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Ironie der neueſten Poeſie überhaupt zuſammenzuhängen. Scheint es doch, als ob gerade die ironiſche Auffaſſung des Menſchenlebens und ihre Nichtbefriedigung das Herz des Dichters näher zur Natur drängt, um in einem innigeren Verkehre mit derſelben die ideale Befriedigung zu ſuchen, welche in der einſeitigen Diſſonanz der Ironie nimmer zu finden iſt.“
Wenn wir nun zunächſt diejenigen Lieder berückſichtigen, welche ſich unmittelbar auf den Wechſel in der Natur beziehen, ſo finden wir, daß ſie alle eine originelle Auffaſſung enthalten. Es iſt nemlich vorzugsweiſe die Vergänglichkeit in der Natur, die den Dichter ſo mächtig anzieht. So tief wie Lenau haben nur wenige Dichter den Herbſt erfaßt; auch den Winter ſchildert er er⸗ greifend, dagegen hat er dem Sommer kein einziges Lied gewidmet. Auch die größte Anzahl ſeiner Frühlingslieder unterſcheidet ſich weſentlich von denen anderer Poeten. Nur in einigen lebt und wogt die ſelige Frühlingsluſt: ſo in dem prächtigen„Der Lenz,“ das an Hebel's Perſonifikation der Natur lebhaft erinnert, ferner in dem wunderbar ſchönen Liede„Durch den Wald, den dunkeln, geht holde Frühlingsmorgenſtunde“ u. ſ. w.„Himmelhoch jauchzend“ iſt der Dichter in dem vom leichteſten daktyliſchen Rhythmus getragenen„Frühlingsgedränge,“ worin die ganze Natur mit ihm jubelt:
„Frühlingskinder mein Herz umſchwärmen, Flüſtern hinein mit ſchmeichelnden Worten, Rufen hinein mit trunkenem Lärmen, Rütteln an längſt verſchloſſenen Pforten.“ Nur noch einmal frohlockt Lenau in einem ſpäteren Gedicht„Frühling“ ſo wonneſelig: „O Frühling! trunken bin ich dein! O Frühling! ewig biſt du mein!“ Ausgezeichnet durch ihre herrlichen neuen Bilder iſt endlich ſeine„Liebesfeier:“ „An ihren bunten Liedern klettert Die Lerche ſelig in die Luft; Ein Jubelchor von Sängern ſchmettert Im Walde voller Blüt' und Duft. Da ſind, ſo weit die Blicke gleiten, Altäre feſtlich aufgebaut, Und all' die tauſend Herzen läuten Zur Liebesfeier dringend laut. Der Lenz hat Roſen angezündet An Leuchtern von Smaragd im Dom; Und jede Seele ſchwillt und mündet Hinüber in den Opferſtrom.“.
Aber welchen Contraſt zu dieſer im Zauber des Lenzes ſchwelgenden Stimmung bilden andere Frühlingslieder, wie„Aſyl“ und„Trauer“! Wahrhaft ergreifend ſchildert uns der Dichter den „Gefangenen,“ welcher ſich vergebens aus dumpfen Kerkermauern nach dem goldenen Frühlings⸗ ſtrahle ſehnt. Durchweg originell iſt die an großartigen Bildern reiche Perſonifikation des ſieges⸗ froh die Alpen erſteigenden Frühlings:
„Der Wildbach ſtürzt vom Klippenhange nieder, Ein Freudenthränenſtrom, dem Lenz entgegen; Froh ſonnen ſich der Alpe Felſenglieder


