Aufsatz 
Über Bürgers Lenore
Entstehung
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Volkes gezwungen, das ſchon halb erloſchene Licht ſeines Geiſtes noch einmal mühſam anzufachen, um mit kläglich bezahlten Ueberſetzungen und Gelegenheitsgedichten ſein trauriges Daſein kümmerlich zu friſten. Nur ein Geſchenk der hannoverſchen Regierung, um welches zu bitten er jedoch zu ſtolz geweſen war, verſcheuchte in den letzten Wochen das Geſpenſt des Hungers von ſeinem Sterbelager. Er vollendete ſeine dornenvolle Lebenslaufbahn am 8. Juni 1794.

So ſtehen wir mit tiefer Wehmut an dem Grabe des unglücklichen Bürgers und beklagen es ſchmerzlich, daß es ihm nicht vergönnt geweſen, zum Gipfel der Vollendung und ſittlichen Läuterung empor zu klimmen. Aber trotzdem hat unſer Volk ſeiner nicht vergeſſen und die Schuld, durch die er geſündigt, dem Dichter längſt vergeben. Seine Grabſtätte zu Göttingen ſchmückt ſeit kurzem ein Denkſtein; darunter ruht das müde, im Leben ſo ſchwer geprüfte Dichterherz. Urteilen wir mild über ſeine Schuld! Bürger ſchenkte uns ſeine Lenore, die wiederum in hundert Jahren noch den⸗ ſelben Beifall wie heute finden wird, ſeine Lenore, durch die er ſich dem deutſchen Volke ins Herz geſungen und die Unſterblichkeit errungen hat!

Theodor Gesky.