Aufsatz 
Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel : 1. Teil. Geschichte der Kaiser Balduin I. und Heinrich 1204-1216. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Cal Hopf und mit Unterstützung
Entstehung
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Isaaks und Marias jugendlichen Sochn Manuel bei Bonifaz in hoher Ehre zu sehen. Diese Politik aber wurde dem Markgrafen um so leichter, als er durch die Beziehungen seiner Familie an griechische Sitte gewöhnt war, während Balduin sich augenscheinlich fremd auf grie- chischer Erde fühlte und nur als fremder Eroberer betrachtet wurde. Schon sagten ihm die spottlustigen Griechen nach, dals er mit den Worten des Archimedes prahle:Wohin ich nur ziehe, werde ich die Erde mit meinem Speere bewegen).

Jedenfalls war der Gegensatz der Parteien schon weit gediehen, und es gab Leute, die bereits einen offenen Streit der verdeckten Gehässigkeit vorzogen. Dahin dürfen wir wohl vor allem Balduins Bruder Heinrich rechnen. Diese Richtung in des Kaisers Umgebung hat Villehardouins herben Tadel gefunden*²), und doch lag vielleicht derartigen Anschauungen eine sehr vernünftige Politik zu Grunde.

Bonifaz war dem Kaiser, der noch in Mosynopolis weilte, von Konstantinopel aus gefolgt und hatte den Mestos erreicht. Hier schlug er nicht weit von der Stadt sein Lager aufs). Er begann nun Unterhandlungen und bat Balduin inständigst, von dem Zuge nach Westen abzulassen; lieber wollten sie gemeinsam gegen den Bulgarenkönig Kalojan ziehen⁴). Gerade das aber suchte wohl Hein- rich und seine Partei zu vermeiden. Der Kampf gegen Bulgarien war nicht nötig, umso weniger, als Kalojan den neuen Ankömmlingen bis jetzt nur freundlich entgegen gekommen war?) und noch immer in Unterhandlungen mit Rom wegen der Kirchenunion stand. Mit einem Bulgarenkrieg war nur dem König von Ungarn gedient, der gerade damals mit Bulgarien im Streit lag. Dies mochte auch der

¹) Nik. 791. Er schreibt die Worte dem Euklid zu; doch s. Büchmann, Ge- flügelte Worte, 17. Aufl., S. 360.

²) Vill. 164, 192; s. auch Clari 78. Vgl. Klimke 18.

¹) Vill. 162, 190; Clari 76; Nik. 792.

¹) Vill. lälst die peiden persönlich zusammenkommen, Clari u. Nik. sprechen nur von Unterhandlungen durch Boten. Da Clari Augenzeuge war, ist sein Bericht vorzuziehen. Vgl. Klimke 17.

) Den ersten Annäherungsversuch hatte Kalojan noch vor der zweiten Er- oberung von Konstantinopel gemacht. Jetzt, während Balduin in Adrianopel war, hatte eine Unterredung zwischen dem Bulgarenkönig und einem fränkischen Ge- sandten, Peter de Bracheul, stattgefunden. Hiervon berichtet Vill. nichts, dagegen Clari 79(und vorher 51). Vgl. auch Nik. 809. Klimke 8, 13 u. 18; Jireèek 236; Rattinger II 5; Bouchet II 211; Kalligas 145; Güldner 49. Für Bracheul vgl. Bouchet II 414.