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ſtimmte ich, zum Theil mit Kollege Wagner in Darmſtadt, auf H. v. Pfiſters Anregung nach dem Grundſatze: wo lautet ſt und ſp in⸗ und auslautend mit h(ch)? Es ergab ſich daraus, daß die Darmſtadt⸗Aſchaffenburger Gegend, d. h. faſt die ganze Grafſchaft Ober⸗Katzenelnbogen und das alte kurmainziſche Gebiet im nördlichen Starkenburg und im Speſſart zum Chatt.⸗ Heſſ. zu ziehen iſt; denn erſt weſtlich von der Linie Boppard— St. Goar— Ober⸗Weſel und ſüdlich von der Linie, die von da(anfangs dem„Gebück“, der alten Rheingauer Grenze gegen Nieder⸗Katzenelnbogen, ziemlich gleichlaufend) oſtwärts bis Klingenberg am Maine zieht, iſt das pfälz. Laſht, Kunſht, Bruſht, biſht, Poſht, Raſhpel, Haſhpel, Wiſhper, alſo im In⸗ und Aus⸗ laute, durchgedrungen.(Vgl. die Pfiſterſche Karte.) Nur hinter r ſprechen alle binnendeutſchen Dialecte mit h(erſht, Durſht).
Selbſtverſtändlich iſt der chatt.⸗heſſ. Einfluß im Norden des pfälz. Gebietes, alſo dem bei weitem größten Theile der pfälz. Beſtandtheile Heſſens, ſtärker als im Süden. Grenzen ja, wie geſagt, die„Pfälzer“ auf der ganzen Linie vom Rheine bis zum Maine nördl. an Chatten⸗ Heſſen. Wie hier zwiſchen Norden und Süden vielleicht noch eine Grenze nach der Verbreitung des dem Chatten eigentümlichen hr, rhr ſtatt früherem s aus goth.„th“, neuhochd. d—(auch älteres neuengl. hat noch z. B. he cometh, it hath, jetzt comes, has)— ſich ziehen ließe, vgl. alſo bahre ſt. baden, wirhrer ſt. wider, wieder, Schahre ſt. Schaden, ſo ſcheinen mir im pfälz. Gebiete ſich auch zwei Gruppen nach Oſten und Weſten unterſcheiden zu laſſen, inſofern der mehr von den Chatten beeinflußte Oſten im Particip der ſtark liegenden Verben wie das Heſſ. ſagt: gebroche, gekumme u. ſ. w., während der mehr von den Rheinfranken beeinflußte Weſten wie dieſe hat: gebroch,(gekumm. Hier kann man jedoch die kurze Infinitivform(eß, drink) im Fuldiſchen und beſonders in der Schlitzer Gegend vergleichen, vgl. v. Pfiſter p. 101. Im Kreiſe Bingen bewahren das e im ſtarken Part. nur die Orte Heidesheim und Ingelheim. Das Ingelheimer Gebiet ſcheint eine eigentümliche Miſchung von Pfälziſch und Heſſiſch aufzu⸗ weiſen. Die dicken ſht ſind hier in der Conjugation nicht, dagegen in Subſtantiven und in der Comparation durchgedrungen; es heißt hier alſo: der beſhte, dagegen du biſt oder fragend biſte? die Laſht, aber gibſt. Entweder liegt ein gewiſſer Zuſammenhang mit den rechtsrheini⸗ ſchen chatt. Orten wie Walluff, Mosbach, oder vielleicht infolge der Hofhaltung des großen Karl ſtärkerer fränk.⸗chatt. Einfluß vor.
Endlich erwähne ich, wenn auch nicht direct hierher gehörig, daß ich begonnen hatte, im Gebiete der oberen Nahe und der Saarzuflüſſe vom Hochwalde feſtzuſtellen: wo zeigt ſich dort Miſchung des pfälz. und rheinfränk. Weſens, wo erinnert alſo derſelbe Mund mit beſhte, gibſhte?(gibſt du?), Bruſht, wiſhpern⸗flüſtern, an das Alemanniſch⸗Schwäbiſche, alſo Ober⸗ (Hoch⸗) deutſche und zugleich mit dat, wat, et, großet(im neutr. attrib. Adjectiv) als rhein⸗ fränkiſchen Kennzeichen an die in dieſen vier Fällen bei t noch vorhandene Uebereinſtimmung der Tenuis mit dem Stande vor der zweiten Lautverſchiebung und im Niederdeutſchen, ſtatt hochd. ß2
Bis jetzt ſcheinen mir hierher das Thal der Prims bis zur Waſſerſcheide zwiſchen Saar und Moſel, linksnahiſch die Thäler des Söterbachs, der Traun, des Schwollbachs, Siesbachs, rechts davon die des Heimbachs mit Weier⸗ und Reichenbach zu gehören. Die Waſſerſcheide zwiſchen Glan und den eben genannten Nahezuflüſſen ſcheidet nach Oſten das Pfälziſche von dieſem Miſchgebiete. 3 4
Hier alſo und weiter nach Süden an unterer Saar und Nied, nicht aber über die Waſſer⸗ ſcheide zwiſchen Nahe, Saar und Moſel hinaus, auch nicht nördlich von Oberſtein(jedoch noch in Birkenfeld), lagerte ſich, wie v. Pfiſter jedesfalls mit Recht vermuthet*), infolge des Sieges der Franken⸗Chatten im J. 496 rheinfränkiſches Weſen über alemanniſches, ſodaß in jenen ſtillen Thälern bei einem Worte ein Plattdeutſcher, bei einem anderen ein Oberdeutſcher einen vertrau⸗ ten Laut hört und ſich gleichſam Laute der Alpen und des Meeres dort verſchwiſtern.
*) Vergl. deſſen Werk: Zur Geſchichte der hochd. oder ſueviſchen Stämme. Kaſſel und Leipzig bei Luck⸗ hardt 1875, p. 4?, worin S. 45— 46 das die pfälz. Beſtandtheile in Südheſſen Betreffende nach den neueſten Forſchungen(ſ. oben) zu berichtigen iſt.
ch mache hier zugleich auf ein beim Abſchluſſe dieſer Arbeit mir zugekommenes Werkchen über heſſ. Geſchichte aufmerkſam: P. Müller, Kreisſchulinſpector in Alsfeld: Kurze Geſchichte von Heſſen. Gießen. Emil Roth 1881. Hinſichtlich der Bemerkung p. 8 über die Verwandtſchaft der Bewohner Heſſens mit den Chatten gilt das eben Geſagte.


