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einigen Tagen lud der Schwiegervater den Schwiegersohn zu Gast. Murzuphlos folgte vertrauensvoll mit wenigen Leuten der Einladung. Man rüstete ihm ein Bad. Aber im Badezimmer warfen ihn die Diener des Alexios vor den Augen der Gattin zu Boden und blen- deten ihn. In der Tür des Bades stehend fluchte Eudokia dem Vater; dieser nannte die Tochter geil und unverschämt. Die ganze Szene ist durch Augenzeugen beglaubigt. Nun irrte Murzuphlos geblendet bei Mosynopolis umher, sein Heer zerstreute sich. Alexios aber nahm seine Tochter Eudokia und Euphrosyne, seine Gattin, mit sich und zog gegen Thessalonich ¹).
Inzwischen war nämlich Balduin mit dem Heere nach Adrianopel gekommen. Hier liefs er auf Bitten der Einwohner Eustach von Saarbrücken mit 40 Rittern und 100 berittenen Dienern zum Schutz gegen den Bulgarenkönig Kalojan zurück. Dann zog er weiter nach Mosynopolis²). Hier aber sollten sich folgenschwere Ereignisse abspielen.
Während nämlich des Kaisers Truppen nicht nur Adrianopel, sondern auch Didymoteichon, Philippopel und andere Orte Thrakiens besetzten und während Balduin selbst in schnellem Zuge nach Westen eilte), war Bonifaz miſstrauisch geworden. Der Kaiser hatte ja sein Versprechen nur widerwillig gegeben: sollte ihm etwa Thessalonich vorweg genommen werden?⁴) Auch sonst spitzten sich die Gegensätze zwischen den beiden Männern mehr und mehr zu. Vom Kaisertum durch die französisch-flandrische Partei ausgeschlossen, wandte sich Bonifaz mit bewuſster Absicht den Griechen zu. Die Heirat mit Isaaks Witwe, Maria von Ungarn, war der erste Schritt gewesen; die Betonung des verwandtschaftlichen Verhältnisses zu deren Kin- dern aus erster Ehe wurde der zweite. Den griechischen Archonten, die sich von Balduin vernachlässigt fanden?), muſste es schmeicheln,
¹) Vill. 160, 188; Gunther 110; Alb. 884; Ann. Halberst. 118, 15; Sicard 179; Chr. Alt. 94; Dand. 293; Nik. 804; Akrop. 9(beruft sich auf Augenzeugen); 440⁰0ʃ 350.
²) Vill. 162, 190. Der Aufbruch des Kaisers ist noch in den Juli zu setzen; für die Zeitbestimmung wichtig Bald. Cpolit. 301. Vgl. Muralt 282; Klimke 37 u. 97. Bei Bouchet II 213 ff. ist die Chronologie ganz in Verwirrung geraten, weil das zeitliche Zusammenfallen des Vertrages vom 12. Aug. mit den Unterhand- lungen zwischen Bonifaz u. Villehardouin bei Adrianopel übersehen ist.
³) Nik. 791.
¹) Ern. 377(ra. 276) meint, Balduin sei nach Thessalonich gegangen, um Bonifaz dort einzusetzen; Finlay 99 schlielst sich dem an. Doch vgl. Klimke 35.
⁵) Nik. 791; Bald. Cpol. 301. Vgl. Klimke 69. 3


