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geflochten, wobei jedoch zu bemerken iſt, daß in ſeinen Dramen beſonders die lyriſchen Partien von großer Schönheit ſind. Farbenſchmerz und Bilderpracht iſt allen dreien eigen: Grün läßt oft ein
brillantes Raketenfeuer von Bildern ſich vor uns wie ein farbenreiches Kaleidoſkop entfalten, ſodaß
wir wahrhaft geblendet ſind, während Lenau und Halm ſich von zu großer Häufung von Bildern und von Ueberſchwenglichkeit im poetiſchen Ausdruck meiſt fern halten. Doch bevor wir nun Lenau's Lyrik näher betrachten, wird es zweckmäßig erſcheinen, einige feine und geiſtreiche Stellen aus ſeinem Briefwechſel mitzutheilen, die auf Naturgefühl und Naturpoeſie ſich beziehen.
So ſchreibt er an Schurz von Stuttgart(28. Juni 1834,¹) indem er an deſſen Gedichte und an die ſeines Freundes Karl Mayer anknüpft:
„Weit entfernt, das wirklich Schöne, das in Mayer's Liedern und in den Deinigen vorkommt, zu verkennen, kann ich mit der fatalen Kürze nicht einverſtanden ſein, die den Leſer gerade da, wo ſich ein poetiſches Gefühl in ihm anſpinnen will, im Stiche läßt. Es liegt eine gewiſſe Neckerei darin, ein kindiſches Verſteckenſpielen. Ferner tadle ich dieſes Hinausgehen in den Wald, dieſes Herumſpioniren, ob die Natur nicht irgend⸗ wo einen poetiſchen Anhaltspunkt biete, gleichſam eine Blöße gebe, wo ihr beizukommen iſt. Bei dieſer Manier(ſo muß ich allerdings dieſes Verfahren nennen) lebt der Dichter gar zu ſehr in der Außenwelt; er lauert beſtändig auf Naturerſcheinungen, an welchen er am Ende bloß herumdeutelt. Ich meine, der Dichter ſoll ſeine Gebilde im Innern und aus ſeinem Innern hervorſchaffen, und die äußere Natur ſoll ihm nur aus der Erinnerung, die im Augenblicke der dichteriſchen Thätigkeit freilich zur frucht⸗ baren Anſchauung werden muß, gewiſſe Mittel ſuppeditiren. Kürzer: Die angewandte und zum Symbol gewordene Naturerſcheinung ſoll nie Zweck, ſondern nur Mittel ſein zur Darſtellung einer poetiſchen Idee.“
Nicht minder wahr und geiſtvoll ſpricht ſich Lenau in einem Briefe an ſeine Freundin Sophie, dieſelbe Dame, an welche auch ſein Gedicht„Zueignung“ gerichtet iſt, über das Verhältnis der an⸗ tiken und modernen Anſchauung in Betreff der Malerei aus:
„Mögen die alten Griechen nur den menſchlichen Körper für ſchön, und einen würdigen Vorwurf der bildenden Künſte gehalten haben, mögen ſie die Malerkunſt auf die, oft nur zu langweiligen Idealköpfe beſchränkt, und einen Porträtmaler, der es mit unregelmäßigen, oft nur allzu liebenswürdigen Geſichtern zu thun hat, mit dem Ehrentitel eines Rhyperographen?) belegt haben;— was geht das uns an? Wir wiſſen recht gut, daß auch ein Thier, eine Landſchaft, ein einzelner Baum, eine Blume ſchön ſein kann. Und wenn es in unſeren Tagen Profeſſoren gibt, die dem antiken Unſinn huldigen, was kümmert das uns? Laſſen Sie ſich Ihren„Kunſtzweig nicht ent⸗ göttern“, wie Sie mir ſchreiben. Freilich iſt die Idee des Schönen in einem Hiſtorien⸗ bilde leichter zu erfaſſen, als in einer Landſchaft; in dieſer leichter, als in einem Blumenbild; ſolche Auffaſſung muß um ſo ſchwieriger werden, je weiter ſich der künſt⸗
leriſche Eindruck vom Gebiete der klaren Vorſtellungen entfernt; je tiefer er ſich in die
Region der Ahnungen verliert. Hört aber die Idee des Schönen auf, eine ſolche zu
¹) Vgl. Schurz, Lenaus Leben IJ. 266. ²) Sudelmaler.


