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III. Chronik des Schuljahres 1891—1892.
1) Umgestaltung der Schule. Im Oktober 1890 wurde bei Gelegenheit der Feier zur Erinnerung an das fünfundzwanzigjährige Bestehen der Anstalt die Hoffnung ausge- sprochen, dass nach sieben Jahren der Umgestaltung eine Zeit der Ruhe und gleichmässigen Arbeit für unsere Schule kommen möge. Diese Hoffnung ist nicht in Erfüllung gegangen. Am 21. März 1891 wurden die letzten Primaner der alten Realschule entlassen, am 6. April traten die ersten Sextaner der neu entstehenden Realschule in die Austalt ein, die nun aber- mals für sechs Jahre eine Vereinigung von drei verschiedenen Schularten darstellt.
Das Realprogymnasium, dessen Einrichtung im Jabre 1884 beschlossen worden war, konnte sich wegen des Zwangs zur Erlernung der lateinischen Sprache die Gunst der hiesigen Einwohnerschaft nicht erwerben, vielmehr machte sich die Abneigung gegen diese Schulgattung durch einen nicht unbeträchtlichen Rückgang der Schülerzahl fühlbar. Als nun S. Majestät der Kaiser sich im Dezember 1890 in der Schulkonferenz warm zu Gunsten der lateinlosen Realschule ausgesprochen hatte, wurde in unsrer Stadt eine Potition an den Stadtrat ins Werk gesetzt, dahin gehend, man möge, um den Bedürfnissen und Wünschen der Einwohnerschaft entgegenzukommen, sobald wie möglich wieder eine lateinlose Realschule an die Stelle des Realprogymnasiums setzen, daneben aber den Fortbestand des Progymnasiums sichern. Diese Petition fand die Zustimmung der städtischen Behörden. Am 17. Februar 1891 verein- barte das Kuratorium mit dem Geheimen Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer die für die Umgestaltung zu thuenden Schritte, und bald darauf ging das Gesuch, die Ein- richtung einer lateinlosen Sexta schon zu Ostern 1891 zu gestatten, an den Herrn Unterrichts- Miaister ab. Die Gewährung des Gesuchs traf am 24. März ein, so dass zu Beginn des neuen Schuljahrs neben der Progymnasial-Sexta eine lateinlose Sexta ins Leben treten konnte. Im bevorstehenden Schuljahre wird die Quinta der Realsenule eingerichtet, während das Realprogymnasium nur noch von Quarta an aufwärts fortbesteht. Es wird beim Wachsen der Realschule alljährlich um eine Klasse verkürzt werden, bis endlich Ostern 1896, mit Aufhören der Untersekunda, das Realprogymnasium verschwinden und an seine Stelle die sechsklassige Realschule treten wird. Das Progymnasium und das Realprogymnasium verlieren schon jetzt ihre Obersekunden, da nach Bestimmung der neuen Lehrpläne vom 6. Januar 1892§. 68 valle siebenstufigen höheren Schulen mit Beginn des Schuljahres 18³2%, auf sechsstufige zu- rückgeführt, d. h., dass die Obersekunden eingezogen werden.“ Doch ist zu bemerken, dass den Schülern nach erfolgreichem Besuche der Untersekunda jetzt, neben der Berechtigung zum einjährigen Dienste, der Eintritt in den Subalterndienst offen steht, wozu früber die Be- endigung des Kursus der Obersekunda erforderlich war.(Vgl. II, 8).
Gerade jetzt sind durch Erlass der neuen Lehrpläne wesentliche Veränderungen in den Lebrzielen, der Lehrweise und der Stundenzahl für Gymnasien, Realgymnasien, und Real- schulen angeordnet. Da unsre Anstalt diese drei Schularten umfasst und sich deshalb nach drei verschiedenen neuen Lehrplänen richten muss, auserdem aber gleichzeitig einer inneren Umgestaltung unterliegt, die alljährlich einen Wechsel in der Zusammensetzung der Klassen und Lehrstunden hervorruft, so ist diese neue Uebergangszeit mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft. Möge die Umgestaltung in eine Realschule mit Progymnasium, die vor einem Jahre begonnen hat, allgemeinen Beifall finden und sich dauernd als zweckentsprechend und segens- reich erweisen.
2. Eröffnung des Schuljahrs, Ausflüge, Ferien u. a. Das Schuljahr be- gann am 6, April mit der Prüfung der neu aufgenommenen Schüler; am Nachmittage wurden nach gemeinschaftlicher Andacht die Schüler mit den Schulgesetzen bekannt gemacht und die neu eintretenden auf gewissenhafte Beobachtung der verlesenen Bestimmungen durch Hand- schlag verpflichtet.— Am 2. Juni unternahmen die Ordinarien mit ihren Klassen Ausflüge in die Umgegend, und zwar ging die Sekunda r. nach Idstein, Tertiar. nach dem Hahnenkamm und Aschaffenburg, Sekunda g, nach Mainz und Wiesbaden, Tertia g. nach dem Lorsbacher
Thal, Quarta und Quinta nach dem Feldberg und Königstein, Sexta und Septima nach dem Köpperner Thal und der Saalburg. 3


