundes wurden zunächſt die rechtsrheiniſchen Theile aus der Zehentpflicht — daher der Name Dekumaten⸗Land— wieder erlöſt. Das linksrheiniſche Gebiet hielten die Römer länger, zumal auf das ſtarke Mainz geſtützt, bis um's Jahr 350. Bei den früheſten ſchon um 200 beginnenden Kämpfen der Alemannen, zu deren Gebiet wir natürlich das ethno⸗ graphiſch als pfälziſch bezeichnete hinzurechnen müſſen, mit den Franken⸗(d. h. Rhein⸗ franken und Chatten), geſtaltete ſich die römiſche Herrſchaft für die Alemannen inſofern zum Vortheile, als nur das rechtsrheiniſche pfälz. Gebiet durch die aus der Wetterau vordringen⸗ den Chatten beſchränkt werden konnte.
Die Stellung der Römer am Pfahlgraben und zu Mainz hat die Chatten im Weſten ge⸗ ſtauet, bis ſie dieſe Stadt im Jahre 454 nahmen. Im Oſten ſtand nichts entgegen; vom Vogelsberge herab ſtiegen ſie zu Thale, überſchritten den unteren Main und drängten die pfälz. Alemannen in den Odenwald zurück.
So mag ſich die jetzige mundartliche Grenze, mit Ausnahme etwa des Riedes— worüber unten— als Stammesſcheide bis ums Jahr 370 herausgebildet haben.
Dann trat vorübergehend Ruhe ein. Die Burgunder hielten ihren Einzug und beſeitigten den Reſt römiſcher Herrſchaft, rückten dann aber nach Gallien ab.
Nun lebt der alte Kampf zwiſchen Chatten und Alemannen wieder auf, Chlodwig kommt ſütieſlich aus Gallien der bedrängten Heimat zu Hülfe und die Alemannen unterliegen end⸗ giltig 496.
Damit wird der Odenwald chattiſch: von Zwingenberg an der Bergſtraße bis Zwingenberg am Neſkar, vom Malchenberg bis zum Katzenbuckel, ebenſo das Wormſer Land. Die genannten Namen ſprechen für die Stellung der Sieger in dieſem Gebiete. Denn, nicht wie in früheren Jahrhunderten wird diesmal die pfälziſch⸗alemanniſche Bevölkerung zurück⸗ geſchoben; nur chattiſche Adalinge halten ihren Einzug und bleiben als Großgrundbeſitzer zwiſchen den unterworfenen Alemannen wohnen. Allmählich vergeſſen die Pfälzer ſogar, daß ſie Aleman⸗ nen ſeien und führen gern den Namen ihrer fränkiſchen Ueberwinder. So behauptet der pfälziſche Mönch Otfried im Kloſter Weißenburg in fränkiſcher Zunge zu dichten.
Wie dagegen die Chatten nie den Kernpunkt ihrer eigentlichen Heimat auf⸗ und preis⸗ gegeben haben, ſo haftet der damit verwandte Namen der Heſſen heute noch— pars pro toto— am alten Gebiete und führt der heſſiſche Staat allein noch den ihm unmittelbar zukommen⸗ den alten Stammesnamen.
Ebenſo ſind Franken im Blute, ethnographiſch, nur die Rheinfranken, alſo die Bewohner der preußiſchen Rheinprovinz in ungefährer Begrenzung, und die Chatten.
Was nun ſpeziell die chattiſche Bevölkerung des Unter⸗Maingaues, alſo des darmſtädtiſch⸗ aſchaffenburger Gebietes betrifft(mit Recht unterſcheidet die bairiſche Verwaltungsſprache Unter⸗


