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Verkehr, das Geſchäfts⸗ und Privatleben der übrigen Stände beherrſchen, ſo wird ihnen aller Einfluß auf dieſe Verhältniſſe verloren gehen und was noch ſchlimmer iſt, ſie werden ſich verſucht fühlen, den Fort⸗ ſchritten in dieſer Richtung zu ihrem und des Staates größtem Nachtheile hemmend und hindernd entgegen⸗ zutreten. Zur Widerlegung ſolcher Beſorgniſſe beruft man ſich gern auf England, in deſſen Gelehrten⸗ ſchulen ſelten Naturwiſſenſchaften, wohl aber überwiegend neben Mathematik die klaſſiſchen Studien betrieben werden. Das Beſte, was indeß die Engländer in praktiſcher Beziehung vor uns voraus haben, ſtammt gewiß nicht aus ihren keineswegs muſtergültigen Schulen. Wären die Schulen von einem ſolchen ent⸗ ſcheidenden Einfluſſe auf den engliſchen Volkscharakter, ſo könnte man ſich noch eher verſucht fühlen, aus den Eigenthümlichkeiten deſſelben den Fehlſchluß zu ziehen, daß die klaſſiſchen Studien am wenigſten geeignet ſeien, zu einer höheren Werthſchätzung der idealen Güter vor den materiellen hinzuführen. Uebrigens er— freuen ſich die Naturwiſſenſchaften in England, wenn auch nicht auf den öffentlichen Schulen, ſo doch in zahlreichen über die ganze Inſel ausgebreiteten Vereinen und Inſtituten einer ſorgfältigern Pflege, als in irgend einem Theile des Feſtlands.
Die Nothwendigkeit naturwiſſenſchaftlicher Studien für alle diejenigen, welche ſich den verſchiedenen Zweigen der Staatsverwaltung im engeren Sinne zuwenden, iſt ſchon längſt allgemein anerkannt. Aber es dürfte in der Gegenwart kaum noch einen wiſſenſchaftlichen Beruf geben, für welchen ein genügender Grad von Intelligenz ohne naturwiſſenſchaftliche Bildung erreichbar wäre. Schon ihrer ſehr ausgebildeten Methode wegen gehören die Naturwiſſenſchaften zur allgemeinen Vorſchule des wiſſenſchaftlichen Studiums überhaupt; der aus ihnen zu ſchöpfenden Kenntniſſe aber kann nicht nur der Mediciner und Kameraliſt, ſondern auch der praktiſche Juriſt, der Seelſorger und Pädagoge nicht gänzlich entbehren— ſchon aus dem einfachen Grunde nicht, weil ohne ſie eine tiefere Einſicht in das Weſen des Menſchen nicht möglich iſt; denn auch die Auffaſſung des⸗ ſelben aus ſeiner Kundgebung in Sprache und Geſchichte bedarf einer Grundlage und Stütze an der phy⸗ ſiſchen Kenntniß des Menſchen und ſeines Zuſammenhangs mit dem ganzen Naturleben. Mit der Art von Menſchenkenntniß aber, welche aus dem alltäglichen Verkehr gewonnen wird, kann der wiſſenſchaftlich Ge— bildete ſich nicht begnügen, denn ſeine Ziele ſollen nicht durch Weltklugheit und Schlauheit, ſondern durch eine humane Wirkſamkeit erſtrebt werden. Man iſt weit entfernt, dem Materialismus zu huldigen, wenn man einen ſolchen Grad der Abhängigkeit ſowohl des einzelnen Menſchen als eines ganzen Volkes von den phyſiſchen Bedingungen ſeines Daſeins gelten läßt, daß ſeine geiſtigen und moraliſchen Lebenserſcheinungen durch dieſe Verhältniſſe weſentlich beſtimmt werden. Wer alſo dieſe Erſcheinungen richtig beurtheilen will, muß auch ihre phyſiſchen Bedingungen zu beurtheilen im Stande ſein; wer auf ſie einwirken will, muß die Quellen kennen, aus welchen ſie entſpringen. Wie kann der Erzieher die Individualitäten richtig beur⸗ theilen, bei ihrer Entwicklung die phyſiſchen Förderungen und Hemmungen berückſichtigen, wenn ihm der phyſiſche Organismus des Menſchen unbekannt iſt? Gründliche anthropologiſche und pſychologiſche Studien ſind aber heut zu Tage ohne naturwiſſenſchaftliche Kenntniſſe nicht mehr möglich.
Erwägt man die Bedeutung der Naturwiſſenſchaften in allen den angegebenen Beziehungen, ſo vermag man kaum den Wunſch zu unterdrücken, daß den praktiſch in das Volksleben eingreifenden Dienern des Staats und der Kirche mancher Nebenbeſtandtheil ihrer Fachgelehrſamkeit, der im Leben ſich doch nicht ver⸗ werthen läßt, zu Gunſten einer Wiſſenſchaft, deren praktiſchen Werth man immer mehr ſchätzen lernen wird, je mehr ſich ihre Kenntniß auf alle Stände verbreitet, erlaſſen werden könnte. Ziehen wir einmal beiſpiels⸗ weiſe den Beruf des Seelſorgers in dieſer Richtung näher in Betrachtung. Sein Amt beſteht zwar zunächſt in der Pflege des religiöſen Sinnes des Volks und in der Ausführung der auf das Seelenheil deſſelben


