Aufsatz 
Fauna der näheren Umgebung von Bingen : von 1866-1873 von Reallehrer [Johann Baptist Mathias] Mühr dargestellt, 1879 von dem bish. Director Prof. Dr. Glaser fortgesetzt : (Schluß) / Glaser
Entstehung
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tapferen Sieger keine Franzoſen, ſondern daß ſie Franken, daß ſie die nächſten Verwandten der oberdeutſchen Stämme, insbeſondere der Rheinfranken und Chatten⸗Heſſen ſind.

Blieb doch auch im Gymnaſium zu Darmſtadt bei der Erzählung der Kriege Karls des Kühnen in unſeren empfänglichen Gemüthern kaum ein Eindruck lebendiger haften, als wenn der Geſchichtslehrer plaſtiſch zu ſchildern wußte, wie der Anſturm der burgundiſchen Heere auf Neuß an der tapferen Vertheidigung des ſpäteren Erzbiſchofs von Köln, Hermann von Heſſen, und dem muthigen Entſatze ſeines Bruders, des Landgrafen Heinrichs III. mit ſeinen 15 000 Heſſen, ſcheiterte.(Vgl. auch hier a. a. O.)

Hören wir hierüber den einſichtsvollen und patriotiſchen Geſchichtskenner und Schulmann, David Müller, den Geſchichtslehrer des Erbgroßherzogs von Baden.

In der Einleitung zu ſeinerGeſchichte des deutſchen Volks betont er, daß der rheiniſche Knabe die großartige ſtädtiſche Entwicklung von Köln, der ſchleſiſche die Mongolenſchlacht, der thüringiſche und, fügen wir hinzu, der heſſiſche etwas von den glänzenden Landgrafen auf der Wartburg kennen zu lernen das Recht habe und daß denſelben auch ſolche heimiſche Dinge weit mehr intereſſirten als die fernen(brandenburgiſchen). Es möchte alſo der Lehrer aus dem Abſchnitte über die territoriale Geſchichte des XIV. und XV. Jahrhunderts die Geſchichte der Landſchaft, in der er lebe und wirke, auswählen, die betreffende Skizze zu einem vollen Bilde erweitern, das übrige beiläufig benutzen und manches an die Geographie anknüpfen.

Hierin liegt wieder der Rath, durch Anknüpfung zeitlich entfernter Ereigniſſe an örtlich nahe liegende Gebiete erſtere zu veranſchaulichen..

Beneke(Erziehungs⸗ und Unterrichtslehre II p. 355) ſtellt für die Auswahl des Darzu⸗ ſtellenden die Hauptregel auf, daß dasſelbe der Einbildungskraft des Schülers nahe genug liege. Wenn er dann fortfährt, unter dieſer Nähe ſei nicht gerade die räum liche oder die zeitliche zu verſtehen, ſo wird, was den Raum betrifft, dieſer Standpunkt nicht allgemein getheilt, man vergleiche z. B. den Lehrplan für die Heſſ. Realſchulen II. Ordn. in der Geographie, und ich glaube, daß das Ausgehen vom räumlich Naheliegenden gerade die Einbildungskraft des Schülers bedeutend anregt, da esden Elementen des Vorſtellens nach vom Schüler in angemeſſener Vollkommenheit innerlich leichtergebildet werden kann, als das räumlich und zeitlich Unvermittelte(vgl. a. a. O.).

Endlich führe ich hier noch die Forderung des Geſchichtsforſchers und Schulmannes Oskar Jäger(Director in Köln) an(Hülfsbuch für den erſten ÜUnterricht in alter Geſchichte). In der Vorrede ſagt er(p. VI), für die Sagengeſchichte z. B. ſetze er überall voraus, daß die Sage, wie ſie entſtanden, ſo auch in der Erzählung überall an die Erwähnung des Orts angeknüpft werde, den ſie charakteriſire; ſo könne ſie ſofort dienen, dem weſenloſen Schatten eines geo⸗ graphiſchen Namens, gleich wenn er zum erſtenmale genannt werde, einigen Inhalt zu geben: das Geographiſche gebe alſo den Rahmen für die Erzählung. Selbſtverſtändlich gilt dieſer Standpunkt, einmal als richtig anerkannt, für die Sage und Geſchichte.

Daß hiernach Figuren wie Landgraf Philipp der Großmüthige in lebhafteſter und ein⸗ gehendſter Weiſe im Geſchichtsunterrichte zu beleuchten ſind, verſteht ſich von ſelbſt.

Und wie eng berühren ſich mit den Geſchicken dieſes Mannes die gewaltigen Geſtalten ſeiner Zeit in beiden Lagern!

Mit Rückſicht auf das oben Geſagte dürfte aber auch der im vormaligen Kurheſſen unter⸗ richtende Lehrer den Heldengeſtalten der älteren Linie gerecht werden, einem Wilhelm V. und⸗ einer Amalie Eliſabeth.. 5

Daß dabei die Gefühle keiner Konfeſſion zu verletzen ſind, verſteht ſich für den einſichtigen und tactvollen Lehrer von ſelbſt.

Auch das oben angeführte Reſcript Großh. Miniſteriums des Innern vom 22. Auguſt 1879 deutet dieſes an.

Aus der Zeit der Raubkriege Ludwig XIV. ſollten die heſſiſchen Lehrer nicht vergeſſen, der tapferen Vertheidigung von Rheinfels zu erwähnen, das ſich im Jahre 1692 ſo glänzend gegen die Franzoſen hielt und alsWacht am Rheine bewährte. Hierbei mag auch die War⸗ nung vor Bruderzwiſt und Krieg nicht vergeſſen bleiben, die ſich an die 1626er ruhmreiche Vertheidigung dieſer Feſtung durch Kaſſeler und ihre Einnahme durch Darmſtädter und kaiſer⸗ liche Truppen mit Recht knüpft.