Aufsatz 
Fauna der näheren Umgebung von Bingen. Von 1866 bis 1873 von Reallehrer [Johann Baptist Mathias] Mühr dargestellt, 1879 von dem bisherigen Direktor Prof. Dr. Ludwig Glaser fortgesetzt : 1. Teil
Entstehung
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Zu bemerken iſt auch noch, daß vor einigen Jahren in der Nahe viele Lachsforellen(Salmo trutta) gefangen und aus Unkunde von den Fiſchern der anliegenden Ortſchaften ſehr wohlfeil ver⸗ kauft worden ſein ſollen, wie eben dort(in Münſter a. d. N.) ein 8 Fuß langer Stör, den man unvermuthet in der Nahe einfing, für Geld gezeigt wurde.

Die in den kleinen Seitenwaſſern des Rheins vordem bei Worms in Menge vorhandenen nied⸗ lichen Stichlinge(Gasterosteus aculeatus), welche die hohen Februarfluthen des Jahres 1862 von dort auf lange Zeit gänzlich hinweggeſpült hatten, ſo daß nur höchſt ſelten wieder von oben herab Exemplare den Wormſer Rheinnebenwaſſern zugeführt wurden, ſind mir auffallender Weiſe weder in Rheinbuchten, noch in ihm oder der Nahe zuſiießenden Bächen in hieſiger Gegend vorge⸗ kommen, während ſie z. B. in den kleinen Waſſern der Wetterau und des Vogelsbergs überall ganz gemein ſind und dort von den Kindern mit Leichtigkeit verſchiedentlich eingefangen werden.

Zu den Waſſerkäfern(Hydrophilidae) macht Herr Mühr in dem Programm von 1872 die Bemerkung:Nach einigen Schriftſtellern ſollen dieſe Käfer der Fiſchbrut nachſtellen, wodurch namentlich die größeren in Fiſchteichen ſchädlich würden. Ich kann dazu berichten, daß ſich auf den oft längere Zeit überſchwemmten Wieſengründen der Wormſer Bürgerweide oft zahlloſe im Waſſer unter den kleinen Fiſchchen umherſchwimmende große, fiſchartig geformte, ſtarkköpfige und ſcharfbei⸗ ßende Larven des pechſchwarzen Waſſerkäfers(Hydrophilus piceus) zeigten, welche herausgeſiſcht und mit Fiſchchen in Gläſer zuſammengethan, dieſe Thierchen in kurzer Zeit, ſobald ſie matt und krank zu werden anfingen, angriffen und bis auf den Rückgrat zerfleiſchten, ebenſo in den Waſſerlachen im Freien ſie verſtümmelten, indem ſie ihnen die Schwanzfloſſen oder Augen wegnagten u. f. f. Auch die kleinen, munteren Dreh⸗ oder Taumelkäfer(Gyrinus natator) fuhren, ſowie ſie ins Aquarium unter darin befindliche kleine, zarte Stichlinge geriethen, auf dieſe los und nagten ihnen im Nu die Augen aus dem Kopf. Es iſt keinem Zweifel unterworfen, daß die ver⸗ ſchiedenen Waſſerkäfer, als Larven ſowohl wie als Käfer, den Fiſchen, zumal jungen Bruten, höchſt verderblich werden, wenn ſie auf der andern Seite auch allerlei Waſſerinſekten vertilgen, oder wenn auch Taſchenberg den Darmcanal von Hydrophilus piceus auf Pflanzenkoſt hinweiſend ge⸗ funden hat.

(Fortſetzung der Käfer.) Fam. Buprestidae.

Die Käfer dieſer Familie ſind nach hinten keilförmig zugeſpitzt, ſehr hartflügelig und ziehen bei der leiſeſten Störung die Beine an ſich, indem ſie ſich fallen laſſen. Sie ſind darum ſehr ſchwer zu finden und werden hauptſächlich durch Auffangen mit Schirmen unter geklopften Bäumen und Bü⸗ ſchen erhalten. Wegen des ſchön metalliſchen Farbenglanzes heißen ſie Prachtkäfer, von denen es an 200 europäiſche Arten gibt. Bei uns am Rhein und in der Pfalz') einheimiſch ſind.

Buprestis L.(Dicerca Eſchſcholtz) alni Meg. s. berolinensis F.(calcarata F.), 8%, broncefarbig mit ſchwarzhöckerigen, hinten geſchwänzten, zweizähnigen Decken, an faulen Eichen.

B.(Chalcophora Solier) mariana L., 1 Zoll lang, braunſchwarz, golden gezeichnet, von kran⸗ ken Kiefern zu klopfen(z. B. im Schwetzinger Wald gewöhnlich).

B.(Ancylochira Eſch.) octoguttata, L. 6 lang, glänzend dunkelſtahlblau mit 8 oder 10 gelben Tropfen auf den hinten zweizähnigen Decken.

B.(Phaenops Lacord.) tarda F. bläulichſchwarz, metalliſch;

B.(Chrysobothris Eſch.) chrysostigma L. Decken furchig mit eingedrückten Goldpunkten, in Waldhainen;

B.(Anthaxia Eſch.) manca F. 3˙, dunkel, Bruſt golden mit 2 ſchwarzen Streifen;

B. s. A. quadripunctata F. 3%, ſchwarzbraun metalliſch, flach, die Larven in jungen Kieferſtangen;

B. s. A. salicis F. 3˙, grün, purpurgoldglänzend, auf Weiden und Roſen;

B. s. Agrilus Solier.) Schlankbäuche: kurze Fühler, ausgebuchteter Deckenrand; über 30 europ. Arten.

Agr. angustulus Illiger u. cyanescens Ratzeburg, beide an jungen Eichen ſchädlich;

Agr. biguttatus F. 6, blaugrün, jede Decke mit einem weißen wolligen Punkte, als Larve in alter Eichenborke, unſchädlich;

Agr. tenuis(viridis Germ.), A. fagi und A. nocivus F., alle drei im Larvenſtand jungen Bu⸗ chen verderblich. Die Larven beginnen ihre Gänge an zolldicken Stämmchen dicht unter der Rinde,

*) Man vergleiche Dr. W. Medicus, Verzeichnis der in der Pfalz vorkommenden Käfer XX u. XXI. Jahres⸗ bericht der Pollichia, Separatabdruck. Neuſtadt a. d. H. 1863.