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Chattiſche Stammes⸗Kunde. Voltstümliche, ſprachliche und geſchichtliche Arbeit. Mit genauer Karte des ſtammheitlichen Gebietes ſowie der ſechs chattiſchen Gaue. Kaſſel, Verlag von E. Hühn. 1880.
Die Germaniſten von Fach werden ohnehin des ihnen längſt bekannten Forſchers fleißiges Werk einer einſichtsvollen Würdigung unterziehen oder haben es ſchon gethan.
Der Verfaſſer hielt ſich ſo weit es möglich war an unſere urkundlich überlieferten Gaue, die er alsdann ſprachlich prüfte, d. h. deren öfters ſtaatlich und adminiſtrativ gezogene Grenzen er an der Hand mundartlicher Forſchung ethnographiſch zu berichtigen ſtrebte, ſodaß ſein Werk der Geſchichte und Sprachwiſſenſchaft gleichmäßig dient.
Es wäre jedoch nicht geeignet, wollte ich hier genauer auf dasſelbe eingehen.
Ich erwähne nur, daß v. Pfiſter den Rheinfranken und ihren nächſten Vettern, den Chatten, die ihnen als eigentlichen Eroberern Galliens und Einigern des erſten deutſchen Reiches gebührende Stellung anweiſt, daß er die Ungenauigkeiten im Gebrauche des Wortes„fränkiſch, Franke“ bekämpft und auffordert, Oſtfranken als Hermunduren, auf die der Name durch Unterwerfung ſeit 531 n. Chr. übergieng, und Franzoſen als romaniſirte, durch fränkiſch⸗ chattiſches Blut beeinflußte Gallier von den echten Rheinfranken und Chatten zu unterſcheiden.
Im chattiſchen Gebiete unterſcheidet er ſechs Gauvölker: Heſſen im fränkiſchen Heſſen⸗Gau, der Grafſchaft Maden(Niederheſſen); Batten im Ober⸗Lahngau, dem Ober⸗Fürſtentum Mar⸗ burg; Battuaren in der Wetteraiba oder Wetterau; Mattiaken im Nieder⸗Lahngau oder Naſſau (Nieder⸗Katzenelnbogen) und je ein Gauvolk in Buchonien(der fuldiſchen Rhön) und im Unter⸗ Maingau oder der Aſchaffenburger und Darmſtädter Gegend(Ober⸗Katzenelnbogen)..
Eingehend behandelt er die chatt.⸗heſſ. Mundarten, gibt ausführliche Sprachproben aus allen Gauen auf S. 78— 155, beſtimmt die Sprachgrenze und ſchließt mit Urteilen und Aus⸗ ſprüchen über die Chatten und einem Rückblick.
Ueber die aus allem ſich ergebenden geſchichtlichen und ethnographiſchen Folgerungen ſowie überhaupt zur Vornahme geſchichtlicher Spezialſtudien verweiſe ich auf das Werk ſelbſt.
Eine mir direct durch chatt.⸗heſſ. Einflüſſe hervorgerufene Eigentümlichkeit der Wetteran, die ſich noch im Frankfurter Dialect zeigt, will ich an dieſem Orte betonen.
Ein Hauptkennzeichen des echten Chatten iſt ſſ ſtatt chs, z. B. ſeſſ Oſſe ſtatt ſechs Ochſen), wobei jedoch der vorhergehende Vokal noch eine eigentümliche Klangfärbung erhält. Tritt nun die Diminutivendung chen, mundartlich che, an einen auslautenden ſogenannten Ziſchlaut, s, z, t, ß, ſo kann auch hier der echte(Ober⸗) Heſſe(Wetterauer) umgekehrt s⸗chle) nicht brauchen und bildet alſo die Diminutive Häuſi, Mäuſi, Häſi, Plätzi, bißi, Schetzi für Häuschen, Mäus⸗ chen u. ſ. w., allerdings auch Klédi, ſonſt jedoch Peif⸗che, Faur⸗che(Feuerchen), Schüegelche, ſogar emöhlche. In jenen Verkleinerungen dürfte das i mehr auf die zu Grunde liegenden Konſonanten s⸗ch als auf das auslautende eln) zurückgehen.
Südlich von Frankfurt hört ſicher das chattiſche ſſ für chs und meines Wiſſens die eben angeführte Eigentümlichkeit auf.
Meine rheinheſſiſchen und ſüdheſſiſchen Kollegen und Landsleute möchte ich nun beſonders darauf hinweiſen, daß nach Rieger und v. Pfiſter die Eigenart der Pfalz, als von dem alemanniſch⸗ ſchwäbiſchen Weſen und dieſer Mundart unterſchieden, hauptſächlich durch chatt.⸗heſſ., in zweiter Linie auch durch rheinfränkiſche, Einflüſſe erzeugt ſein dürfte.
Wie das den Cheruſken(Sachſen) entriſſene Foſen⸗Land den Namen des ſächſiſchen Heſſen⸗Gaues überkam, ſo ließe ſich auch über die ſüdliche heſſiſche Sprachgrenze hinaus wegen dieſes Einfluſſes für den ſüdlichen Odenwald und für Rheinheſſen ethnographiſch der Name pfälziſcher Heſſen⸗Gau rechtfertigen.
Wie weit die chatt. Koloniſationen reichen, davon ſprechen außer den ſprachlichen Gründen Orts⸗ oder Bergnamen, worüber Pfiſter ausführlicher handelt.
Außer den dort aufgeführten Namen gehören vielleicht noch folgende hierher: der Betten⸗ wald(Walddiſtrict) bei Grünberg, Haſſloch und Haſſelberg bei Stadtprozelten, Batzenbachhof und Bettenbach bei Heppenheim und Mörlenbach.
In Starkenburg bildet den Gegenſatz zu Fränkiſch⸗Krumbach Grumbach bei Fürth, nicht das vorletzte chatt. Dorf im Mümling⸗Thale, Mümling⸗Grumbach.
Die Grenze zwiſchen dem pfälz. und heſſ. Sprachgebiete von Mainz bis zum Speſſart be⸗


