Aufsatz 
Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel : 1. Teil. Geschichte der Kaiser Balduin I. und Heinrich 1204-1216. Unter Benutzung eines Manuskriptes von Cal Hopf und mit Unterstützung
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

Werte nicht erkannt worden: die Folge war, daſs das Griechen- tum sich hier festsetzte und unter der Führung bedeutender Männer zu neuem Leben erstarkte.

Dieser Tausch sollte aber noch in anderer Weise und zwar sehr bald verhängnisvoll werden, denn es zeigte sich, daſs Balduin nur unter dem Drang der Umstände und nicht aufrichtig seine Einwilli- gung gegeben hatte. Es galt jetzt, nachdem man Konstantinopel in Besitz genommen hatte, das Reich zu erobern und die letzten Reste des griechischen Kaisertums auszutilgen. Noch lebten Alexios III. und Murzuphlos; dieser hatte sich in Tzurulon, jener, nachdem ihn Philippopel abgewiesen, in Mosynopolis festgesetzt¹). Natürlich hofften beide Prätendenten, von da aus sich wieder der Reichshauptstadt zu bemächtigen. Es galt also dem zuvorzukommen, und so berief Bal- duin eine Versammlung der Barone auch Dandolo nahm daran teil und erklärte sein Vorhaben, zur Eroberung des Reiches aus- zuziehen. Man billigte den Plan, nahm aber Bedacht darauf, eine starke Besatzung zum Schutz der Hauptstadt zurückzulassen. Dazu bestimmte man folgende: Dandolo, Bonifaz und den erkrankten Blois, ferner Konon von Béthune, Gottfried Villehardouin, Milo von Provins und Manasse de Lolsle. Alle übrigen rüsteten sich zum Aufbruch).

Das Unternehmen begann mit dem Ausmarsch von Balduins Bruder, des Grafen Heinrich von Flandern. Durch diesen Vorstoſs wurde die Strafse bis Adrianopel der nachfolgenden Heeresmasse ge- öffnet. Alle Städte auf dem Wege und selbst Adrianopel ergaben sich. Hier erwartete Heinrich den Kaiser ²). Auch in anderer Weise hatte dieser aufklärende Zug einen guten Erfolg; er schaffte einen der griechischen Prätendenten aus dem Wege. Murzuphlos hatte sich in Tzurulon nicht mehr sicher gefühlt und war mit Gattin und Schwiegermutter beide Frauen hatten sich ihm angeschlossen vor Heinrich her geflohen. Nur wenige Tagereisen lieſs er zwischen sich und den Franken. Schlieſslich wandte er sich gegen Mosyno- polis, wo sein Schwiegervater Alexios III., immer noch unversöhnt, residierte. Es kam zu einer Unterredung und scheinbaren Aussöhnung. Doch blieb Murzuphlos vor der Stadt, Alexios in Mosynopolis. Nach

¹) Vill. 156, 184 ff.; Akrop. 8; Gunther 110, 457: freiwillig sollen ihm die Franken ein Stück Land gegeben haben. Ganz verworren diese Freignisse im Bald. Opolit. 301 ff. Deshalb möchte ich hier nicht die Schlüsse ziehen wie Klimke 58. ²) Vill. I. c.; Clari 76; Nik. 791; Ern. 376; Era. 276.. ³) Vill. 158, 186.