Aufsatz 
Lenau als Naturdichter
Entstehung
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16 Wie Eichendorff und Wilhelm Müller liebte Lenau den Klang des poetiſchen Poſthorns über⸗ aus; und wie der Sänger derGriechenlieder ſeine Weiſen Muſikanten, Jägern, Müllern und Poſtillonen in den Mund legt, ſo hat Lenau, indem er an ein Reiſeerlebnis anknüpft, in ſeinem Poſtillon eins ſeiner ſchönſten und bekannteſten Gedichte geſchaffen. Der Dichter ſteht in dieſem Nachtbilde nicht über dem Stoffe, wie dieß in echt epiſcher Weiſe Bürger in ſeinerLenore thut, ſondern er hat ſeine eigene Empfindung in die Erzählung verwebt und der Dichtung dadurch eine ſentimentale Färbung verliehen. Das Gedicht iſt aus elegiſchen und idylliſchen Momenten komponirt. Die vier erſten Strophen können als das Muſterbild für die Schilderung einer Frühlingsnacht gelten. An dieſes idylliſche Gemälde reiht ſich als Gegenſatz: einmal die laute Fahrt durch den nächtlichen Frieden, dann die Raſt an der Friedhofsmauer und das poetiſche Todtenopfer, welches der Poſtillon ſeinem im Grabe ſchlummernden Kameraden darbringt, bis am Schluß die nächtliche Fahrt wieder fortgeſetzt wird und das Lied des Poſtillons noch lange im Herzen des Dichters nachklingt. In der ſiebenten Strophe: Wald und Flur im ſchnellen Zug Kaum gegrüßt gemieden; Und vorbei, wie Traumesflug, Schwand der Dörfer Frieden. ſcheint Lenau eine ähnliche Strophe in BürgersLenore vorgeſchwebt zu haben: Wie flogen rechts, wie flogen links Gebirge, Bäum' und Hecken! Wie flogen links und rechts und links Die Dörfer, Städt' und Flecken! ¹) ¹) Daß die Stelle:Ob der todte Poſtillon Stimmt' in ſeine Lieder (Str. 15) ſteht für als ob, geht aus folgenden ähnlichen Satzfügungen hervor: Fried' und Liebe, hold verbunden, Ob der Tod mit ſeinen Wunden Nun auf immer ſchliefe.Seejungfrauen 2. Str. Ob die Wolke ihn belüde Allzutrübe, allzuſchwer, Leget ſich der Himmel müde

Nieder auf das weiche Meer..Meeresſtille 2. Str. Verſchwanden ob die Wolkennacht

Mit einmal ſie verſchlungen.Haideſchenke 8. Str. Und er brauſet in die Schluchten,

Ob er bang nach Hülfe riefe.Clara Hebert l. 2. Str.

Und als Lebwohl ſie winkte mit der Hand, War's, ob der letzte Jugendtraum mir ſchwand.Kommen u. Scheiden 3. Str. Lenau ſcheint ſonach mit Vorliebe als vor ob wegzulaſſen. In metriſcher Beziehung bleibt noch zu berückſichtigen der Vers:Sein Leiblied zu blaſen, worin Lenau von der doppelten Hebung mit demſelben Recht Gebrauch macht wie Schiller, wenn er inWallenſteins Lager den Scharfſchützen zum Kroaten ſagen läßt:Die Fäldfläſche noch geb' ich drein, oder, imHandſchuh zum Schluß ſtandirt:Den Dänk, Däme, begehr' ich nicht. Vgl. Goethe Fauſt I.Spaziergang.Die Frau hat gar einen feinen Gerüch, Schnuffelt immer im Gebétbuch.

Mit ſchwebender Betonung iſt endlich zu leſen:

Ein gar hörzliéber Geſell.