— 10—
In den beiden unteren Jahreskurſen beruht der Unterricht faſt ausſchließlich auf der An⸗ ſchauung. An den in der Natur beobachteten Vorgängen und zahlreichen Verſuchen werden die Schüler auf die Erſcheinungen aufmerkſam gemacht, daraus die Geſetze abgeleitetet und dann auf die Urſachen, die Kräfte hingewieſen.— In der oberſten Klaſſe tritt die deduktive Behand⸗ lung mehr hervor, jedoch muß das Experiment auch hier die Hauptrolle ſpielen. Ein Lehrbuch iſt einzuführen.
Der Unterrichtsſtoff vertheilt ſich in folgender Weiſe auf die einzelnen Klaſſen:
In Klaſſe III. Die allgemeinen Eigenſchaften der Körper. Einiges aus der Mechanik, ſoweit es zum Verſtändnis des Späteren nothwendig iſt, mit Begründung durch das Experi⸗ ment. Einiges aus der Wärmelehre.
In Klaſſe II. Wärme, Magnetismus und Elektricität.
In Klaſſe I. Das Nothwendigſte aus der Akuſtik. Katoptrik, Dioptrik, das Auge und die optiſchen Inſtrumente. Mechanik. Ueberſichtliche Wiederholung.
c. Chemie.
Lehrziel: Die Elemente der anorganiſchen Chemie, ſowie das Weſentlichſte aus der chemi⸗ ſchen Technologie der wichtigeren anorganiſchen Produkte.— Ein Lehrbuch iſt einzuführen. Der Stoff iſt in angemeſſener Weiſe auf die Klaſſen II und I zu vertheilen.
9. Zeichnen.
Der Unterricht im Zeichnen beginnt mit Vorzeichnen durch den Lehrer an der Schultafel; daran reiht ſich das Zeichnen nach Vorlagen, Modellen und Gipsabgüſſen in methodiſcher Folge, wobei auch den antiken Formen Aufmerkſamkeit zuzuwenden iſt. An der graphiſchen Nachbildung von großen geometriſchen Körpern ſind die Schüler mit den wichtigſten Geſetzen der Perſpektive bekannt zu machen; hier können Ornamente der Baukunſt mit Erfolg beigezogen werden. Zur Ausbildung des Farbenſinns ſoll thunlichſt Gelegenheit gegeben werden.
Das geometriſche Zeichnen wird in den beiden oberen Klaſſen gelehrt. In Klaſſe II kommen zunächſt geometriſche Konſtruktionen zur Ausführung; in Klaſſe I Aufgaben aus der Projektionslehre.
3 10. Schreiben.
Der Schreibunterricht ſchließt in Klaſſe IV ab. Doch werden fakultative Schreibſtunden für Schüler der 3 oberen Klaſſen eingerichtet, zu deren Beſuch ſolche Schüler, die ſich nicht bemühen, leſerlich und ſauber zu ſchreiben, auch gezwungen werden können.
11. Turnen.
Der Turnunterricht hat den Zweck, durch geeignete Leibesübungen Geſundheit, Kraft und Gewandtheit zu fördern, ſowie Muth, Entſchloſſenheit, Ausdauer und den Sinn für Ordnung und Pünklichkeit zu entwickeln. Zugleich hat das Turnen bei höheren Schulen die Aufgabe, die erhöhte geiſtige Anſtrengung auszugleichen.— Den Uebungsſtoff bilden:— folgt derſelbe.*)
12. Singen.
Der Geſangunterricht zerfällt in theoretiſche und praktiſche Uebungen, die in ſtete Ver⸗ bindung zu ſetzen ſind.
Aufgabe der erſteren iſt, die Schüler mit den weſentlichen melodiſchen, rhythmiſchen und dynamiſchen Tonverhältniſſen bekannt zu machen, die gewöhnliche Bezeichnung, Notenſchrift, Vor⸗ zeichen, zu ſicherer Kenntnis zu bringen und eine befriedigende Fertigkeit im Treffen zu erzielen.
Bei den praktiſchen Uebungen ſind Volkslieder und Choräle zu pflegen.
Während des Stimmwechſels ſind die Schüler von der Betheiligung am Geſange fern zu halten. Der Geſangunterricht iſt im Allgemeinen obligatoriſch; doch iſt wegen Mangels an Stimme und Gehör eine Dispenſation zuläſſig.
*) Wir verweiſen auf den amtlichen Lehrplan, der beweiſt, welche Bedeutung dem Curnunterricht bei⸗ gelegt wird. 3


