Aufsatz 
Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel : 1. Teil. Geschichte der Kaiser Balduin I. und Heinrich 1204-1216. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Cal Hopf und mit Unterstützung
Entstehung
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29 Viertes Kapitel. Die Reichsteilung.

Der Streit zwischen Bonifaz und dem Kaiser hatte wenigstens den einen Vorteil, dals er klärend wirkte. Durch den Abzug des Markgrafen war eine Sonderung der Parteien eingetreten, und der nationale Gegensatz zwischen Franzosen und Lombarden schien so am besten gelöst zu sein. Wir bemerkten schon früher, daſs die Deutschen sich auf seiten der Lombarden stellten. Aber nicht alle waren gewillt, ihre Geschicke dauernd an Bonifaz und dessen Fa- milie zu ketten. Während wir den Grafen Berthold von Katzenellen- bogen noch im Jahre 1217 als Bail des Königreichs Thessalonich finden ¹), zogen es die beiden geistlichen Würdenträger vor, schon im Spätsommer des Jahres 1204 nach Deutschland zurückzukehren. Am 17. August brach der Bischof von Halberstadt*), um den 8. September der Abt von Päris³) von Konstantinopel auf. Beide begaben sich zunächst nach Syrien, um dann über Italien der Heimat zuzueilen.

Allein ihre anmutigen Reiseberichte, die Ehrungen in Palästina, die Fährlichkeiten der Reise, die Freude des Wiedersehens in deut- schen Landen dürfen uns hier nicht länger beschäftigen. Wenden wir unsere Augen lieber den Ereignissen zu, die sich im Herbst 1204 in der Reichshauptstadt abspielten. Hier wurden die Tage politischer Ruhe nicht nur rauschenden Festen⁴), sondern auch ernster Arbeit, gewidmet. In dieser Zeit tagte die Kommission, die nach den Be- stimmungen des Märzvertrages die Verteilung der Lehen vorzunehmen hatte. Ein Stück ihrer Arbeit ist uns im sog. Teilungsvertrag von

¹) Hon. III epp. 22. IV. 1217 bei Pressutti 137; Riant, Inn.(18) 59; Trois inscriptions relatives à des reliques rapportées de Cple par des croisés allemands, Mémoires de la société des antiquaires de France, tom. 40(1879) p. 139. Falsch bei Bouchet II 351.

²) Das Datum der Ankunft in Tyrus(7. Okt.) steht fest, das der Abreise ist handschriftlich z. T. falsch überliefert. Konrad wurde nach Griechenland verschlagen, daher die lange Dauer der Fahrt. Ann. Halb. 118, 15. Vgl. Klimke 98.

³) Gunther 113. Bonifaz hatte ihm ein Bistum im Kgr. Thessalonich angeboten (ebenda 109, 457), trotzdem reiste Martin ab und kam am 1. Okt. in Akkon an. Vielleicht reiste er mit der Gesandtschaft, die Balduin an seine Gemahlin schickte (Riant, Ex. I p. LXXXV).

¹) Von Mitte September an: Bald. Cpol. 302; Vill. 180, 212. Vgl. Klimke 37 u. 41.