Aufsatz 
Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel : 1. Teil. Geschichte der Kaiser Balduin I. und Heinrich 1204-1216. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Cal Hopf und mit Unterstützung
Entstehung
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gesandten wurden umringt, man wollte sie niederhauen. Die Herren stürzten herbei; nur mit Mühe konnte man Ruhe schaffen.

Fürwahr, die Stimmung war geeignet, um an der Spitze dieses Heeres den Kampf gegen die falschen Freunde aufzunehmen, zu siegen oder unterzugehen. Allein Balduin konnte sich zu diesem Entschluſs nicht aufraffen, er entliels die Gesandten mit dem Bescheid, daſs er zwar die Vermittlung verwerfe, aber doch nach Konstantinopel kommen werde. Heinrich mochte ahnen, was dort bevorstand, und gab wohl von nun an jeden weiteren Widerstand auf. In der Hauptstadt fand man nur Enttäuschungen. Die alten Quartiere waren von anderen besetzt; die zurückgelassenen Diener ausgetrieben. Mancher muſste sein Unterkommen 12 Stunden von seiner ehemaligen Wohnung ent- fernt suchen. Auch die Geschäfte nahmen einen üblen Fortgang: nach vier Tagen hatten Dandolo und Blois den Kaiser von ihrer Unpartei- lichkeit überzeugt. Man lieſls nun Bonifaz durch fünf Gesandte¹), an deren Spitze wieder Villehardouin stand, von Didymoteichon herbei- holen. Es scheint, daſs man ihn absichtlich mit groſser Auszeichnung empfing: mit 100 Rittern zog der Markgraf in der Hauptstadt ein; der Doge und Blois gingen ihm entgegen. Dann berief man ein all- gemeines Parlament; hier wurde der Kompromifs verkündigt. Thessa- lonich wurde dem Markgrafen von neuem verliehen; Didymoteichon aber der Hut Villehardouins solange anvertraut, bis Bonifaz von seinem Königreich Besitz ergriffen hätte; darauf sollte es in die Hände des Kaisers zurückfallen.

So endete dieser denkwürdige Streit. Manche mochten glauben, daſs er mit Glück beigelegt sei. Im Herbst 1204 herrschte zu Kon- stantinopel Ruhe und Freude; nach den Kämpfen im Frühjahr und Sommer genoſs man den günstigen Augenblick²). Bonifaz aber zog mit seiner Familie und seinem Heere von dannen und nahm Thessa- lonich ohne Widerstand Rainer von Mons war inzwischen ge- storben in Besitz*³). Dann rüstete er sich zur Eroberung des ganzen ihm zugefallenen Reiches. Allein das sind Ereignisse, die uns über die Geschichte des lateinischen Kaiserreiches hinausführen und für sich behandelt werden müssen.

¹) Darunter auch zwei Venetianer, was Vill. diesmal nicht verschweigt. ²) Vill. 180, 212. ²) Vill. 178, 210; Clari 81; Nik. 794.