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ſtehende Germaniſten verlangen, daß die Schule am beſten thue, an die Mundart anzuknüpfen und von ihr ausgehend das Kind immer höher hinauf zu führen), ſo liegt es auch auf ge⸗ ſchichtlichem Gebiete. An die Liebe des Kindes zum Vaterhaus, zum heimiſchen Ort, zur heimatlichen Gegend ſoll der Lehrer anknüpfen und aus ihr den rechten Patriotismus allmählich entwickeln. Denn dieſer beruht urſprünglich auf der wahren Heimatsliebe.
Umgekehrt findet Dietſch(vgl. Schmids Encyklopädie des geſammten Erz.⸗ und Unterrichts⸗ weſens, II, p. 799) in der genauen Bekanntſchaft mit der beſonderen Landesgeſchichte in der höheren Schule ein wirkſames Mittel, um die Anhänglichkeit und Liebe zu dem großen gemein⸗ ſamen deutſchen Vaterlande als eine Grundlage des ſpeziellen Patriotismus zu beleben und zu erhalten.
Alſo auch er iſt„von der Nothwendigkeit überzeugt, daß in allen Ländern die heimiſche Geſchichte in möglichſt ausgedehnter Weiſe berückſichtigt werde“, ſtimmt aber auch der Anſicht bei, nach der in Sachſen„eine ſpezielle und geſonderte Behandlung der vaterländiſchen Ge⸗ ſchichte der Univerſität vorbehalten bleibt, weil die bedeutſamſten Momente derſelben in die Geſchichte des deutſchen Vaterlandes verflochten ſind, ein tieferes und umfaſſenderes Verſtändnis der übrigen aber ohne bereits gründlichere und ausgebreitetere Kenntnis jener, namentlich aber auch der Geſchichte des deutſchen Staatsrechts unmöglich iſt.“
Ich weiſe nochmals auf meinen Vorderſatz hin, der da lautet: es iſt Aufgabe des Ge⸗ ſchichtslehrers, die Geſchichte der Heimat mit der deutſchen Geſchichte in Verbindung zu bringen(ſ. o.).—
Dies ſcheint mir die Hauptſache und dieſe Forderung verträgt ſich mit meinem wie mit dem von Dietſch aufgeſtellten Geſichtspunkte. Ich verlange alſo, ähnlich wie die ſächſiſche In⸗ ſtruction, keinen ſpeziellen Unterricht in heſſiſcher, bairiſcher, preußiſcher Geſchichte, ſondern eine innige Verwebung der Landesgeſchichte mit der deutſchen und möchte auch in Preußen dieſen eſchepentt wenn nicht bis auf Friedrich II., ſo doch bis zum großen Kurfürſten durchge⸗ ührt ſehen..
Wie alſo die höhere Schule von der Spezialgeſchichte(im weiteren Sinne des Wortes) der Griechen, Römer und Deutſchen ausgehend, den Blick zu erweitern und auf das Univerſum zu lenken hat(vgl. a. a. O. p. 780), ſo möchte ich hinſichtlich der deutſchen Geſchichte wieder einen ähnlichen Weg von der heimatlichen Geſchichte, wenigſtens bei hervorragenden, markirenden Punkten eingeſchlagen und eine Verbindung zwiſchen beiden hergeſtellt wiſſen.
Und ſolcher markirender Punkte hat auch die heſſiſche Geſchichte von der älteſten bis zur neuen Zeit manche aufzuweiſen.
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Wollten nun bisher heſſiſche Lehrer ſich genauere Kenntnis verſchaffen nicht nur hinſichtlich der Heſſen betreffenden geſchichtlichen, ſondern auch der ſprachlichen und ethnographiſchen Ver⸗ hältniſſe, z. B. hinſichtlich der Frage über die Verwandtſchaft zwiſchen den Heſſen und Chatten, über die ethnographiſche Zuſammengehörigkeit oder Verſchiedenheit der Bewohner Heſſens, ſo mußten ſie auch bei emſiger Umſchau in der betreffenden Literatur ſich ſagen, daß dieſe For⸗ ſchungen kaum abgeſchloſſen ſeien..
Herrn Dr. Riegers Vortrag zu Darmſtadt im hiſtoriſchen Vereine im Jahre 1876„Ueber die Anſiedelungen der Chatten“ folgert die ethnologiſche Gleichartigkeit der Bewohner Heſſens aus der Betrachtung der Ortsnamen und unterſcheidet den nördlich des Pfahlgrabens gelegenen Theil als„chattiſches Stammland“ von dem ſüdlichen Theile als„chattiſchem Koloniallande.“
Die hierher gehörigen Forſchungen ſind jüngſt durch Herrn H. v. Pfiſter auf Grund mundartlicher, genaueſter Forſchungen erledigt worden, und ich halte mich der Sache wegen verpflichtet, und da ich auf Anregung des Forſchers hin mich beſtrebte, ein Körnlein zum Ab⸗ ſchluſſe dieſer Forſchungen beizutragen, auch formell berechtigt, die heſſiſchen Lehrer oder auch alle Freunde der Spezialgeſchichtsforſchung auf das jüngſte wol vorerſt abſchließende v. Pfiſterſche Werk hinzuweiſen:
*) Goethe ſagt:„Jede Provinz liebt ihren Dialect, denn er iſt doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Athem ſchöpft.“


