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„Im roßprangenden Land, o Gaſtfreund, nun giengeſt Du ein zum edeln Ruhſitz, Dem lichthellen Kolonos, Wo die melodiſche Nachtigal¹) Gern einkehret und weit hinaus klagt in blühende Thale, Tief aus grünender Nacht des Epheus mit göttergeweihtem Wuchs, Tauſendbefruchtetem, welchen die Sonne nicht Und keines Winterſturms Anhauch trifft.“ Der Elegiker Simmias hat dem Sophokles zwei Grabſchriften gewidmet, von denen die zweite hier folgen mag: ²) „Friedlich umwinde den Hügel des Sophokles, friedlich, o Epheu, Gieß' ausbreitend die friſch grünenden Flechten umher; Ringsum blühe der Roſe Geſträuch, und ein traubenerfreuter Weinſtock ſchütte die weich ſproſſenden Ranken darauf; Wegen der lieblichen Kunſt, der verſtändigen, welche der Süße Pflegte, den Chariten ſtets und Pieriden geſellt.“ Thut ſich in dieſer Grabſchrift immerhin ein mehr reflectirendes Naturgefühl kund, ſo bieten die griechiſchen Meliker wahrhaft ſentimentale Naturbilder; z. B. folgendes Nachtgemälde von Alkman: ³) „Im Schlaf liegen die Berge mit Gipfeln und tiefen Schluchten, Firnenhöh'n und Waſſeerklüften, Alle die kriechenden Völker, genährt von ſchwarzer Erde, Und berggelagert Wild, und Geſchlecht der Bienen, Und Ungethier, tief in der ſalzigen Purpurflut; Im Schlaf liegt der Vögel fitticheſpannendes Volk.“ Die bekannte Dichterin Sappho ſingt fragm. 18:4) „Süße Nachtigal, tönende Botin des Frühlings,“ und leiht den Tauben ſogar menſchliches Gefühl, fr. 11:⁵) „Aber Froſt iſt über ihr Herz gekommen, Und die Flügel hängen ſie.“ Ibykos fr.: ⁵) „Munter alsdann wecket die herrliche Frühröthe die Nachtigal.“ „Alldort in dem laubigen Gipfelgezweig viel farbige Zeiſige, Tauben mit buntſchillerndem Hals, und die Porphyris, die ſich verſteckt, Und flügelverbreitende Halkyonen.“
Um auch einen Elegiker namhaft zu machen, führen wir noch an Solon fr. 10 b. ⁷)
„Aus dem Gewölk her webet des Schnees Gewalt und des Hagels,
Und aus leuchtendem Blitz dringet der Donner hervor.“
u. Solon fr. 13. c.: 8)
„Wie herwehender Wind ſchleunig die Wolken zerſtreut,
Lenzwind, der, wenn des Meers vielwogigen unfruchtbaren
Unterſten Grund er erregt, und in dem Weizengefild
Treffliche Werke zerſtört, zu dem Sitze der Götter, dem ſteilen
Himmel ſich hebt, und läßt wieder die Heitere ſehn,
¹)„Nachtigal“ nicht Nachtigall, Pl. Nachtigallen, vgl. mhd. nahtegale aus naht, d. h. Nacht und angelſächſ. galan d. h. ſingen(vgl. gellen.)
²) G. Thudichum. Die griechiſchen Lyriker oder Elegiker, Jambographen und Meliker. S. 298.
²) Thudichum a. a. O. 377. ¹) 385. ⁵) 384. ⁶) 409.*) 82. ⁵) 83.


