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B. Zur Frage der Berechtigung und Methodik des Spezial⸗Geſchichtsunterrichtes
mit beſonderer Beziehung auf heſſiſche Geſchichte und Ethnographie. Von Dir. Dr. Schneider.
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In den folgenden Ausführungen faſſe ich mich aus verſchiedenen Gründen kurz. Einm ſteht mir für dieſes Jahr nur ein kleiner Raum im Programme zur Verfügung und dann be⸗ dingt die Natur der vorliegenden Arbeit einen Hinweis auf weiter unten anzuführende Werke, in denen jedermann ſich weiter unterrichten kann und ev. Einzelſtudien vornehmen möge.
Die Prüfungs⸗Ordnung für den einjährig⸗freiwilligen Dienſt beſagt auf dem Gebiete der Geſchichte, daß der Examinand nachzuweiſen habe: genauere Kenntnis der deutſchen Geſchichte, namentlich der Entſtehung des deutſchen Kaiſerreiches, der deutſchen Kaiſergeſchlechter, der größeren Kriege ſeit Karl dem Großen und der Entwicklung der einzelnen deutſchen Staaten mit Berückſichtigung der Geſchichte des Landes, dem der Examinand angehört.
Aehnlich verlangt der neue Lehrplan der Großh. Heſſ. Realſchulen II. Ordn., daß in den drei oberſten Klaſſen die deutſche Geſchichte in den Vordergrund trete,„wobei die Geſchichte des Großherz. Heſſen beſonders zu berückſichtigen iſt.“
Endlich ſtimmt hierzu die Verordnung über die Feier des Geburtstages Sr. Kön. Hoh. des Großherzogs vom 22. Auguſt 1879, nach der„dieſe Feier weſentlich aus Geſang und einer Erzählung aus der heſſiſchen Geſchichte zu beſtehen hat.“
Alſo in drei Fällen kann in unſerem wie faſt jedem deutſchen Lande der Lehrer veranlaßt ſein, und jedenfalls iſt der Lehrer der Geſchichte veranlaßt, ſich abgeſehen von der ſelbſtver⸗ ſtändlichen eingehenden Kenntnis der deutſchen Geſchichte auch Spezialkenntniſſe im Gebiete der heimiſchen Geſchichte zu erwerben.
Hier liegt nun die Frage ſo, ob ſich die amtlich an den Lehrer herantretende Aufgabe, die Geſchichte der Heimat mit der deutſchen Geſchichte in Verbindung zu bringen, auf methodiſche und pädagogiſche Grundſätze ſtützen läßt.
Die Antwort ſollte ſelbſtverſtändlich ſein.
Und doch ſcheint eine ſtark verbreitete Strömung vorhanden, die unter dem Einfluß der jüngſten Entwicklung der deutſchen Geſchichte ſchel auf die Behandlung und Mitberückſichtigung der Landesgeſchichte herabblickt, während die verſchiedenartigſte Beleuchtung der Frage ſicher zu dem oben angedeuteten Ergebniſſe hindrängt..
Vom Näheren zum Entfernteren! lautet ein erſter Grundſatz.
Oder ſollte dem im Untermain⸗(eigentlich auch im Unterlahn⸗) Gau anſäſſigen Schüler nicht die Figur Rudolfs von Habsburg oder Adolfs von Naſſau oder Ludwigs des Baiern näher treten und nicht in der richtigſten Weiſe deutſche Vaterlandsliebe und heimiſches Stammes⸗ gefühl zugleich geweckt und eins durch das andere geläutert werden, wenn man im geeigneten Zeitpunkt auf jene tapferen und wackeren Katzenelnboger Grafen wie Eberhard I., Diether III. und IV., Wilhelm I. hinweiſt, die alle treu und feſt zu ihrem kaiſerlichen Herren hielten und deren Nachkommen in weiblicher Linie unſere heſſiſchen Landesherren ſind? Vergl. darüber den Aufſatz von Ernſt Wörner in Nr. 176 der Darmſt. Ztg. von 1879:„Zu dem vierhundert⸗ jährigen Gedenktage des Anfalls der Ober⸗Grafſchaft Katzenelnbogen an das Haus Heſſen, dem
27. Juni 1879.“
Ja, das liegt uns zu fern, das geht die Schule nichts an! ſind beliebte Einwände.
Und doch ſoll die Schule und der Geſchichtsunterricht dazu beitragen, den geiſtigen Zu⸗ ſammenhang zwiſchen dem lebenden Geſchlechte und der Vergangenheit wiederzuerwecken und zu erhalten, der uns im alles vernichtenden großen Kriege des 17. Jahrhunderts leider faſt ganz
entſchwand, und den wir um ſo eher wieder herſtellen, je mehr wir von dem uns örtlich näher
liegenden Gebiete ausgehen.
Alſo ſcheint mir es nöthig, bei der Durchnahme zeitlich noch entfernterer Abſchnitte hierauf einzuwirken. So wird die Bedeutung der Schlacht bei Tours und Poitiers, 732, der Sieg des chriſtlich⸗germaniſchen Princips über das muhamedaniſch⸗arabiſche, der heimiſchen Jugend um ſo lebendiger zum Bewußtſein kommen, wenn man nicht nur betont, daß die
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